Roundtable: MM - Die Chefsache Industrie 4.0 ist noch in der Warteschleife

Autor / Redakteur: Reinhold Schäfer / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Das Konzept Industrie 4.0 verspricht durchgängige Lösungen für Industriebetriebe. Doch was steckt dahinter? Wie weit ist der Mittelstand? Taugt es als Blaupause auch für kleine Unternehmen? In Deutschland wird Industrie 4.0 stark gefördert, auch seitens der Regierung. Der MM- Deutschland hat nun vier Chefs mittelständischer Unternehmen an den Tisch geholt. Wo stehen die deutschen KMU bei der Umsetzung von Industrie 4.0?

Bild 1: Nur ein Drittel aller Maschinenbauunternehmen beschäftigt sich intensiv mit der Thematik Industrie 4.0.
Bild 1: Nur ein Drittel aller Maschinenbauunternehmen beschäftigt sich intensiv mit der Thematik Industrie 4.0.
(Quelle: VDMA)

Nur ein Drittel des deutschen Maschinenbaus befasst sich mit der Digitalisierung der Produktion. Dies ist ein erstaunliches Ergebnis der Industrie-4.0-Readiness-Studie der Impuls-Stiftung des VDMA. Es ist nicht der einzige Widerspruch im Zusammenhang mit einem Projekt, das laut Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel immerhin «für unseren Wohlstand von entscheidender Bedeutung» ist. Der MM wollte es aus erster Hand erfahren und hat im Rahmen von «MM – Die Chefsache» vier mittelständische Geschäftsführer um eine Positionsbestimmung gebeten. Dr.-Ing. Gunther Kegel, Chef von Pepperl + Fuchs hält die Fahne für den Mittelstand hoch: Man habe schon den Umbruch erkannt und sich gefragt, wie sich das eigene Unternehmen durch die digitalen Techniken und Medien verändern muss, aber auch, wie sich die Produkte und Dienstleistungen verändern müssen. Doch er stellt gleich zu Beginn klar: «Wir sind noch ganz am Anfang, wenn man das Thema Industrie 4.0 betrachtet.»

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Man sei noch dabei, als Grundlagenarbeit Standards verbindlich festzulegen: «Wir begleiten die gesamte Normung und die Arbeiten der Plattform Industrie 4.0 im ZVEI intensiv mit erheblicher Manpower.» Schmunzelnd fährt Kegel fort: «Industrie 4.0 ist für uns Chefsache, weil alle anderen Wichtigeres zu tun haben.»

Weiter zeigt die Studie aber auch, dass sich vor allem die kleineren Unternehmen kaum mit der Thematik beschäftigen. Für Dr. Omar Sadi ist das vollkommen klar, weil die kleineren Unternehmen einfach nicht die entsprechenden Ressourcen hätten. Es sei für sie schwierig, die entsprechenden Leute zur Mitarbeit in den Verbänden zur Verfügung zu stellen. «Damit besteht die Gefahr, dass solche Unternehmen abgehängt werden», warnt der Technikchef von Getriebebau Nord. Deshalb sei es ganz wichtig, entsprechende Anreize zu schaffen und die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Dies sei in erster Linie auch eine Aufgabe der Verbände, um die kleinen Unternehmen mitzuziehen, erklärt Sadi.

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