InnovationsForum Fertigung

Die Zukunft des Feinbohrens

| Redakteur: Silvano Böni

Die Feinbohrkopf-Familie EWE im Überblick.
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Die Feinbohrkopf-Familie EWE im Überblick. (Bild: Big Kaiser)

Mit neuen Leistungsmerkmalen und haus‑eigener Elektronikentwicklung baut Big Kaiser, ein Hersteller von hochwertigen Präzisionswerkzeugen und -systemen für die metallverarbeitende Industrie, seine Führungsposition im Bereich Industrie 4.0 weiter aus.

Die vierte industrielle Revolution, auch als Industrie 4.0 bezeichnet, zwingt die Schweizer Industrie dazu, sich neben der Mechanisierung, Elektrifizierung und Automatisation auch mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Die digitale Vernetzung ermöglicht nicht nur die Produktionsverfahren flexibler zu gestalten, sondern auch deren Anlagen effizienter zu nutzen. Beim Schweizer Unternehmen Big Kaiser ist klar, dass die Digitalisierung mechanische Produkte noch besser machen kann, weshalb dieses die damit zusammenhängenden Fragestellungen in den Schwerpunkt der Weiterentwicklung ihrer Werkzeuge rückte.

Mit dem Feinbohrkopf EWE ist es dem Unternehmen bereits gelungen, in die digitale Welt einzutauchen und den komplexen Prozess des Feinbohrens smarter zu gestalten. Der weltweit erste Feinbohrkopf mit Wireless-Verbindung lässt sich dank einer einzigen Taste mit der eigens dafür entwickelten App vernetzen. Die zugehörige App unterstützt Bediener bei der Bestimmung von optimalen Schnittparametern und zeigt Veränderungen im Bohrdurchmesser an. Zudem speichert sie alle vorgenommenen Einstellungen für die spätere Verwendung.

Eventtipp: SMM InnovationsFORUM FertigungstechnikDas SMM InnovationsFORUM ist der Treffpunkt der Schweizer Fertigungsindustrie, an dem ausgewiesene Fertigungsexperten über die aktuellsten Trends der Branche informieren. Nutzen Sie die Gelegenheit mit den Referenten zu diskutieren und sich mit den anderen Teilnehmern auszutauschen.
Wann: Mittwoch, 14. November 2018
Wo: Forum der Messe Luzern
Preis: 150.-- CHF (exkl. MwSt.)
Informationen: www.smm-innovationsforum-fertigung.ch

Die Schnittdaten-App als Bestandteil des Smart Manufacturing

Insgesamt enthält die neueste Version der App komplette Daten für 61 Aufbohr- und Feinbohrköpfe von Big Kaiser mit Durchmessern von 0,4 mm bis 620 mm. Benutzer können dabei ganz einfach zwischen imperialen und metrischen Masseinheiten umschalten.

«Die App wurde seit ihrer Einführung im Jahr 2016 tausendfach heruntergeladen und wir haben viel positives Feedback erhalten», sagt Christian Spicher, Leiter Verkauf und Marketing bei Big Kaiser. «Diese Rückmeldungen nehmen wir zum Anlass, die App ständig um weitere Funktionen zu erweitern, kleine Kinderkrankheiten zu beheben und einen noch grösseren Markt zu bedienen. Die dahinterstehende Technologie ergänzt nicht nur perfekt den drahtlosen EWE Feinbohrkopf – unser Vorzeigeprodukt für die Industrie 4.0 –, sie ist auch ein Beleg für das Engagement von Big Kaiser in diesem Bereich.»

Neben den laufenden Verbesserungen für die App wird im hauseigenen Elektroniklabor ebenfalls an der Erweiterung der EWE Feinbohrkopf-Palette gearbeitet. So stellte Big Kaiser an der diesjährigen AMB in Stuttgart erstmals den EWE 04-7 aus. Der kleinste Feinbohrkopf der Welt wird somit digital. Die Funkverbindung mit der App ist hier selbstverständlich ebenso gegeben.

