Swissmechanic zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses Der Euro-Knall

Redakteur: Lya Bartholet

Man kann es drehen und wenden wie man will, eine Rückkehr zu einem Eurokurs von 1,20 Franken ist in weite Ferne gerückt. Die KMU in der ­MEM-Branche finden sich nach dem Euro-Knall mitten im Epizentrum wieder und müssen sich mit einer neuen Realität arrangieren. Die Mehrheit der Swissmechanic-Mitglieder musste bereits Massnahmen ergreifen. Diese reichen von internen Optimierungen bis hin zum Stellenabbau.

Firmen zum Thema

Eine Rückkehr zu einem Eurokurs von 1.20 Franken ist in weite Ferne gerückt.
Eine Rückkehr zu einem Eurokurs von 1.20 Franken ist in weite Ferne gerückt.
( © Schlierner - Fotolia)

Die Aufgabe des Euro-Mindestkurses hat die KMU in der MEM-Branche auf dem falschen Fuss erwischt. In den vergangenen Jahren haben sich unsere Unternehmen fit getrimmt und mit dem Eurokurs von 1,20 Franken arrangiert. Just als man sich mit der Situation abgefunden hatte, kam die Meldung der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Dies hatte noch Tage zuvor angekündigt, den Mindestkurs weiter zu verteidigen. Es folgten die Massnahmen der Europäischen Zentralbank, die seither versucht, mit einer erneuten Flutung neuen Schwung in die EU-Märkte zu bringen. Dies könnte für die exportorientierten Unternehmen langfristig positive Auswirkungen haben (siehe Artikel im Swissmechanic-Verbandsheft «Wenn die Wirtschaft schrumpft»). Im Moment sind Zukunftsmodelle jedoch reine Hintergrundinformationen. Viele KMU in der MEM-Branche finden sich nach dem Euro-Knall mitten im Epizentrum wieder und für einige geht es jetzt ums Ganze. Eine schockartige Verteuerung von Exportprodukten um 10 % lässt sich nicht einfach so verdauen. «Die Bandbreite der Auswirkungen und Massnahmen innerhalb des Verbandes ist gross. Die einen können mit sanften Massnahmen und bestehenden Strukturen weitermachen, bei anderen geht es ums Überleben», beschreibt Swissmechanic-Direktor Oliver Müller die Situation. Ein Teil der Mitgliedsunternehmen wird von der Euro-Krise lediglich tangiert, wieder andere können sogar profitieren. Die grosse Mehrheit habe seit dem ominösen 15. Januar 2015 jedoch eine Herkulesaufgabe zu bewältigen. Die Wettbewerbsfähigkeit im EU-Raum ist quasi über Nacht eingebrochen. Die rund 1400 Mitgliedsunternehmen von Swissmechanic exportieren rund 80 % in den EU-Raum, mit Abstand am meisten nach Deutschland. Einzelne Unternehmen verfügen über eine Exportquote in die EU von nicht weniger als 90 %.

Es gibt keine Tabus

Swissmechanic geht davon aus, dass der Franken-Eurokurs in absehbarer Zeit in der Nähe der Parität verharren wird. Ein Kurs von 1,10 Franken dürfte für die kommenden Quartale bereits das höchste der Gefühle sein. Es gilt, unternehmerische Entscheide zu treffen und dabei die ganze Bandbreite möglicher Massnahmen zu prüfen, ist Swissmechanic-Präsident Roland Goethe überzeugt. «Auch die Personalkosten dürfen kein Tabu darstellen. Sie sind nun mal der grösste Kostenfaktor in unseren Unternehmen. Es wäre blauäugig, nicht über Massnahmen in diesem Bereich nachzudenken». Es stelle sich vielerorts die Frage, wie man die Kostenstruktur anpassen könne. Eine Verteuerung der Produkte von 10 % oder mehr innerhalb weniger Tage verlange nach Anpassungen. Mit der Möglichkeit der Kurzarbeit lassen sich – wie es der Name schon sagt – kurzfristige Dürreperioden überstehen. Geht es um die kurzfristige Kompensation von Verlusten beim Bestellungseingang, kann dies ein wirksames Mittel sein. Vielerorts geht es jedoch nicht um ein konjunkturelles, sondern um ein strukturelles Problem. «Der letzte Rest an Margen wurde vielerorts am 15. Januar vernichtet. In einer solchen Situation gilt es, die Kostenstruktur den aktuellen Rahmenbedingungen anzupassen», ist Müller überzeugt. Die Summe von schwächeren Massnahmen müsse man einer harten Massnahme gegenüberstellen. «Im Zweifelsfall bedeutet das, dass man durch den von einzelnen Stellen auf einen Schlag genügend unternehmerischen Spielraum schaffen kann.» Eine schwierige Ausgangslage, verfügt doch die grosse Mehrheit der KMU in der MEM-Branche ausschliesslich über Fachkräfte. Diese werden benötigt, um Innovation zu generieren, den hohen Qualitätsanspruch an die Produkte zu erfüllen und neue Aufträge abzuwickeln. Ende Januar sind bei Swissmechanic die ersten Meldungen von Stellenabbau eingetroffen. Es bleibt zu hoffen, dass das radikale Mittel des Stellenabbaus so wenig wie möglich angewendet werden muss. Wie viele Stellen bei den Mitgliedsunternehmen bis dato betroffen sind, lässt sich nicht beziffern.

(ID:43191919)