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Anti-Internationalisierung
Die Schweiz hat ohne Zweifel in den letzten Jahrzehnten sehr stark von der Internationalisierung profitiert. Dass es aber auch Verlierer gibt, dafür stand Andreas Ott auf dem Podium. Er ist im Verwaltungsrat von Estech Industries Holding und sprach auf äusserst eindrückliche Art für die kleinsten KMU und dafür setzte er auch seine gesamte Körperfülle ein. «Nicht alle KMU-Lohnfertiger können internationalisieren oder innovieren (wie von der Swissmem gefordert)», sagt der Hühne zum Publikum. Am meisten zu schaffen macht den kleinen KMU laut Ott, dass viele grosse Inlandskunden schwerwiegend im Ausland einkaufen: «Viele Grossbetriebe bauen hierzulande Prototypen. Dafür sind wir Zulieferer und Lohnfertiger gut. Die Serie geht jedoch ins Ausland.» Die Schweizer Kleinstbetriebe gelten als zu teuer. Viele Firmen würden darum nicht für eine Serienlieferung berücksichtigt. Sie erhalten aber auch keine Chance, die Firmen vom Gegenteil zu überzeugen. Im Verlauf seines Referates zog Ott plötzlich seine Anzugjacke aus und ein T-Shirt mit der Überschrift «Ich bin ein KMU» über. Mit ihm taten es gleichzeitig etwa zehn weitere Teilnehmer des Symposiums gleich und verteilten dem Publikum Spitzbuben. «Die KMU sind unter uns», erklärt Ott und weist damit demonstrativ, dass die Kleinen eben auch systemrelevant sind. «Die Schweizer KMU sind das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft, hören wir von der Politik. Gebt uns aber eine Chance, euch das zu beweisen», fordert Ott von den Anwesenden, «wir machen was daraus.»
Für fähige Politiker beten
Als Abschluss sprach noch David Bosshart, CEO vom Gottlieb Duttweiler Institute, über die Digitalisierung in der Industrie. «Zwischen der digitalen und der industriellen Welt wird es zu konfliktreichen Ablösungsprozessen kommen», setzt Bosshart an, «und die Errungenschaften der industriellen Zeit, wie Arbeitszufriedenheit, Sozialstaat, Vollzeitstellen werden neu definiert.» Für ihn sind die Trumps dieser Welt darum kein Zufall. Mehr Transparenz sei wichtig, damit der immer grössere und eben nachweisliche Vertrauensverlust in die politische und wirtschaftliche Führung, in Experten und Eliten wieder gefestigt wird. Die Schweiz sei jedoch für die Veränderungen, die durch die Digitalisierung angestossen wird, gut gerüstet. Dennoch schob Bosshart am Ende seines Referates noch folgenden Satz nach: «Beten Sie für fähige Politiker. Nur so werden die Industrienationen den global wachsenden Gap zwischen Elite und Menschen überwinden.» -sc- SMM
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