Ergänzendes zum Thema
nachgefragt
Fragen an Paul Zumbühl, CEO der Interroll-Gruppe
SMM: Was beinhaltet das Produktportfolio von Interroll? Welches sind Ihre Flagships?
Paul Zumbühl: Wir entwickeln, produzieren und vertreiben Schlüsselprodukte für interne Logistik und sind damit weltweit führend. Interne Logistik fördert Behälter, Kartons, Warenträger, Paletten, aber auch verarbeitete Lebensmittel. Logistikanlagen finden sich in Produktionswerken, Lagern, Distributionszentren und überall, wo Waren gefördert, gelagert oder verteilt werden. Zu unseren Produkten gehören beispielsweise Trommelmotoren, die als platzsparende Förderbandantriebe etwa in Kassentischen und Check-in-Schaltern am Flughafen eingebaut sind, Sorter zur Verteilung von Behältern in Postzentren, Förderrollenmodule für Palettenfliesslager und Behälterförderanlagen und weitere Produkte. Über Systemintegratoren und Anlagenhersteller gelangen unsere Produkte vor allem in Anwendungsbereiche wie Lebensmittelindustrie, Flughafenlogistik, Kurier/Express/Post, Verteilzentren und verschiedene Industriezweige.
Der Sitz der Interroll Holding befindet sich in der Schweiz – welche und in welchem Umfange sind ausserdem Fertigungskompetenzen in der Schweiz angesiedelt?
P. Zumbühl: Unser Kompetenzzentrum für Technopolymer-Komponenten in Sant'Antonino im Tessin beliefert das weltweite Produktionsnetzwerk von Interroll mit hochwertigen Bauteilen für Förderrollen, Trommelmotoren, Antriebsrollen usw. In den Technopolymer-Teilfabrikaten steckt viel Know-how und Engineering, sie sind ein wichtiges Element für die Premium-Qualität unserer Produkte. Unsere Mitarbeiter des Technopolymer-Zentrums arbeiten hochproduktiv nach Kaizen-Prinzipien. Die Kaizen-Philosophie der fortlaufenden Optimierung wird überdies in allen Interroll-Werken umgesetzt.
Der Werkplatz Schweiz leidet unter der Abhängigkeit von ungünstigen Wechselkursen – wie sind die kurz- und mittelfristigen Auswirkungen für Ihre Unternehmensgruppe?
P. Zumbühl: Unsere dezentrale Gruppenstruktur trägt generell zu einer starken Verminderung des Wechselkursrisikos bei. Da wir weltweit zu rund 90 Prozent unsere Produkte in den Ländern herstellen, in denen sich unsere Kunden befinden, sind wir von der Währungsentwicklung weniger abhängig. Wo noch Restrisiken sind, mildern wir diese mit internen Prozessen ab und sichern Nettofremdwährungspositionen durch Termingeschäfte mit erstklassigen Finanzinstituten ab.
Der Werkplatz leidet auch anderweitig: Vielerorts fehlen hochqualifizierte Fachkräfte – wie sieht das in Ihrem Unternehmen aus?
P. Zumbühl: An unserem Standort in Sant'Antonino arbeiten Personen aus verschiedenen Ländern. Im Kompetenzzentrum für Technopolymer-Produkte sind vorwiegend Schweizer und Italiener beschäftigt. Es sind in der Regel langjährige, bewährte Fachkräfte im Bereich Spritzgusstechnologie. Am Hauptsitz arbeiten Fachleute aus der Schweiz, Italien und Deutschland – alle mehrsprachig, was für unser globales Netzwerk natürlich Grundvoraussetzung ist. Wir stellen fest, dass auch Leute aus dem Ausland gerne zu uns nach Sant'Antonino kommen, auch wenn damit der Umzug ins Tessin verbunden ist.
Wird der Werkplatz Schweiz für Interroll längerfristig Bestand haben?
P. Zumbühl: Auf jeden Fall.
Was müsste – ganz allgemein gesehen – unternommen werden, um den Werkplatz CH zu stärken?
P. Zumbühl: Ich sehe vor allem in der Förderung von Innovation und Technologie sowie im Bildungssektor entscheidende Ansatzpunkte für den langfristigen Erfolg unseres Werkplatzes. Die Rahmenbedingungen für die produzierende Industrie müssen weiter verbessert werden, um Verlagerungen ins Ausland vorzubeugen. Eine gute Ausbildung, hohe Arbeitsmoral und Flexibilität der Arbeitskräfte müssen ebenso gefördert werden wie die Einstellung von Unternehmen, sich auch für qualifizierte ausländische Fachkräfte attraktiv zu machen. Das sind schweizerische Kernwerte, die wir noch konsequenter umsetzen müssen – Politik, Verbände, Unternehmen – wir alle im Arbeitsalltag.
Wie beurteilen Sie aktuell die Entwicklung der globalen Märkte? Wo sehen Sie für Interroll die grössten Entwicklungspotenziale?
P. Zumbühl: Die weltwirtschaftliche Entwicklung dürfte bis auf Weiteres von hohen Unsicherheiten geprägt bleiben. Rohmaterialpreise sind volatil, und man stellt in wichtigen Anwendermärkten nach wie vor eine gewisse Zurückhaltung bei Investitionen fest. Zur Stärkung unserer Marktposition und um Marktpotenziale zeitnah und langfristig nutzen zu können, bauen wir unser weltweites Netzwerk zielgerichtet aus und treiben Innovationen konsequent voran. Wir sind überzeugt, dass dies, nebst unserem langjährigen Knowhow, zu den grundlegenden Voraussetzungen auch für künftigen Erfolg gehört. Geografisch verstärken wir unsere Aktivitäten in Asien und Amerika. Unser fortgesetztes striktes Kostenmanagement, weitere Produktivitätssteigerungen und eine starke Finanzbasis bleiben entscheidende Elemente zur konsequenten Umsetzung unserer langfristigen Wachstumsstrategie.
Was sonst noch zu sagen wäre?
P. Zumbühl: Als Unternehmen konzentrieren wir uns auf das, was wir am besten können. Das hat uns als Marke «Interroll» am Markt letztendlich über all die Jahre hinweg sehr erfolgreich gemacht – und unsere Kunden ebenfalls. Sich darauf zu konzentrieren, lohnt sich, ist aber immer mit viel Fleiss, Einsatz, mit den nötigen «Hausaufgaben» und vor allem mit viel Ausdauer verbunden.