Der EWA revolutioniert das Feinbohren

Ein besonderes Highlight aus dem Elektroniklabor des Unternehmens wurde der Öffentlichkeit bereits im Frühjahr 2018 am International Aerospace Forum präsentiert. Auf der von Makino ausgerichteten Veranstaltung hat Big Kaiser einen Prototyp seines automatischen Feinbohrwerkzeugs EWA vorgestellt. Der EWA kann ohne menschlichen Bediener vollautomatisch arbeiten und ermöglicht äusserst genaues, schnelles und kostengünstiges Feinbohren.

Der Einsatz des EWA bringt erhebliche Zeiteinsparungen mit sich. So muss die Werkzeugmaschine nicht angehalten werden, um Messungen vorzunehmen und den Feinbohrkopf manuell zu justieren. Menschliche Fehler, die zur Verschrottung von teuren Werkstücken führen, fallen weg. Das senkt die Kosten, erhöht die Genauigkeit und ermöglicht die Ausführung von verschiedenen Bohrungsdurchmessern und wiederholten Bohrungen. Ausserdem wird die zeitraubende manuelle Verschleisskompensation unnötig.

Jose Fenollosa, Leiter der Elektronikentwicklung bei Big Kaiser, erklärt: «In Branchen wie der Luftfahrtindustrie kann die Verschrottung eines einzigen Werkstücks schnell mehr als 50 000 $ kosten. Der EWA reduziert dieses Risiko auf ein Minimum. Die Feinbohrungen werden schneller und präziser und der menschliche Faktor fällt weit weniger ins Gewicht. Der EWA bringt ein neues Mass an automatischer Steuerung für Industrie 4.0 und die Smart Factory.»

Der EWA kann in drei Hauptkonfigurationen eingesetzt werden. Zunächst kann er als eigenständiges Werkzeug betrieben werden, das mittels drahtloser Verbindung über ein Tablet gesteuert wird. Bei bestehenden Werkzeugmaschinen kann eine PC-Schnittstelle zur Verbindung von Werkzeugmaschine und EWA genutzt werden, um einen voll­automatischen geschlossenen Regelkreis herzustellen, in dem Befehle vom EWA an die Werkzeugmaschine gesendet werden, um den Bearbeitungsprozess bei Bedarf automatisch zu justieren oder zu stoppen. Bei neu entwickelten Werkzeugmaschinen kann die EWA-Steuersoftware wiederum direkt auf der Werkzeugmaschine laufen, um dasselbe Mass an automatischer Steuerung ohne externe Regeleinrichtung zu liefern.

Big Kaiser arbeitet mit Makino und anderen zukunftsorientierten Unternehmen daran, diesen Grad an integrierter Automatisierung in der Industrie 4.0 Wirklichkeit werden zu lassen.

Die Kunden träumen lassen

Dass sich der von Big Kaiser eingeschlagene Weg in Richtung Digitalisierung lohnt, zeigt sich nicht nur im Gewinn des Prodex-Awards, welchen das Unternehmen 2016 für seinen EWE Feinbohrkopf erhalten hat, sondern auch im Rekordwachstum im Jahr 2017. «Wir haben keine Probleme damit, die wachsende Nachfrage zu erfüllen und können Just-in-time liefern», erklärt Taku Ichii, CEO von Big Kaiser. «Die Ansprüche unserer Kunden werden immer höher, sie erwarten immer mehr von uns und ihre Anforderungen werden komplizierter. Als Schweizer Unternehmen sind wir jedoch flexibel genug, diesen Erfordernissen in jeder Hinsicht zu entsprechen, sowohl im analogen wie auch im digitalen Prozess. Dies gelingt uns, indem wir uns immer auf die Bedürfnisse unserer Kunden konzentrieren und sie gleichzeitig auf die Veränderungsmöglichkeiten hinweisen. Damit lassen wir sie von dem träumen, was möglich ist.» SMM

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