Mapal: Standortübergreifend Werkzeuge bereitstellen Globales Tool Management für Automotivezulieferer

Redakteur: Konrad Mücke

Das Beschaffen und Bereitstellen von Werkzeugen verursacht hohen personellen und logistischen Aufwand. Der Automobilzulieferer Hitachi Automotive Systems profitiert an weltweit drei Standorten vom einheitlichen, vernetzten Tool Management des Werkzeugherstellers Mapal.

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Weltweit an mehreren Produktionsstandorten fertigt der Automobilzulieferer Hitachi Automotive Systems Bremssättel für den Einbau in Pkw, leichte Nutzfahrzeuge und Krafträder.
Weltweit an mehreren Produktionsstandorten fertigt der Automobilzulieferer Hitachi Automotive Systems Bremssättel für den Einbau in Pkw, leichte Nutzfahrzeuge und Krafträder.
(Bild: Mapal)

Seit dem Jahr 2019 gehört Chassis Brakes International zu Hitachi Automotive Systems. Hitachi Automotive Systems ist damit einer der weltweit grössten Bremsenhersteller. Das Unternehmen fertigt für nahezu alle Automobilhersteller. «Wir produzieren bei Hitachi Automotive Systems innerhalb der Business Unit Bremsen Scheibenbremsen, Trommelbremsen, elektromechanische Feststellbremsen und Rotoren», sagt Hubert Klehenz, globaler Einkaufsleiter für Bremssysteme. Die Produkte werden in Pkw, leichte Nutzfahrzeuge und Zweiräder eingebaut.

Werkzeuge weltweit bereitstellen

In drei Produktionsstätten in Mexiko, Polen und in der Türkei produziert die Hitachi Automotive Systems Group vor allem Scheiben- und Trommelbremsen. «Mit dem Werk in Bursa in der Türkei arbeiten wir bereits seit 13 Jahren erfolgreich zusammen», erinnert sich Frank Stäbler, Abteilungsleiter für Tool Management Services bei Mapal. Schrittweise erweiterte man die Zusammenarbeit. «Nach dem türkischen Werk hat uns der Automotivezulieferer mit dem Tool Management in Wroclaw, Polen, betraut», ergänzt Frank Stäbler. Die jüngste Kooperation besteht im mexikanischen Querétaro. Hier eröffnete das Unternehmen, damals noch als Chassis Brakes International, im Jahr 2017 eine komplett neue Produktionsstätte. Dafür waren die Verantwortlichen rund um Hubert Klehenz auf der Suche nach einem kompetenten Partnerunternehmen. Es sollte komplett die Verantwortung für Werkzeuge übernehmen. «Angesichts globaler Herausforderungen und globaler Projekte benötigen wir einen Anbieter für Tool Management, der uns weltweit unterstützen kann», sagt Hubert Klehenz. Für das Unternehmen sei damals vor allem wichtig gewesen, dass dieser Anbieter konstant hohe Qualität liefert und nach denselben Automobilstandards arbeitet wie der Bremsenhersteller selbst.

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Sicherheitsbauteile erfordern Prozesssicherheit

«Bremsen gehören zu den entscheidenden Sicherheitskomponenten jedes Autos und müssen unter allen Umständen einwandfrei funktionieren», betont Hubert Klehenz. Deshalb bearbeiten die Bremsenhersteller jedes Bauteil mit der allergrösster Sorgfalt, um strengen Forderungen hinsichtlich Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit zu genügen. «Wir erhalten die Rohteile aus Aluminium und Gusseisen für Halterungen und Bremssättel und übernehmen die komplette Zerspanung und Montage», erläutert Hubert Klehenz. Dabei muss die Hitachi Automotive Systems Group alle denkbaren Fehlermöglichkeiten ausschliessen, um fehlerhafte Produkte zu vermeiden. Diese in der Automobilindustrie konsequent angewandte Vorgehensweise hat dazu geführt, dass die Bremsen moderner Autos so gut wie nie ausfallen. Das bedeutet allerdings steigende Aufwendungen im Bereich der Anlagen und Werkzeuge für die Bremsenherstellung. Denn man kann nur mit Komponenten und Prozessen arbeiten, die zuverlässig fehlerfrei und prozesssicher sind.

Auf Kernkompetenzen konzentrieren

«Umso wichtiger ist es, dass wir uns voll auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren können und unser Tool Management in Hände legen, deren Kernkompetenz ebendieses Geschäft ist», betont Hubert Klehenz. «Wir stellen mit einem externen Tool Management sicher, dass wir das beste Werkzeug im Einsatz haben sowie technischen Support und Unterstützung bei der Kostenoptimierung unserer Prozesse bekommen», ergänzt er.

Nach der durchweg erfolgreichen Zusammenarbeit in Polen und der Türkei entschied sich Hitachi, auch in Mexiko mit dem Präzisionswerkzeughersteller zusammenzuarbeiten. «Mapal hat eine ähnliche Struktur wie wir und ist damit in der Lage, uns regional zu unterstützen», so Hubert Klehenz. «Zudem hat uns der Werkzeughersteller eine schlüsselfertige Lösung geboten, als wir den Betrieb in unseren Werken aufgenommen haben.»

Umfassendes Tool Management

«Im Werk in Mexiko haben wir ein vollumfängliches Tool Management eingerichtet. Wir sind für die Beschaffung und die Bereitstellung sämtlicher Werkzeuge verantwortlich», sagt Frank Stäbler. Das betrifft auch die Werkzeug-Voreinstellung.

