200 Fertigungstechniker am Iscar «Logiq Event»

Massive Kühlung in der Zerspanungszone erhöht Produktivität

| Redakteur: Matthias Böhm

Das Schweizer Iscar Team organisierte einen interessanten Fertigungstag und freute sich über das rege Interesse der Besucher.
Das Schweizer Iscar Team organisierte einen interessanten Fertigungstag und freute sich über das rege Interesse der Besucher. (Bild: Matthias Böhm)

Über 200 Fertigungstechniker nahmen am Iscar «Logiq Event» teil. Jacob Harpaz (President and Chairman, IMC Group of Companies) präsentierte Innovationen des Werkzeugherstellers aus den Bereichen Stechen, Drehen, Bohren Fräsen. Ein Themenbereich der eine grosse Bedeutung hat, ist die konsequente gerichtete Kühlung direkt und massiv in die Zerspanungszone. Eine nicht zu unterschätzende Massnahme, um Produktivität und Werkzeug-Standzeit massgeblich zu erhöhen.

Iscar gehört zu einem der grössten Werkzeughersteller weltweit. Selbst Warren Buffet hat vor wenigen Jahren das Potential erkannt und in die Iscar-Gruppe investiert. Heute ist er Eigentümer der IMC Gruppe.

Nach wie vor ist es so, dass viele Fertigungstechniker Iscar vom Stechen her kennen. Dass Iscar sich im Stechen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, zeigten sie eindrücklich am Technologietag in Opfikon vor 200 interessierten Fertigungstechnikern aus der Schweiz.

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Iscar hat sich in den letzten 20 Jahren zu einem Vollprogrammhersteller weiterentwickelt. Das wurde am Iscar Logiq Event offenbar. Auch im Gespräch mit dem SMM bestätigten verschiedene Zerspanungstechniker, dass beispielsweise die Fräswerkzeuge von Iscar einen enorm weichen Schnitt hätten und dadurch die Drehmomente und Kräfte auf der Maschine reduziert würden. Hier würde Iscar ein hervorragendes Wendeplattenkonzept fahren. Aber nicht nur, auch VHM-Fräser und Keramikfräser ergänzen das Fräs-Werkzeugprogramm.

Für die Bearbeitung zugeschnittene Werkzeuge

Zum Thema Industrie 4.0 sagte J. Harpaz, dass es immer wichtiger sei, die auf die Bearbeitungsaufgabe zugeschnittenen Werkzeuge perfekt auszuwählen, um die Fertigungsprozesse zu optimieren. Das Optimum kann dabei sehr unterschiedlich ausgelegt werden. Bei einem Zulieferer müssen beispielsweise kleine Serien mit wechselnden Werkstoffen und Ansprüchen an die Zerspanungswerte gefertigt werden. Ein OEM fertigt dagegen Grossserien. Industrie 4.0 muss sowohl dem Zulieferer als auch das OEM in der Weise unterstützen, dass er genau auf seine Fertigungsprozesse die optimalen Werkzeuge erhält und zwar auf Knopfdruck, wenn überhaupt. In der intelligenten Fabrik werden die Werkzeugsortimente zukünftig zielgruppengerecht, das heisst fertigungsbezogen, optimiert und automatisch ausgewählt werden können.

Darüber hinaus sei es entscheidend - so Harpaz - dass die F&E die Werkzeug-Produktlinien kontinuierlich verbessert. Die Werkzeuge müssten auf die unterschiedlichen Branchen noch besser zugeschnitten sein. So haben Automotive, Luft- und Raumfahrt oder Medizintechnik jeweils andere Anforderungen an die Zerspanungstechnik. Hier spielen Faktoren wie Materialien, Seriengrössen, Zertifizierungen, bis hin zu Oberflächenstrukturen am Werkstück eine Rolle. Insofern ist es entscheidend für jede spezifische Anwendung ein zugeschnittenes Werkzeug zu entwickeln, sei es im Bohren, Fräsen, Drehen, Abstechen usw. Aber es muss auch Allroundwerkzeuge geben, für unterschiedliche Anwendungen, Werkstoffe usw., wo genau diese Werkzeugart das Mittel der Wahl und für den Anwender die wirtschaftlichste Alternative ist.

