Urma: Strategisch weiterentwickeln Investieren in Automation und Digitalisierung

Redakteur: Konrad Mücke

Voraussichtlich werden wir uns noch lange Zeit in einer Ausnahmesituation befinden. Ursache ist die Gefahr, dass sich zu viele Menschen mit dem Virus Covid-19 infizieren. Yannick Berner, Director Digital & Marketing der Urma AG, erläutert, wie er die Lage und die Aussichten der Industrie und seines Unternehmens einschätzt.

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Erfolgsmodell: Die digitale Transformation optimiert Prozesse in der Produktion und im Marketing.
Erfolgsmodell: Die digitale Transformation optimiert Prozesse in der Produktion und im Marketing.
(Bild: Urma AG)

SMM: Herr Berner, wie verhalten sich nach Ihrer Ansicht die Schweizer Produktionsunternehmen in der derzeitigen Krise?

Yannick Berner: Die Schweizer Produktionsunternehmen haben mit schwierigen Herausforderungen zu kämpfen. Durch disziplinierte Kostenreduktionen, Liquiditätsmanagement und innovative, den Umsatz steigernde Massnahmen beweist unsere Branche in der Krise Stärke. Trotz erschwerter Geschäftsbedingungen nutzen viele Firmen die Zeit, um ihre Produktion mit Innovationen voranzutreiben. Natürlich gilt dabei stets «safety first»: Die Sicherheit der Kundschaft und der Mitarbeitenden steht immer im Vordergrund. Nichtdestotrotz können wir die Lieferfähigkeit und -bereitschaft aufrechterhalten. Gleichzeitig können wir die Geschäftsmodelle weiterentwickeln und digitalisieren, um auch in Krisenzeiten nachhaltig Ertrag zu erwirtschaften. Gerade in unserem Unternehmen erweist sich die bereits früh gestartete digitale Transformation als Vorteil. So nutzen wir die Zeit, gezielt Investitionen zu tätigen, um unsere Produktion noch effizienter zu gestalten und uns strategisch weiterzuentwickeln.

Wie wirken sich die Massnahmen der öffentlichen Verwaltung und der Regierung gegen die Ausbreitung des Virus auf Ihre aktuelle Geschäftstätigkeit aus?

Y. Berner: Natürlich drücken die meist privaten Restriktionen auf das Gemüt unserer Belegschaft. Dennoch sind wir froh, dass in der Schweizer Politik die Schliessung der Produktionsstätten nie ein Thema war. Wir leisten als Firma so gut wie möglich unseren Beitrag, um die Ausbreitung des Virus zu hemmen. Im Vergleich waren internationale Massnahmen diesbezüglich strenger. So waren viele unserer internationalen Kunden von behördlich angeordneten Produktionsschliessungen betroffen. Ein Beispiel ist die Automobilindustrie in unseren Nachbarländern, welche einen Grossteil unseres Absatzmarkts bei den Präzisionswerkzeugen ausmacht.

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Wie reagieren Sie auf die aktuelle Situation?

Y. Berner: Nebst aktivem Kosten- und Liquiditätsmanagement nutzen wir die Zeit, um strategische Projekte voranzutreiben. Noch nie waren so viele unserer Kadermitglieder gleichzeitig an einem Ort. Unter anderem konnten wir die digitale Transformation und Automation beschleunigen, unseren Betrieb kostentechnisch optimieren und gleichzeitig azyklisch investieren. Wir haben einen enormen Effort geleistet, um unseren Kundinnen und Kunden entgegenzukommen, sei dies mit guten Angeboten, attraktiven Dienstleistungen oder dem Ausbau unseres Service-Levels. Als Familienunternehmen versuchen wir, stets langfristig und visionär zu handeln und setzen gezielt auf den Produktions­standort Schweiz.

Wie sorgen Sie für anhaltenden Kontakt zu Kunden?

