Ergänzendes zum Thema
nachgefragt
I. Högg: «Wir machen vieles richtig»
SMM: Thema Unternehmen Zukunft. Glauben Sie, dass Ihr Unternehmen für die Zukunft gut gerüstet ist; wenn ja, können Sie aus Ihrer Sicht die wichtigsten Punkte nennen?
Ivo Högg: Ja, ich denke schon, dass wir gut gerüstet sind. Die wichtigsten Anforderungen an uns sind, dass wir schnell sind und komplexe Teile in kleinen Losgrössen herstellen können. Entscheidend für uns ist es, unser Know-how weiterzuentwickeln. Das ist eine grosse Herausforderung und letztlich auch unserer wichtigstes Kapital. Die Entwicklung unseres Know-hows ergibt sich oft in enger Zusammenarbeit mit den Kunden. Wir verfügen über eine kleine Entwicklungsabteilung mit vier Entwicklungsingenieuren. Darüber hinaus entwickeln wir Kundenprojekte. Das jüngste Beispiel ist der Aufzug für die neuen Bombardier-Züge der SBB.
Sie haben vor einem Jahr Ihr neues Gebäude bezogen. Wie ist eine solche Investition für die zukünftige Entwicklung Ihres Unternehmens einzuordnen?
I. Högg: Wir haben modernste Räumlichkeiten, das hört sich unspektakulär an, birgt aber ein grosses Potential. Optimierte Arbeitsabläufe, ausreichend Platz mit aussergewöhnlich gutem Ausbaupotenzial. Auch unsere Reinraum-Montage wird uns sicher in der Zukunft neue Aufträge bringen. Hinzu kommt, dass sich unsere Mitarbeiter sicher sehr wohl fühlen, hier zu arbeiten.
Ein Thema in unserer Branche ist der Mangel an gut qualifizierten Mitarbeitern. Wie ist die Situation bei Ihnen und wie schätzen Sie die Entwicklung für die Zukunft ein?
I. Högg: Wir schauen selbst auf unseren Nachwuchs, ich denke, das ist das A und O, und bilden aus. Aktuell haben wir zwölf Polymechanikerlehrlinge. Einige bleiben, andere gehen weg, nicht selten kommen sie wieder, das bestätigt mir, dass wir vieles richtig machen.
Wie gestalten Sie die Aufgabengebiete des Mitarbeiters?
I. Högg: Wenn es möglich ist, versuchen wir unseren Mitarbeitern Freiheiten in der Gestaltung ihres Arbeitsablaufs zu gewähren. Viele machen einen komplexen Job: vom Programmieren bis zum Einrichten. Zielvorgabe ist, das Werkstück in einer entsprechenden Zeit wirtschaftlich und den qualitativen Anforderungen entsprechend zu fertigen. Jetzt liegt es am Mitarbeiter, die Zielvorgaben optimal zu realisieren.
Auf welchen Qualitätsstandards muss man produzieren, um am Werkplatz Schweiz profitabel zu sein?
I. Högg: Qualität beginnt damit, die Anforderungen der Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Die Anforderungen steigen ständig, gerade im Hinblick auf die Medizintechnik, aber auch in vielen anderen Branchen. Mit unserer Reinraum-Montage setzen wir hier sicher Akzente und sind für die Zukunft gut aufgestellt.
Heisst das, Sie sind in der Medizintechnik bereits voll dabei?
I. Högg: Ja, wir fertigen und montieren bereits einige Produkte für die Medizintechnik. Instrumententeile und Implantate in Edelstahl und Titan. Wir sind am Prüfen, ob wir uns in Zukunft für die Medizintechnik zertifizieren lassen sollen. Einrichtungen und Know-how sind vorhanden.
Wie ist Ihr Maschinenpark hierfür gerüstet?
I. Högg: Wir können mit unserem Maschinenpark genau das gewährleisten und insofern sind wir sicher gut gerüstet. Auch mit dem neuen Gebäude setzen wir sicher einen Meilenstein.
Man liest oft, dass inhabergeführte Firmen bessere Resultate bringen als Manager-geführte. Denken Sie, da ist was dran, wenn ja, wo liegen Ihrer Meinung nach die Unterschiede?
I. Högg: Als Unternehmer ist man mit Herzblut dabei, man kann am Abend und am Wochenende nicht den Schlüssel drehen. Ich persönlich bin natürlich mit dem eigenen Geld dabei, mit der Familie, man wird auch in unserer Gemeinde viel stärker wahrgenommen, weil man auch persönlich lokal verwurzelt ist.
Welche Zukunft hat der Werkplatz Schweiz?
I. Högg: Also ich sehe schon, dass er durch den Eurokurs gefährdet ist. Es gibt sicher einige grosse Exporteure, die aus der Schweiz die Produktion ins Ausland verlagern werden, gleichwohl die Spezialitäten werden bleiben. Aber: Wenn Sie mal abgewandert sind, braucht es sehr viel, bis Sie wieder kommen. Aber wir werden sicher nicht abwandern.