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Interview: Werkplatz Schweiz Quo Vadis? Herausforderung und Chance: Teile flexibel, schnell und zuverlässig produzieren

| Redakteur: Anne Richter

Argonag bietet ein umfassendes Programm an Werkzeugmaschinen, hauptsächlich europäischer Hersteller. SMM sprach mit Geschäftsführer Stefan Luther über die Situation, die Herausforderungen und Chancen für Fertigungsbetriebe in der Schweiz und die Lösungen von Argonag.

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Nicht nur die Werkzeugmaschinen werden immer komplexer sondern auch gesamte Anlagen mit Automatisierung und Verkettung von Prozessen.
Nicht nur die Werkzeugmaschinen werden immer komplexer sondern auch gesamte Anlagen mit Automatisierung und Verkettung von Prozessen.
(Bild: Argonag AG)

SMM: Wie ist für Argonag das Geschäftsjahr 2018 verlaufen? Welche Ereignisse haben den Geschäftsverlauf besonders beeinflusst?

Stefan Luther: Wir sind mit dem Geschäftsjahr 2018 sehr zufrieden, der positive Trend hatte sich bereits 2017 abgezeichnet. Das Investitionsklima war sehr positiv und die ganze Wirtschaft und auch unsere Branche haben davon profitiert. Ein spezielles Ereignis, das den Geschäftsverlauf beeinflusst hat, sehe ich nicht, es war einfach eine konstant gute Stimmung. Die Kunden waren froh, dass Sie einen Teil Ihrer in die Jahre gekommenen Maschinen endlich ersetzen konnten und dadurch an Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit gewonnen haben.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage für den Werkplatz Schweiz ein?

S. Luther: Nach wie vor positiv - vorausgesetzt wir schaffen es, mit unserem wichtigsten Handelspartner weiterhin gut zusammenzuarbeiten. Manchmal denke ich, dass viele Leute, die nichts mit Import und Export zu tun haben, die Wichtigkeit der Bilateralen Verträge unterschätzen. Unsere Kunden sind zu 80% exportorientiert und der grösste Teil dieser Exporte geht in die EU. Aber mit den gut ausgebildeten Mitarbeitern, der hohen Arbeitssicherheit, der Zuverlässigkeit und der hohen Qualität unserer Produkte ist der Werkplatz Schweiz sehr gut aufgestellt.

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Wie hat sich die Situation für Ihre Kunden seit 2015 verändert? Was sind die Konsequenzen daraus?

S. Luther: Natürlich mussten die meisten Betriebe Umstrukturierungen und Einsparungen vornehmen. Die Margen sind gesunken bei gleichbleibenden Kosten, ich denke, das war und ist nach wie vor die grösste Herausforderung. Leider gab es auch Betriebsschliessungen und Restrukturierungen. Da aber viele Firmen in aktuelle Technik investiert, weiter automatisiert und Ihre Hausaufgaben gemacht haben, ist als Konsequenz ein grosser Teil der Schweizer Firmen gut aufgestellt und für die Zukunft gerüstet.

Wo sehen Sie in diesem Zusammenhang die Aufgabe von Argonag?

S. Luther: Wir wollen unseren Kunden Fertigungslösungen und Verbesserungen für Ihre Zerspanungsprobleme bieten, wobei wir uns auf den Verkauf von Werkzeugmaschinen für die zerspanende Fertigung konzentrieren, d.h. Dreh-/Fräszentren, Drehmaschinen, Fräsmaschinen und Schleifmaschinen. Sehr wichtig ist bei den aktuell hohen Auslastungen unserer Kunden auch eine gut funktionierende Serviceabteilung, die flexibel reagiert und möglichst schnell vor Ort sein kann. Deshalb haben wir unseren Kundendienst auch ausgebaut.

Welche Auswirkungen haben diese Veränderungen insgesamt auf die Werkzeugmaschinenbranche?

S. Luther: Mit mehr Automatisierung und durch die Digitalisierung steigt die Nachfrage nach sehr gut ausgebildeten Mitarbeitern, die neben hoher Fachkompetenz auch immer bessere Informatikkenntnisse mitbringen müssen. Dies gilt sowohl für die Mitarbeiter unserer Kunden, als auch für unsere Servicetechniker.

Wohin entwickeln sich die Anforderungen an Werkzeugmaschinen? Was sind die Herausforderungen in der heutigen Zeit?

