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Fertigungstechnik Der Glücksfall: neuer Gewindeschneid-Prozess

| Redakteur: Matthias Böhm

>> Der erste Satz von Michael Baumann, Geschäftsführer und Mitinhaber der Schneto AG, bringt es auf den Punkt: «Der DC-Swiss-Gewindeschneid-Prozess hat aus einem Problem einen Erfolg gemacht. Das neue Gewindeschneidwerkzeug war ein Glücksgriff.» Aufgabe war es, eine Gewindebuchse hochgradig prozesssicher mit M10-Innengewinde in eine Sacklochbohrung in Grossserie zu fertigen. Dank eines neu entwickelten Gewindebohrers, eines Index-Mehrspindlers mit KSS-Hochdruck-Einrichtung, konnte dies erreicht werden.

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Blick auf den Fertigungsprozess ab Stange und auf die aufgeschnittene Gewindebuchse. Der Gewindeschneider muss zirka 20 mm in das Werkstück eintauchen, bevor es ans Zerspanen geht. Dank Sackloch (ab Stange) und 20-bar-Hochdruckkühlung werden die Späne sicher aus der Prozesszone nach hinten abgeführt.
Blick auf den Fertigungsprozess ab Stange und auf die aufgeschnittene Gewindebuchse. Der Gewindeschneider muss zirka 20 mm in das Werkstück eintauchen, bevor es ans Zerspanen geht. Dank Sackloch (ab Stange) und 20-bar-Hochdruckkühlung werden die Späne sicher aus der Prozesszone nach hinten abgeführt.
(Bild: Matthias Böhm)

DC Swiss SA hat vor einem Jahr einen neu entwickelten Gewindeschneider des Typs «K-Spanbrecher» entwickelt. Mit Innenhochdruckkühlung ist es ein echter Problemlöser für heikle Gewindeaufgaben in Sacklöcher und hat für eine kleine Erfolgsgeschichte bei der Schneto AG geführt. Die SMM-Redaktion hat bei dem Zulieferer Schneto AG (Bennwil im Waldenburgertal, Kennern ist das Waldenburgertal auch als Jura-Paradies bekannt) den Fertigungsprozess genauer unter die Lupe genommen.

Werkstück: völlig unscheinbar

Auf den ersten Blick sieht das Werkstück völlig unscheinbar aus: eine zirka 50 mm lange, 16 mm Durchmesser messende Buchse mit Aussensechskant, M10-Innengewinde und 10-mm-Bohrung. Noch dazu aus Automatenstahl, ab Stange. Einfacher geht es kaum. Dass es sich hier um ein Problemteil handeln soll, muss der junge Geschäftsführer Michael Baumann dem ungläubigen SMM-Redaktor erst erläutern.

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Prozesssichere, mannarme Serienfertigung

Das «Problem» wird dann offensichtlich, wenn man weiss, in welchen Losgrössen das Werkstück, mit welchen Genauigkeiten, auf welcher Maschine und konkret mit welcher Prozesssicherheit gefertigt werden muss. Einige Hunderttausend sollen von der Gewindebuchse aus der Maschine «fallen». Genau hier liegt der Hund begraben: Alles perfekt, 3 Stück pro Minute, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, (fast) ohne Bedienung (!).

Sackloch und tiefe Aufbohrung

Da die Buchsen ab Stange gefertigt werden, muss das 10-mm-Innengewinde in eine Sacklochbohrung gefertigt werden. Wegen konstruktionsspezifischer Besonderheiten ist vor dem M10-Gewinde noch eine 10,05 mm tiefe und 20 mm lange Aufbohrung vorgesehen. Das bedeutet, dass der Spänefluss beim Gewinden höchst kritisch ist. Und genau dies – der Spänefluss – war der Knackpunkt beim Fertigen der Gewindebuchse.

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