Motorsport Der Modellbauer, seine Frau und seine Muse

Redakteur: Anne Richter

Der unweit von Udine ansässige Haas-Kunde Modeltek ist ein erfolgreiches Motorsport-Unternehmen, das Rennteams auf der ganzen Welt beliefert. Der Umstand, dass es die Autos und Teile im Massstab 1:5 produziert, mindert die Leistung des Unternehmens nicht im Geringsten.

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Mit vier Mitarbeitern ist Modeltek ein kleines Unternehmen, hat aber mit Genius Racing ein eigenes Rennteam aufgebaut.
Mit vier Mitarbeitern ist Modeltek ein kleines Unternehmen, hat aber mit Genius Racing ein eigenes Rennteam aufgebaut.
(Bild: Haas)

Selbst wenn seine Frau mit dabei ist, gibt Zeno Noacco, der Gründer von Modeltek, freimütig zu, dass er mit seinen vier CNC-Werkzeugmaschinen von Haas verheiratet ist. Man muss der Firmenchefin Paola aber zugutehalten, dass sie überhaupt nicht verärgert ist, obwohl ihr Mann häufig solche Wörter wie Liebe und Leidenschaft nutzt, um seine Gefühle für die Maschinen zu beschreiben. «Ich war auf einer Messe, als ich sie das erste Mal erblickte», sagt Noacco. Dabei meint er jedoch nicht sein erstes Zusammentreffen mit seiner Frau, sondern seine erste Haas-Maschine, eine Super Mini Mill. «Ihre Schlichtheit gefiel mir sofort. Die Steuerung war mühelos zu bedienen. Als jemand, der noch keine Erfahrungen mit der CNC-Bearbeitung hatte, wollte ich keine Maschine kaufen, die ich dann nicht beherrschen würde.» Diese Sorge erwies sich als unbegründet. «Ich gab mir einen Ruck und sagte mir, wenn es ein Fehler ist, dann verkaufe ich die Maschine eben weiter und nehme für meine Teile wieder Unterauftragnehmer. Ich bin froh, dass ich sie behalten habe. Ich finde, sie ist ein grossartiges Produkt. Nach ein paar Wochen fühlte ich mich schon richtig sicher und war mit dem Funktionsumfang und dem Potenzial der Maschine vertraut.»

Professionelle Modellrennwagen mit speziell entworfenem Differentialgetriebe

Die von Modeltek im Massstab 1:5 gefertigten professionellen Modellrennwagen, die unter dem Namen Genius RC verkauft werden, kosten um die 2000 Euro. Jedes Fahrzeug ist ein äusserst sorgfältiger Nachbau des Originals mit speziell entworfenen und gefertigten Differentialgetrieben, hydraulischen Scheibenbremsen, Antriebswellen und Aufhängungen. Alle Teile werden nach den strengen und detaillierten Anforderungen, wie zu Grösse, Gewicht und Material, gebaut, die von der European Federation of Radio Operated Automobiles (EFRA), dem europäischen Verband für Rennsport mit funkferngesteuerten Autos, vorgegeben werden. In den Jahren, bevor er seine Firma gründete, war Noacco ein Bastler, der für die Wochenenden lebte, wenn er mit seinen Freunden die massstabsgetreuen Modellautos, die sie in ihrer Freizeit zuhause gebaut hatten, in Rennen erprobten. Heute wissen wir, dass die von ihm gefertigten Modelle aussergewöhnlich waren. Das ging so weit, dass seine Rennkollegen, die ja auch seine Konkurrenten waren, Noacco häufig baten, Teile für ihre Autos zu bauen.

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«Nach und nach begann ich, Änderungen vorzunehmen und einige einfachere Teile für meine Autos selbst anzufertigen. Zu guter Letzt habe ich dann nahezu alle Teile, nicht nur für meine Autos, sondern auch für alle anderen, die welche wollten, gebaut.» Dank des Internets und der eng vernetzten Modellrennwagen-Gemeinschaft hatten die Kunden keine Mühe, Noacco ausfindig zu machen. So gingen die ersten Aufträge ein. «Es ist ein Nischenmarkt», sagt er. «Das Produktionsvolumen ist nicht gross, auch wenn wir weltweit verkaufen. Dafür bauen wir jetzt jedes Jahr etwa 400 komplette Fahrzeuge. Dazu gehören das Touring-Modell, das einem BMW, Mercedes oder Alfa Romeo ähnelt, sowie das F1-Modell.

Kreationen aus Stahl, Titan und Aluminium mit Haas-Maschinen

Angesichts der guten ersten Erfahrungen, die Noacco mit der Super Mini Mill von Haas gemacht hatte, musste er bei den nächsten CNC-Werkzeugmaschinen nicht lange überlegen. «Wir haben eine VF-2SS, eine VF-3SS und eine VF-2 in Grundausstattung von Haas gekauft», ergänzt er. «Damit besitzen wir nun vier Haas-Maschinen, mit Clemente Pocovaz zudem einen hochqualifizierten Bediener und wir müssen nicht mehr auf Unterauftragnehmer oder Kaufteile, ausgenommen für den Motor aus Japan und die Fiberglas-Karosserie, zurückgreifen.» Auf einer Werkbank im Montagebereich neben der Maschinenwerkstatt stehen mehrere Fahrgestelle mit unterschiedlichem Fahrzeugaufbau in verschiedenen Phasen der Fertigstellung. Diese Teile, sogar eine wunderschön miniaturisierte Fliehkraftkupplung, sehen genauso aus, wie an den Fahrzeugen in Originalgrösse und funktionieren auch sehr ähnlich.

«Wie die Ingenieure, die ein normal grosses Auto konstruieren, beginnen auch wir unsere Projekte mit zahlreichen Berechnungen», meint Noacco. «Bei einem neuen Selbstsperrdifferenzial berechnen wir beispielsweise die vom Motor erzeugten Kräfte sowie die gewünschte Leistung und das Ausgangsdrehmoment des Autos. Anhand dieser Zahlen erstellen wir dann die Teile mit dem entsprechenden Gewicht, den richtigen Abmessungen usw.» Die endgültigen Prototypenteile werden auf einem CAD-System entworfen und dann auf den Haas-Maschinen bearbeitet. Dabei wird sehr gründlich vorgegangen. Das Endergebnis, wenn die Zahlen gestimmt haben, sind Kreationen aus Stahl, Titan und Aluminium, die vielfach kleine Schmuckstücke sind und auch so präzise wie ein Uhrwerk funktionieren.

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