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Geschäftsklima massiv verschlechtert

| Redakteur: Anne Richter

Swissmem-Direktor Peter Dietrich (li.) und Swissmem-Präsident Hans Hess.
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Swissmem-Direktor Peter Dietrich (li.) und Swissmem-Präsident Hans Hess. (Bild: Anne Richter, SMM)

Die Schweizer MEM-Industrie erwartet für das Jahr 2015 einen Umsatzrückgang und massiven Margenverlust. Dies berichtete Swissmem auf seiner Medienkonferenz am 18. Februar in Zürich. Die Geschäftserwartungen der Unternehmer für die kommenden zwölf Monate haben sich demnach mit der Freigabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank (SNB) entsprechend verschlechtert und die Margen sind wieder massiv unter Druck geraten. Swissmem fordert Politik und Sozialpartner dazu auf, alles zu tun, um die Firmen zu unterstützen sowie den Werkplatz Schweiz attraktiver zu machen

«Es herrscht grosse Sorge, aber keine Panik», so fasst Swissmem-Direktor Peter Dietrich die gegenwärtige Lage in der MEM-Industrie zusammen. Seit dem 15. Januar 2015 und der schockartigen Aufwertung des Schweizer Frankens habe «eine neue Zeitrechnung begonnen», führt Dietrich fort und präzisiert: «Die Geschäftserwartungen haben sich für Unternehmen massiv verschlechtert.»

«Die Unternehmen werden alles tun, um den erneuten Aufwertungsschock des Schweizer Frankens einmal mehr zu absorbieren», sagt Hans Hess, Präsident Swissmem. «Wir fordern mit Nachdruck, dass auch die Politik und die Sozialpartner alles tun, um die Unternehmer im Kampf um die Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen und die Attraktivität des Werkplatzes Schweiz wieder zu verbessern.»

Bilaterale erhalten und Freihandel mit USA

Aus Sicht Swissmem ist vor allem entscheidend, dass die Masseneinwanderungs-Initiative so umgesetzt werden muss, dass die Bilateralen Verträge erhalten bleiben und damit der diskriminierungsfreie Zugang zum wichtigsten Absatzmarkt sichergestellt wird. Swissmem fordert ausserdem den Bundesrat auf, ein Freihandelsabkommen mit der USA anzustreben. Diese ist mit einem Exportanteil von 11,3 Prozent der zweitwichtigste Markt der Branche. Zumindest soll der Bundesrat versuchen, sich an den Verhandlungen zwischen der EU und den USA zu beteiligen.

Es ist aus Sicht von Swissmem wichtig, dass die Unternehmen die bestehenden Spielräume des GAV der MEM-Industrie nutzen können. Obstruktionsversuche einzelner Gewerkschaften verschlechtern einzig die Standortattraktivität des Werkplatzes Schweiz. Im Gegenzug müssen die Firmen die erforderlichen Massnahmen möglichst sozialverträglich gestalten.

Swissmem erwartet, dass der Bund Massnahmen zur weiteren Innovationsförderung prüft. Das KTI-Programm von 2011 hatte durchaus positive Wirkung. Eine Neuauflage müsste aber primär die Bedürfnisse der Unternehmen erfüllen, über einen längeren Zeitraum zur Verfügung stehen sowie weniger bürokratisch ausgestaltet sein.

Aussichten verschlechtert

Die erneute, schockartige Aufwertung des Schweizer Frankens drückt entsprechend auf die Stimmung in den Betrieben. In der jüngsten Befragung der Unternehmer im Januar 2015 zu den Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate rechnen 48,6 Prozent mit weniger Aufträgen aus dem Ausland. Gegenüber der Umfrage im Herbst 2014 haben sich die pessimistischen Rückmeldungen damit fast verdreifacht. Angesichts des starken Frankens, der schwachen Konjunktur im Hauptmarkt Europa, der Unsicherheit bezüglich der Zukunft der Bilateralen Verträge und der ungenügenden Zahl an Fachkräften hat der Werkplatz Schweiz spürbar an Attraktivität eingebüsst. Dies beeinflusst Investitionsentscheide und könnte mittelfristig sichtbare Spuren im Arbeitsmarkt hinterlassen.

Margeneinbruch bei den Unternehmen

Die Geschäftsentwicklung der MEM-Branche im zweiten Halbjahr 2014 legt nahe, dass sie selbst dann in eine Stagnationsphase gekommen wäre, wenn der Mindestkurs zum Euro nicht aufgegeben worden wäre. Der Entscheid der SNB vom 15.1.2015 hat nun zu einem teilweise massiven Margeneinbruch geführt. Viele industrielle KMU sind wieder in die Verlustzone geraten. Die Unternehmen hatten es zuvor auf der Basis eines verlässlichen Mindestkurses und mit Hilfe einer veritablen Fitnesskur seit 2011 geschafft, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Viele Effizienzsteigerungspotenziale wurden dabei ausgeschöpft. Die Anstrengungen der Firmen in den letzten Jahren waren nicht umsonst, aber deren positiven Auswirkungen haben sich nach dem SNB-Entscheid wieder zerschlagen. Der Kampf um Konkurrenzfähigkeit – und bisweilen um die Existenz – beginnt von neuem.

Geschäftsgang 2014 insgesamt positiv

Die Auftragseingänge in der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) nahmen 2014 im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um +4,9 Prozent zu. Diese Zunahme gründet ausschliesslich auf dem ersten Halbjahr. Im dritten Quartal 2014 stagnierten die Bestellungseingänge und im vierten Quartal nahmen sie im Vergleich zur Vorjahresperiode um –1,8 Prozent ab. Die Umsatzentwicklung zeigt ein analoges Bild. Es resultierte übers ganze Jahr betrachtet zwar noch eine schwache Zunahme von +0,3 Prozent. Die Umsätze reduzierten sich im Vergleich zur Vorjahresperiode im dritten Quartal um –4,2 Prozent und im vierten Quartal um –2,4 Prozent. Die Kapazitätsauslastung der MEM-Betriebe lag 2014 mit durchschnittlich 88,2 Prozent über dem langfristigen Mittel (86,1 Prozent). Den höchsten Stand erreichte sie im vierten Quartal mit 88,8 Prozent.

Moderates Exportwachstum

Die MEM-Industrie exportierte 2014 Waren im Wert von 66,2 Milliarden Franken, was gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme von +1,3 Prozent entspricht. Mit Ausnahme der Elektrotechnik-/Elektronik-Ausfuhren (–4,4 Prozent) erhöhten sich die Exporte gegenüber 2013 in sämtlichen Produktbereichen. Am stärksten profitierten die Ausfuhren bei den Metallen (+3,2 Prozent), gefolgt vom Maschinenbau (+2,3 Prozent) und den Präzisionsinstrumenten (+0,2 Prozent). Der derzeit mit Abstand dynamischste Absatzmarkt ist die USA. Die Exporte der MEM-Branche in diesen Markt stiegen im vierten Quartal 2014 im Vergleich zur Vorjahresperiode um +21,5 Prozent. Über das gesamte Jahr betrachtet liegt die Zunahme bei +7,8 Prozent. Auch die Ausfuhren nach Asien zogen in 2014 um +6,1 Prozent an. Im vierten Quartal betrug die Zunahme +6,4 Prozent. Hingegen stagnierten die Exporte in die EU im Jahr 2014 vollständig. <<

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