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Uhrenherstellung Ein Leben für das perfekte Uhrwerk

Redakteur: Anne Richter

Nicht nur in der Schweiz gibt es namhafte Uhrenhersteller: Mirko Heyne ist Leiter der Forschung und Entwicklung bei Nomos Glashütte und hat sein Leben komplett den Uhren aus Glashütte verschrieben. In der Fertigung werden aber Präzi­sions­maschinen aus der Schweiz eingesetzt.

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Für den eigenen Rädersatz sind Nomos-Konstrukteure «tief in den Keller der Verzahnungstheorie» gestiegen. Auch auf diesem Bild zu sehen: Nomos-Swing-System, an der Pinzette hängen Unruhkloben und die Unruh mit gebläuter Spirale.
Für den eigenen Rädersatz sind Nomos-Konstrukteure «tief in den Keller der Verzahnungstheorie» gestiegen. Auch auf diesem Bild zu sehen: Nomos-Swing-System, an der Pinzette hängen Unruhkloben und die Unruh mit gebläuter Spirale.
(Bild: Nomos Glashütte)

Schweizer Uhren haben weltweit eine grosse Berühmtheit erlangt. Doch auch in anderen Ländern gibt es renommierte Uhrenhersteller. So ist Glashütte im sächsischen Ost­erzgebirge uhrmacherisch eine Schweiz im Hosen­taschenformat. Für jenen Mann, der 1845 den Grundstein für die Glashütter Uhrenindustrie gelegt hat, Ferdinand Adolph Lange, ist 2020 ein anderer Mann, Mirko Heyne, voller ungebrochener Begeisterung. Seit seinem 19. Lebensjahr folgt Heyne den Spuren all jener Uhrmacher, die so vielfältige Kompetenzen, Talente, Ideen hierherbrachten. Gemeinsam haben sie Glashütte über die Jahrzehnte zu dem gemacht, was es heute ist: zu einem Sehnsuchtsort für in Uhren verliebte Menschen und einer Herkunftsbezeichnung für nur beste Zeitmessung.

Verzahnungstheorie: eigenen Rädersatz errechnet

Bereits 41 Prozent seiner Lebenszeit, so rechnet der Chef der Abteilung Forschung und Entwicklung vor, habe er bei Nomos Glashütte verbracht und auch davor schon «in der Uhr» gearbeitet: Mirko Heyne, 44 Jahre alt, einst Musiker und sogar an­gehender Schauspieler, hat vor 25 Jahren sein
Cello in die Ecke gestellt, andere Leidenschaften bleiben lassen und das Instrument gewechselt – er wechselte zur Uhr. Auch die hatte ihn als Kind
schon fasziniert. Unter Heynes Regie entstanden bei Nomos Glashütte nicht nur die neuen Neo-
matik-Kaliber, besonders flache Automatik-Uhrwerke, sondern auch schon das erste Automatikwerk der Manufaktur, Weltzeitfunktion, Gang­reserve­anzeige, Nomos-Ringdatum, die hauseigene Reglage Nomos-­Swing-­System. Er hat in Kooperation mit der Universität Dresden und dem Fraunhofer Institut einen eigenen Rädersatz errechnet und ist dafür, wie er sagt, «tief in den Keller der Verzahnungstheorie» gestiegen. Und natürlich war Nomos’ erster Uhrmacher auch beteiligt an jener Uhren­reihe, mit der Nomos Glashütte jetzt 175 Jahre Uhren­geschichte feiert: an der neuen Lambda, Feinuhr­macherei in Stahl.

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Heynes Fixstern ist, was schon für Generationen von Uhrmachern vor ihm ganz zentral war, ein ganzes Bündel guter Eigenschaften: Hingabe und Liebe zum Detail, zu Funktionalität, Präzision, Schönheit. «Denn natürlich kann man nur so Unsterbliches schaffen», sagt er. Perfekt müsse ein Uhrwerk unterm Strich sein, dabei einfach – Eigenschaften, die nicht zwangsläufig zusammenpassen, die zu kombinieren jedoch für Nomos Glashütte besonders wichtig ist. Jede Uhr, die die Manufaktur verlässt, soll für Generationen schön und präzise bleiben. Ein Stückchen Ewigkeit eben. Gefragt nach seiner Lieblingsuhr, nennt der Chefuhrmacher von Nomos Glashütte übrigens zunächst keine Uhr von heute, keine seiner Uhren. Sondern ein Vorbild aus früheren Jahren: die Glashütter B-Uhr, die Beobachtungsuhr. Das seien keine Luxusuhren für Kaiser und Könige gewesen, sondern Uhren, die man für Wissenschaft, See- und später auch Luftfahrt und Bahn brauchte; Uhren, an die besonders hohe Anforderungen gestellt wurden, die alltagstauglich und extrem präzise waren. Und dann lächelt Mirko Heyne bescheiden. «Also schon fast so gut wie unsere Uhren heute. B-Uhren haben, könnte man sagen, auch ein bisschen Nomos-Uhren vorwegge­nommen.»

Hochpräzisionsbearbeitung für Präzisionsbauteile

Die Manufaktur Nomos Glashütte fertigt in der Tradition von 175 Jahren Uhren für morgen. Neben dem oben erwähnten Uhrenmodell Lambda baut der Hersteller etwa auch die bekannteste mechanische Armbanduhr made in Germany, Tangente. Dabei fertigt Nomos Glashütte einen Grossteil der Uhrenteile selbst, um unabhängig von Zulieferern zu sein. Nach eigenen, höchsten Qualitätsanforderungen – je nach Bauteil mit Toleranzen von nur zwei Mikrometern – Drehen, Fräsen oder auch Drahterodieren wird inhouse vor Ort durchgeführt. Dafür werden auch Schweizer Präzisionsmaschinen verwendet. Auf den CNC-Fräszentren von Willemin-Macodel werden hochpräzise Stahlteile für die Manufaktur-Uhrwerke gefertigt. Dagegen steht die Firma Monnier + Zahner AG mit Sitz in Safnern für Feinverzahnung. Räder, Zahnräder und Triebe werden auf einer «Monnier + Zahner»-Feinverzahnungs­maschine hergestellt. -ari- SMM

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