Ein wichtiger Faktor in der effizienten Zerspanung ist der sogenannte weichen Schnitt. Dank hoch positiven scharfen Schneiden können die Zerspankräfte in der Art reduziert werden, dass die Drehmomente reduziert werden und somit mit geringeren Maschinen-Leistungen oder/und höheres Zeitspanvolumen produziert werden können.

Massive Kühlung in die Zerspanungszone

Auch eine sogenannte Jet-Kühlung, die Iscar in viele ihrer Werkzeuge und Halter intergiert hat, kann erhebliche Verbesserungen bringen. Massive zielgerichtete Kühlung direkt im Prozessbereich verbessern den Spanbruch, weil sie u.a. in der Wärmeeinflusszone der Spanerstehung abkühlen und somit die Plastizität des Spans herabsetzen und die Sprödigkeit des Spans erhöhen.

Die Kühlmassnahmen erhöhen aber auch die Standzeit der Werkzeuge. Denn ideal sollten die Schneiden unterhalb der kritischen Temperatur von 600°C bleiben. Eine wichtige Grenz-Temperatur im Bereich der Zerspanung, denn darüber wird der HM-Bestandteil Cobalt «weich», was sich typischerweise in einer schlechteren Standzeit niederschlägt.

Abstechen: Paradedisziplin

Das Thema Abstechen wurde breit dargelegt, hier nur zwei Beispiele.

Abstechen zum Ersten: Ein Produkt-Highlight im Abstechen ist sicher der neue Multi F-Grip. Er kann auf der X- als auch Y-Achse eingesetzt werden und bringt laut Iscar eine vierfache Produktivität im Abstecchen bis maximal D=120 mm.

Abstechen zum Zweiten: Mit einer nur 0.6 mm breiten Abstechbreite macht Iscar weiter vorwärts. Nutzt man ein solch schmales anstelle eines 2 mm breiten Abstechwerkzeuges beim Drehen ab 3 m-Stangenmaterial, dann können bei einer Werkstücklänge von 10 mm neu 283 statt 250 Werkstücke gefertigt werden.

Innendrehen mit 5xD Bohrstange

Schliesslich wurde auch das Innendrehen mit lang auskragenden Werkzeugen thematisiert. Mit einer 5xD- Whisper-Bohrstange inklusive austauschbarer Köpfe verfügt das Innen-Bohrstange über eine integriertes Dämpfungssystem, dass Schwingungen herausfiltert und dadurch eine prozesssichere und qualitativ hochwertige Zerspanung gewährleistet.

Thema Bohren und Fräsen

Weiter oben im Text wurde die Fräs-Kompetenz bereits angedeutet. Das Thema Fräsen und Bohren ist dermassen komplex, das es den Rahmen dieses Beitrages vollends sprengen würde. Fakt ist: vom Keramikfräser für Superlegierungen, über Verzahnungsfräser bis hin bis zum Hochschubfräser hat Iscar das Programm rundum erneuert. Soviel sei hier gesagt: Iscar ist Komplettanbieter im Bereich Bohren und Fräsen.

Vielleicht sollte in diesem Zusammenhang noch auf eine Spezialität im Bereich der Scheibenfräser hingewiesen werden: der neue Slim-Slit-Scheibenfräser mit 0.6 mm dicken HM-Schneiden. Bei dem Wendeplattenbestückten Scheibenfräserhandelt es sich um ein Meisterwerk der Filigranität, mit dem ab sofort 0.6 mm Nuten gefräst werden können, das war bisher nur mit VHM-Scheibenfräsern machbar.

Fazit

Es wurde an dem Technologietag von Iscar noch erheblich mehr an Innovationen geboten, doch das soll vorerst reichen. Und apropos kühlen Kopf bewahren: Achten Sie einmal auf die Kühllösungen der verschiedenen Iscar-Werkzeuge, vom Drehen über das Stechen bis hin zum Fräsen. Da wird bezüglich Kühlung definitiv nichts dem Zufall überlassen. Es geht fast immer direkt in die Zerspanungszone. Was darüber hinaus am Zerspanungstag bei Iscar sicher rüberkam war, dass es entscheidend ist, die jeweils für die Fertigungsanforderungen idealen Werkzeuglösungen zu nutzen, um ein bestmögliches Ergebnis hinsichtlich der Qualität Produktivität und Wirtschaftlichkeit zu erzielen. Dann wäre bereits einiges erreicht. SMM

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