Porträt

Ein bruchsicheres Leichtgewicht

| Autor / Redakteur: Bernd Maienschein / Bernd Maienschein

Feierte 2015 sein 75-jähriges Jubiläum: der Kunststoff PET.
Feierte 2015 sein 75-jähriges Jubiläum: der Kunststoff PET. (Bild: IK)

Nicht nur Geldstücke und die vielzitierten Medaillen haben zwei Seiten, sondern auch Flaschen, vor allem die aus dem leichtgewichtigen Kunststoff Polyethylenterephthalat (PET).

Auf der einen Seite schlagen 92 % weniger Gewicht des PET-Behältnisses im Vergleich zu einer Glas-Mehrwegflasche und 23 % weniger CO2-Erzeugung bei deren Transport zu Buche. Und weitere Vorteile der Plastikflasche lassen sich ins Feld führen: Die bepfandeten PET-Einwegflaschen, beispielsweise für Mineralwässer und Erfrischungsgetränke, werden über das Pfandsystem der Deutschen Pfandsystem GmbH, Berlin, gesammelt, recycelt und als qualitativ hochwertiger Rohstoff wieder zur Verfügung gestellt.

Die andere Seite der Medaille besetzen die Naturaktivisten, allen voran die Meeresschützer. Die Menschen produzieren täglich einen riesigen Müllberg – 80 % davon in Asien – und ein großer Teil davon besteht aus dem langlebigen Plastik, das irgendwann in unseren Meeren landet und sich dort zu „Plastikinseln“ von enormen Ausmaßen sammelt. Das ist nicht folgenlos für unsere Ozeane und seine Bewohner. Dabei wird der Plastikmüll hauptsächlich in Industrienationen produziert, denn Müll aus weniger entwickelten Ländern, der häufig aus natürlichen Materialien besteht, ist weit weniger schädlich.

Vom Teppich bis zum Rucksack: PET-Recycling liegt im Trend

Allerdings treibt der Kampf gegen Plastikmüll mancherorts seltsame Blüten. Bis zu vier Jahren Haft oder maximal 32.500 Euro Strafe drohen jemandem, der in Kenia eine Plastiktüte nutzt. „Die Plastikverschmutzung in den Ozeanen ist jenseits von Gut und Böse“, sagt Sam Barratt, Leiter öffentliche Kampagnen beim UN-Umweltprogramm (UNEP). Nach UN-Angaben landen jährlich mindestens 8 Mio. t Plastikmüll in den Ozeanen. Kenia und rund 40 andere Länder wollen deshalb mit Verboten oder Beschränkungen diesem aktuellen Umweltproblem begegnen.

Eine vielversprechende Methode, des wachsenden Müllproblems Herr zu werden, ist die Wiederverwertung der Kunststoffprodukte. Nicht die „thermische Verwertung“, wohlgemerkt, also das schlichte Verbrennen, sondern die stoffliche Wiederverwertung. Immer mehr PET-Flaschen in Deutschland werden wiederverwertet, immer mehr Produkte aus recyceltem PET hergestellt. So bleibt PET ein wertvoller Rohstoff, auch wenn die Flasche leer ist, und löst sich nicht in sprichwörtlichen Rauch auf. Polyethylenterephthalat ist zu 100 % recycelbar und kann somit die Grundlage für eine innovative Weiterverarbeitung bilden. Verarbeitet zu Folien und Fasern findet recyceltes PET, kurz „rPET“, innovative Einsatzbereiche – von Taschen oder Schuhen bis zu Teppichen. Im Folgenden sind einige spannende, zuweilen auch kuriose Einsatzgebiete angeschnitten.

Von der Flasche zur Tasche: Zu 80 % bestehen die Permanent-Taschen der Drogeriekette dm aus recycelten PET-Flaschen. Die Tasche ist in zwei unterschiedlichen Größen erhältlich. Aus zwei 1,5-l-Flaschen wird eine reißfeste, wasserbeständige Tasche mit einem Fassungsvermögen von 30 l. Am Ende können Verbraucher sie in Deutschland sogar dem Recyclingprozess über die Wertstofftonne wieder zuführen. Ein Klassiker neu gedacht: Seit Jahrzehnten ist der „Re-Kanken“ der Marke Fjällräven, schwedisch für den Polarfuchs, im Einsatz. Mittlerweile besteht das Gewebe des Rucksacks zu 95 % aus recyceltem Polyester und ist selbst recycelbar. Aus elf PET-Flaschen wird ein Re-Kanken produziert. Das recycelte Polyester stammt tatsächlich von Flaschen, die bereits benutzt wurden.

Bottle-to-Bottle-Recycling hat den größten Wiederverwertungsanteil

Umweltbewusstes Wohnen: Liv stellt Designerinneneinrichtung her und setzt bei seinen Teppichen auf Nachhaltigkeit. Je nach Größe werden dafür zwischen 100 und 750 recycelte PET-Flaschen benötigt. Daraus entsteht ein handgewebter Teppich aus 100 % recyceltem Kunststoff – produziert unter dem Good-Weave-Siegel, das für eine zertifizierte Herstellung ohne Kinderarbeit steht.

Bei dem Recycled Pet Pen von Uma handelt es sich um einen langlebigen Kugelschreiber – und um einen nachhaltigen. Denn der Druckkugelschreiber in transparenten Gehäusefarben wird aus in Europa recycelten PET-Flaschen hergestellt.

Und dann natürlich noch die Paradedisziplin: Getränkeflaschen aus Recycling-PET. Mehr als ein Viertel jeder neuen PET-Einwegflasche besteht bereits jetzt aus recycelten PET-Flaschen. Laut der Studie „Aufkommen und Verwertung von PET-Getränkeflaschen in Deutschland 2015“ im Auftrag des Forum PET sind das 121.000 t Recycling-PET, die in Deutschland jährlich in die Herstellung neuer aus alten Flaschen einfließen. Damit nimmt das Bottle-to-Bottle-Recycling den größten Stellenwert bei der Wiederverwertung von gebrauchten PET-Flaschen ein. Wie das Forum PET innerhalb der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V. (IK) erklärt, werden neue PET-Flaschen immer leichter. Auf der Getränkemesse drinktec präsentierte der Abfüll- und Verpackungsspezialist KHS kürzlich eine nur noch 5 g leichte 0,5-l-PET-Einwegflasche für stilles Wasser.

Hier gibt's weitere Beiträge zu KHS!

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