S. Luther: Auf der einen Seite werden die Maschinen immer komplexer, ebenso die ganzen Anlagen mit Automatisierung und Verkettung von Prozessen. Auf der anderen Seite sehe ich auch Firmen, die sich auf kleine Serien und Einzelteile spezialisieren. Flexibel Teile zu produzieren und schnell und zuverlässig liefern zu können ist gleichzeitig Herausforderung und Chance für die Schweizer KMU.

Was sind aus Ihrer Sicht weitere wichtige Entwicklungstrends in der Werkzeugmaschinenbranche?

S. Luther: Ich sehe zwei Trends: Neben immer schnelleren, komplexeren und leistungsfähigeren Maschinen und Bearbeitungszellen gibt es auch den Trend zu höherer Prozess-Sicherheit; hier werden die Anlagen nicht bis zu Ihrer Leistungsgrenze hochgefahren, sondern mit einer Sicherheitsmarge betrieben, damit sie Abends störungsfrei die Serie abarbeiten. Ein Thema sind auch kleine Stückzahlen und Einzelteile, wobei die Automatisierung dieser Teile wegen der verschiedenen Spannmittel und Greifer sehr anspruchsvoll ist.

Wie sehen Sie und die Argonag Handelspartner das Thema Industrie 4.0 und Digitalisierung? Welche Antworten gibt es darauf?

S. Luther: Das ist ein fliessender Prozess, der schon sehr lange läuft. Wir haben schon 1990 Industrie-PC’s mit Touchscreen an die CNC-Maschinen montiert und diese über ein drahtloses Funknetzwerk mit dem Server im Werkstattbüro des Kunden verbunden. So konnten Programme, Zeichnungen, Arbeitspläne etc. zentral gesichert und jederzeit an die Maschine geholt werden. Mit den aktuellen technischen Mitteln ist mittlerweile unglaublich viel möglich. Es gilt hier, die Balance zwischen machbarem und sinnvollen zu finden und das Optimum aus der Digitalisierung herauszuholen.

Was sind die Themen der Zukunft für Händler und Hersteller von Werkzeugmaschinen?

S. Luther: Die Hersteller müssen natürlich die richtigen Produkte entwickeln. Das sind für den Schweizer Markt nicht immer die gleichen Maschinen, die im Weltmarkt gefragt sind. Als Händler suchen wir weltweit Maschinenhersteller, die passende Produkte für den Werkplatz Schweiz bauen und diese natürlich auch zertifizieren. Die Schweizer Industrie braucht uns Handelsbetriebe, unsere Produkte und unsere Servicetechniker. Ein Dauerthema sind auch bei uns die Margen. Wir müssen für unsere Produkte und Dienstleistungen die nötigen Preise bekommen, damit wir unsere Infrastruktur finanzieren können. Nur so können wir unsere Dienstleistungen aufrecht erhalten.

Argonag ist Aussteller auf der Prodex 2019. Welche Erwartungen haben Sie an die Messe? Was ist aus Ihrer Sicht für den Messestandort Schweiz unverzichtbar?

S. Luther: Ich freue mich auf die Prodex 2019 und erwarte mir gute Kontakte mit bestehende Kunden und auch mit neuen Interessenten. Der Zeitpunkt im Mai 2019 passt, denn die AMB liegt doch schon einige Zeit zurück und ich glaube, unsere Kunden werden kommen und schätzen diese Branchenmesse. Unser Verband tecnoswiss ist zusammen mit dem Swissmem Trägerverband der Prodex. Die Prodex ist eine Dienstleistung der Verbände für den Werkplatz Schweiz, hier können sich unsere Kunden in kurzer Zeit über verschiedene Maschinen, Werkzeuge, Messmittel und dazugehörige Peripherie informieren. Das Angebot ist viel breiter, als an Hausmessen, die vorwiegend von bestehenden Kunden und wenig von Neukunden besucht werden. Auch kleinere Firmen, die keine Hausmessen veranstalten können, finden hier eine Plattform für Ihre Produkte. Unverzichtbar ist für mich ganz klar, dass wir in Zukunft nicht wieder wie vor 20 Jahre mehrere Messen, sondern eine starke und erfolgreiche Branchenmesse haben. Das ist im Interesse der Aussteller und vor allem unserer Kunden.

Vielen Dank für das Gespräch. SMM

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