«Dabei kam uns auch zugute, dass wir ganz in der Nähe unseren jüngst eingerichteten Standort Mapal Frhenosa haben.» Kurze Wege und schnelle Reaktion sind so an der Tagesordnung.

Mapal hat so in Querétaro alle Bausteine seines modular aufgebauten Tool Management verwirklicht. Unter anderem installierte das Unternehmen das Werkzeugausgabesystem Unibase-M sowie das Einstellgerät Uniset-C aus dem eigenen Produktprogramm. Dazu gehört auch, wie schon an den Standorten in der Türkei und in Polen, ein kompletter Einstellraum. «Wir nutzen den kompletten Service, beginnend bei der Beschaffung verschiedener Verbrauchsmaterialien, dazu zählen wir auch die Werkzeuge. Bis hin zur Ausgabe der Materialien sowie deren Bestandsüberwachung mit automatischer Wiederbefüllung. Der Werkzeughersteller und -lieferant übernimmt auch den Einstell- und Einrichtvorgang. Wir erhalten die Werkzeuge einsatzbereit an die Maschine», erläutert Hubert Klehenz. Auch alle Nachschleif- und Wiederaufbereitungsarbeiten unterliegen der Verantwortung des Dienstleisters. «Im Hintergrund konstruieren die Spezialisten Werkzeuge und Spannfutter, die optimal zu unseren Fertigungsstandards passen und uns eine leistungsstarke und wirtschaftliche Produktion ermöglichen», führt Hubert Klehenz aus. So arbeiten die externen Werkzeugexperten auch daran, für die Hitachi Automotive Systems Group Zykluszeiten zu verkürzen und die Produktionsleistung zu steigern.

Von Cloud und Internet profitieren

Für Transparenz und noch mehr Effizienz hat Mapal im Jahr 2019 sein konventionelles Tool Management weiterentwickelt. Seither gibt es das Tool Management 4.0. Es basiert auf der Open-Cloud-Plattform der c-Com GmbH. Damit kann man die Prozesse rund um die Werkzeuge digitalisieren und für den Anwender transparent darstellen. «Tool Management 4.0 hat uns definitiv ein deutliches Plus an Digitalisierung mit all ihren Vorteilen in die Fertigung gebracht», freut sich Hubert Klehenz. Die direkte Datenübertragung sei beispielsweise spürbar beim automatischen Wiederbefüllen des Bestands, das die Verfügbarkeit aller benötigten Materialien sicherstellt. «Wir haben deutlich mehr Flexibilität, wenn wir Werkzeuge austauschen. Das macht sich anhand geringerer Stillstandszeiten der Maschine bemerkbar», nennt Hubert Klehenz einen der Vorteile. On top können die Verantwortlichen bei der Hitachi Automotive Group die Werkzeuge nun jederzeit digital verfolgen, und sie erhalten automatisiert Berichte. «Mit diesem Tool Manager haben wir grösstmögliche Transparenz hinsichtlich Technologie und Bearbeitungsprozess über alle Standorte hinweg – auch bezüglich der Kosten», sagt Hubert Klehenz. Abgerechnet werden die Dienstleistungen rund um die Werkzeuge pro produziertem Bauteil. Als herausragende Vorteile nennt Hubert Klehenz:

  • Stets das richtige Werkzeug im richtigen Moment zu finden
  • Genau passende Lagerbestände und einhergehend niedrigere Kosten und weniger gebundenes Kapital
  • Mehr Ressourcen für Wertschöpfung im eigenen Unternehmen, zum Beispiel für die Bremsenmontage
  • Transparenz über wichtige Kennzahlen, um Kosten und Produktivität detailliert zu optimieren
  • Zugriff auf aktuelle Werkzeug- und Prozesstechnologien
  • Externe, automatisierte Abläufe beim Wiederaufbereiten der Werkzeuge und einhergehend längere Lebensdauer
  • Effizientere Wartung der Werkzeuge

Global und lokal zusammenarbeiten

Nicht nur die übergreifende, globale Zusammenarbeit läuft optimal. Wichtig ist vor allem die Zusammenarbeit vor Ort. «Zwar haben beide Hauptsitze ein weltweites Abkommen abgeschlossen, aber die lokalen Standorte des Werkzeugspezialisten tragen massgeblich dazu bei, unsere Forderungen regional zu erfüllen», sagt Hubert Klehenz. An den jeweiligen Standorten treffen sich die Produktionsverantwortlichen des Unternehmens regelmässig mit den Mitarbeitern von Mapal. Sie diskutieren gemeinsam den Produktionsplan und analysieren die wichtigsten Kennzahlen. Darunter fallen Maschinen- und Werkzeugausfall, die Produktionszahl oder die Produktivität. Jährlich finden Workshops mit den drei Standorten Mexiko, Polen und Türkei statt, um «Best Practices» auszutauschen und Prozesse standortübergreifend zu harmonisieren. Hierbei hilft, dass mit der Cloud und der Software von c-Com alle Daten digital erfasst sind.

Davon sollen weitere Produktionsstandorte des Bremsenherstellers profitieren. «Wir werden nun weitere Standorte und Einheiten prüfen und bewerten, wo ein ähnliches Tool Management sinnvoll und effizienzsteigernd ist», fasst Hubert Klehenz zusammen. - kmu - SMM

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