Fertigungstechnik

Der Glücksfall: neuer Gewindeschneid-Prozess

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Wir versuchen auch Unmögliches

Doch bevor die Lösung präsentiert wird, ein Blick auf die Schneto AG. Schweizer Qualitäts-Zulieferer, 30 Mitarbeiter stark, gegr. 1947, in Familienbesitz von Michael Baumann, gemeinsam mit seinem Vater geführt. M. Baumann: «Wir verstehen uns als eine anspruchsvolle Automatendreherei. Ein Motto lautet, Unmögliches möglich machen. Wir hatten uns kürzlich an einem ‹unmöglichen› Bauteil versucht. Es handelt sich um eine Dichtung in der Hydraulik, wenige Gramm leicht. Vom Prinzip her ein extrem dünnwandiger konischer Ring: weniger als 1 mm2 im Querschnitt bei einem Durchmesser von 60 mm. Wir haben diesen Ring aus dem Vollen gedreht im IT7-Toleranzfeld. Die Rückseitenbearbeitung dieses filigranen Ringes war eine echte Herausforderung. Doch darüber darf ich absolut keine Auskunft geben, wie wir das realisiert haben. Das ist unser Know-how, das wir erarbeitet haben. Jetzt warten wir auf den Auftrag.» So weit ein Beispiel zum «unmöglichen Werkstück», das die Schneto AG realisiert hat, zu dem es wegen Geheimhaltung leider keine Bilder gibt, um es zu veranschaulichen. Mehr zur Schneto AG im Kasten «Unternehmen».

Die Erfolgsstory

Doch zurück zur Gewindebuchsen-Fertigung. M. Baumann: «Wie gesagt, entscheidend bei der Produktion der Gewindebuchse ist die Prozesssicherheit, wegen der enormen Losgrösse von mehreren hunderttausend Stück. Dazu gehören verschiedene Aspekte. Wir müssen u.a. komplett spänefreie Gewinde haben, weil die Werkstücke anschliessend weiterbearbeitet und beschichtet werden. Mit den bisherigen Gewindeschneidern hatten wir mehrere Probleme. Erstens blieben immer wieder Späne im Gewindegang hängen. Zweitens erzeugte der Gewindeschneider bis zu 150 mm lange Wirrspäne, die sich regelmässig um die Werkzeuge wickelten. Deshalb musste immer ein Mitarbeiter an der Maschine stehen und den Prozess beobachten und ggf. die Wirrspäne entfernen. Kurz: Der Prozess war alles andere als optimal. Das Werkstück machte uns richtig Sorgen und das nur wegen eines 10-mm-Innengewindes in ein Sackloch. Bis DC Swiss uns die neue Gewindelösung vorschlug. Einen spanbrechenden Gewindeschneider für Sacklöcher mit Hochdruck-Innenkühlung.»

So funktioniert der Spanbrecher

Marco Keller (Anwendungstechniker, DC Swiss) kennt die Problematiken: «An den Ausführungen von Herrn Baumann wird klar, dass Gewindeschneiden ein heikler Fertigungsprozess ist. Wir als Gewinde-Spezialisten können das bestätigen: Im Prinzip liegt es daran, dass man das Gewindeschneiden eher schlecht beeinflussen kann. Man kann nicht etwas mehr oder weniger zustellen wie beim Drehen oder Fräsen. Deshalb muss das Werkzeug perfekt auf die Fertigungsoperation zugeschnitten sein. Der Spänefluss ist zudem immer ein kritischer Aspekt. Mit dem DC-Gewindeschneider der ‹Serie K› besitzen wir bei Anwendung für Sackbohrungen über eine hochgradig prozesssichere Gewindeschneidlösung. Der Gewindeschneider bricht den Span sehr kurz. Die Geometrie funktioniert wie eine Langdrehplatte mit aggressivem Schnittwinkel. Der Span wird um die Kante geführt, dadurch wird das Material derart stark belastet, dass es nach zwei Umdrehungen bricht. Durch den an der Werkzeugspitze heraustretenden KSS werden die Späne mit dem Hochdruck aus dem Bearbeitungsbereich sicher herausgespült.»

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