Y. Berner: Plötzlich und unerwartet waren Kundenbesuche und Events, vor allem im Ausland, nicht mehr möglich. So mussten wir schnell umdenken und vor allem auf die digitalen Kanäle ausweichen oder zum Telefon greifen. So suchen unsere Verkaufsberater und unser Kundendienst aktiv den Kontakt mit den Kunden per Telefon und – sofern möglich – den Besuch in der Werkstatt der Kundschaft. Wir profitieren auch hier von der Digitalisierung unserer Verkaufskanäle. So nutzen unsere Kunden den Haas-online-Maschinen-​Konfigurator, als Build & Price bezeichnet, oder bald unseren neuen Webshop für CNC-Maschinen-Ausrüstungen. Dabei ist uns wichtig, dass wir auch im Backoffice eine verlässliche Anlaufstelle, zum Beispiel beim Service, gewährleisten.

Wie agieren Sie im Marketing allgemein, um neue Kundenkontakte zu finden?

Y. Berner: Unsere Marketingkommunikation fokussiert sich seit Jahren vermehrt auf die digitalen Kanäle. Dabei wird unser Marketing-Team immer mehr zu einem Mikro-Medienhaus. Wir fotografieren Produkte, drehen Videos für YouTube, produzieren Tutorials, schreiben Kurztexte, füttern Social Media mit Berichten «behind the scenes». Und das in einem noch nie dagewesenen Tempo. Diese Content-Marketing-Strategie soll dazu führen, unsere Firma und unsere innovativen Produkte auf eine einfache und spielerische Art global zugänglich zu machen. Weiter werden wir mit unserem Webshop für Werkzeugmaschinenausrüstungen eine neue Art von Kundennähe schaffen.

Was planen Sie längerfristig im Marketing – Stichworte (Haus-)Messen, Digitalisierung, direkten Kundenkontakt per Aussendienst, Web- oder Podcast – für das laufende Jahr?

Y. Berner: Nebst der Content-Marketing-Strategie, bei der wir ja vorwiegend Digital-Marketing betreiben, setzen wir auch auf klassische, bewährte Kanäle. Der direkte Kontakt mit unseren Kunden, sei dies via Aussendienst oder an Messen, wird gerade bei Investitionsgütern und technisch komplexen Produkten weiterhin einen wichtigen Stellenwert haben. Die digitalen Kanäle sehe ich dabei als solide Ergänzung, um noch näher an den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden zu sein. Hybride und virtuelle Messen gehören für mich zu diesem ausgewogenen Marketing-Mix. Eine Teilnahme an der Innoteq im Mai ist für uns somit selbstverständlich.

Welche Erwartungen und Pläne haben Sie für Ihre Produktionsstätte in der Schweiz?

Y. Berner: Als Schweizer Unternehmen mit 94 Prozent Exportanteil bei Werkzeugen verspüren wir im internationalen Vergleich einen enormem Kostendruck. Um global wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir uns stets weiterentwickeln. Nebst kontinuierlichen Produkte-Innovationen optimieren wir unsere Produktion durch Automatisierung und Prozessverbesserungen. Eine stetige Lieferfähigkeit und somit eine glückliche Kundschaft stellen wir durch hohe Produktionskapazitäten und Just-in-time-Lieferungen sicher. Nebst diesen vielen Investitionen in unseren Maschinenpark investieren wir auch stetig in unser Team, unter anderem durch die Förderung von Weiterbildungen.

Sie haben bereits intensiv in die Digitalisierung investiert. Wie werden Sie diese Strategie nach den Einschränkungen vorantreiben?

Y. Berner: Die Krise hat uns gezeigt, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Und auf diesem Weg spielt das Level der Digitalisierung eine zentrale Rolle. Wir sind gut aufgestellt und werden auch in Zukunft weiter in die digitale Transformation investieren.

Welche Erwartungen haben Sie an die allgemeine geschäftliche Entwicklung im Jahr 2021?

Y. Berner: Ich bin positiv gestimmt. Ich erwarte ein bedeutendes Wachstum, sowohl national als auch international. Somit sollten wir uns schon bald zurück auf dem Wachstumspfad der Jahre 2018 und 2019 befinden. Ich gehe davon aus, dass die Leute konsumieren möchten und somit ein grosser Nachholbedarf besteht. Die Gewinnaussichten sind vielversprechend, vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen bleiben weiter in Ordnung. Die vielen Unterstützungsmassnahmen und die global fortschreitenden Impfungen lassen uns hoffen, dass wir schon ganz bald wieder in die Normalität zurückkehren können.

Herr Berner, vielen Dank für Ihre Informationen.

Das Interview führte unser Redaktor Konrad Mücke. SMM

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