Unternehmensstrategie

Digitalisierung soll Shenyang global machen

| Autor: Stéphane Itasse

Einfach zu bedienende Werkzeugmaschinen für bisher unerschlossene Märkte sind das Ziel von Shenyang Machine Tool.
Einfach zu bedienende Werkzeugmaschinen für bisher unerschlossene Märkte sind das Ziel von Shenyang Machine Tool. (Bild: Shenyang Machine Tool Group)

Noch sind die Produkte von Shenyang Machine Tools, einem der weltgrössten Werkzeugmaschinenhersteller, relativ einfach, die Konkurrenz aus Deutschland oder Japan hat einen grossen Vorsprung. Technische Innovationen für Produktivitätssprünge sind nicht in Sicht – deshalb setzt der chinesische Hersteller auf die Digitalisierung.

Schon in den vergangenen Jahren hat sich Shenyang Machine Tool drastisch gewandelt, wie Dr. Ömer Sahin Ganiyusufoglu, Berater des Chairman erläuterte: Produzierte das Unternehmen im Jahr 2011 noch 96.000 Werkzeugmaschinen, davon aber nur 31.000 mit CNC, verliessen im Jahr 2016 nur noch 30.000 Maschinen die Werkshallen – aber dafür alle mit CNC. Der weltgrösste Hersteller von spanenden Werkzeugmaschinen beschäftigt dafür insgesamt 20.200 Mitarbeiter, davon alleine 14.000 am Standort Shenyang, und erwirtschaftete damit einen Umsatz von circa 1,8 Mrd. Euro. In Deutschland gehört der Hersteller Schiess zum Konzern. Alle Industrien Chinas werden laut Ganiyusufoglu mit Fräs-, Dreh- und Bohrmaschinen beliefert.

Doch auf dem Heimatmarkt von Shenyang haben importierte Werkzeugmaschinen immer noch einen grossen Anteil. Die Regierung in Beijing ist zwar ambitioniert und wünscht sich, dass die eigene Industrie aufschliesst. Doch für Shenyang ist das nach den Worte des Beraters nicht einfach, technische Innovationen, die grosse Produktivitätssprünge gebracht hätten, würden stagnieren.

Werkzeugmaschine soll einfach wie ein Smartphone bedienbar sein

Shenyang Machine Tool geht deshalb einen anderen Weg. „Warum ist eine Werkzeugmaschine nicht so einfach zu bedienen wie ein I-Phone?“, fragte sich laut Ganiyusufoglu Board Chairman Guan Xiyou, als Apple sein Produkt 2007 auf den Markt brachte. Und er gab die Richtung vor: „Das ist das Vorbild für die Werkzeugmaschine der Zukunft.“ So habe auch das chinesische Unternehmen eine Chance.

„Die Zukunft liegt in der Digitalisierung und die fängt in der Steuerungstechnik an“, erläuterte Ganiyusufoglu auf der Tagung weiter. Der chinesische Werkzeugmaschinenhersteller hat deshalb seine eigene Steuerungsplattform namens I5 nach dem Vorbild des I-Phones entwickelt. Sie soll als Plattform für die digitale Welt der Zukunft dienen. Im Jahr 2014 wurde die Steuerung freigegeben, bis 2016 hatte Shenyang bereits 20.000 Maschinen mit dieser Steuerung verkauft. Für 2017 lag das Verkaufsziel bei weiteren 20.000 Werkzeugmaschinen mit I5-Steuerung.

Shenyang hat neue Werkzeugmaschinenmärkte im Visier

Zugleich suchen die Chinesen einen anderen Weg auf die Weltmärkte. Statt die etablierten Hersteller in ihrer Heimat herauszufordern, setzen sie auf die bisher wenig bis nicht industrialisierten Regionen. „80 % der weltweiten Werkzeugmaschinenexporte gehen in Länder, in denen nur 20 % der Weltbevölkerung leben“, verdeutlichte der Berater den Ansatz. Weiter erläuterte er: „Die Chinesen wollen langfristig die Märkte erobern, an die niemand denkt.“ Um sie zu erschliessen, setze Shenyang zudem nicht auf einen technischen Wettlauf, sondern auf strategische Innovationen. Dies könnten neue Produktarten und -eigenschaften sein, aber auch neue Geschäftsmodelle und „Win-win-Kooperationen“. Dabei ist sich der chinesische Werkzeugmaschinenhersteller bewusst, dass es nicht alleine geht. „Keines dieser Zielländer können wir aus eigener Kraft erschliessen, der Schlüssel sind Kooperationen“, sagte Ganiyusufoglu.

Um selbst für den Weltmarkt fit zu werden, hat Shenyang zudem eine interne Strategie gestartet: Go Smart. „Smart“ steht dabei für die englischen Begriffe simple, maintenance-friendly, affordable, reliable und timely to market and profit. „Wenn wir die Märkte der Zukunft ins Visier nehmen, müssen unsere Maschinen diese Anforderungen erfüllen“, forderte der Berater. Und er sagte weiter: „Wir müssen von Hightech herunterkommen und Maschinen für jedermann bauen – nach dem I-Phone-Prinzip.“

Dieser Beitrag ist zuerst auf unserem Partnerportal MM Maschinenmarkt erschienen.

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