SwissSkills 2014 MEM-Frauenpower an den SwissSkills

Redakteur: Lya Bartholet

>> Für die Schweizermeisterschaften der Polymechanikerinnen und Polymechaniker EFZ haben sich zwei Frauen qualifiziert. Natalie Briggeler und Salome Schranzer freuen sich auf die SwissSkills und möchten zeigen, dass die MEM-Berufe auch für Frauen interessant sind. „Journal“ hat sich mit den beiden unterhalten.

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Natalie Briggeler, arbeitet bei Schmidt Werkzeugbau GmbH (SO)
Natalie Briggeler, arbeitet bei Schmidt Werkzeugbau GmbH (SO)
(Bild: Swissmechanic)

Mitte September finden in Bern die ersten nationalen Berufsmeisterschaften statt. An den SwissSkills vom 16. bis 21. September 2014 sind auch unsere Polymechanikerinnen und Polymechaniker EFZ mit von der Partie. Zwei Frauen haben sich für die Endrunde qualifiziert. Natalie Briggeler (CNC-Fräsen) und Salome Schranzer (CNC-Drehen) sind nicht nur hervorragende Fachkräfte, sondern auch beste Botschafterinnen. Das Frauenpower-Duo freut sich auf die Meisterschaften und möchte junge Frauen motivieren, einen MEM-Beruf zu erlernen. Speziell ist vor allem die Qualifikation von Natalie Briggeler. Sie ist die erste Frau, die sich in der Disziplin Fräsen für die Schweizermeisterschaft qualifiziert hat.

Journal: Natalie Briggeler und Salome Schranzer, wie haben Sie die Qualifikation erlebt?

Natalie Briggeler: Ich habe viel gelernt und nur schon die die Qualifikation war eine sehr gute Erfahrung. Vor allem die praktische Arbeit hat grossen Spass gemacht. Der theoretische Teil war sehr streng, es waren lange Tage, in denen du dich voll konzentrieren und mit dem zusätzlichen Druck umgehen musst. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass es nicht reicht. Umso grösser ist jetzt die Freude über die Qualifikation!

Salome Schranzer: Das war ein grosses Abenteuer! Wir haben in unserer Firma ein neues Programm für CAD-CNC, das „TopSolid“. Manchmal hat es noch nicht richtig funktioniert, also musste ich mich gleichzeitig auf mich, die Aufgaben und das System konzentrieren. Das war eine Herausforderung und öfter war Improvisation gefragt. Ich war mir gar nicht sicher, ob ich die Qualifikation schaffe, aber ich wusste, dass ich im theoretischen Teil stark bin. Die Tage waren lang und anstrengend, dennoch habe ich die Qualifikation genossen und bin froh, dass es geklappt hat.

Was fasziniert Sie am Beruf „Polymechanikerin EFZ“?

N. Briggeler: Aus Rohmaterial wird ein fertiges Teil, das ist befriedigend und fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Du kannst Teile herstellen, die im Alltag gebraucht werden. Jeden Tag ein anderes Teil oder ein anderes Projekt. Kommt hinzu, dass du mit den neuesten Maschinen und Programmen arbeiten kannst. Ich finde den Beruf der Polymechanikerin sehr faszinierend, da ich mich schon immer für Technik interessiert habe.

S. Schranzer: Am meisten fasziniert mich, dass am Ende ein fertiges Teil entsteht. Man hat etwas in den Händen. Technische Berufe haben mich von Anfang interessiert, vor allem die grossen Kräfte, die in den Maschinen wirken. Schon als Kind habe ich mit meinem Bruder mit Lego gespielt und in der Werkstatt meines Vaters mit Holz gearbeitet oder an meinen Fahrrädern hantiert. Kommt hinzu, dass ich die Mathematik sehr gerne mag.

Nach wie vor ist der Anteil an Frauen in den MEM-Berufen sehr tief. Sind die MEM-Berufe zu wenig attraktiv für Frauen?

N. Briggeler: Ich denke da haben die Schulen und die Eltern enormen Einfluss. Man denkt zu wenig daran, dass Frauen ebenso Freude an Technik haben können. In der Berufswahl spricht man dann eben von den klassischen Frauenberufen. Der Schlüssel zu mehr Frauen in den MEM-Berufen ist das Schnuppern. Erst kürzlich waren zwei junge Frauen bei mir zu Besuch und haben sich jetzt für einen MEM-Beruf entschieden. Auch ich bin übers Schnuppern drauf gestossen. Deshalb sind Anlässe wie die SwissSkills sehr wichtig, da kann man vor Ort zuschauen und viel über unsere Berufe erfahren.

S. Schranzer: Grundsätzlich nicht. Es braucht natürlich ein Interesse an der Technik. Wenn dieses vorhanden ist, dann sind die MEM-Berufe sehr interessant für Frauen. Ich denke viele Frauen haben Respekt vor dem Umstand, dass es sich um eine Männerdomäne handelt. Das ist aber kein Problem. Wichtig scheint mir auch die Werbung speziell für Frauen. Bei uns im Betrieb haben wir die Werbung verstärkt, mit dem Resultat, dass mehr Frauen einen MEM-Beruf gewählt haben.

Frauen in MEM-Berufen sind an Berufsmeisterschaften leider ein seltenes Bild. Was für Reaktionen haben Sie erhalten?

N. Briggeler: Ich habe sehr viele Gratulationen erhalten. Die Leute freuen sich für mich und sind stolz, dass ich es unter die Besten geschafft habe. Es ist sehr gut, dass sich Frauen vermehrt in den MEM-Berufen etablieren, das zeigen auch die positiven Reaktionen.

S. Schranzer: Begeisterung und Erstaunen! Vielfach kam die Frage: «Bist du denn so gut?». Meine Antwort: «Ja, es scheint so» (lacht). Auch jene Bekannte, die in technischen Berufen tätig sind, haben mit Verwunderung reagiert. Alle sind begeistert, dass ich es geschafft habe. Das freut mich sehr.

Sie beide sind hervorragende Botschafterinnen für die MEM-Berufe. Was sagen Sie jungen Frauen, die sich für Technik interessieren?

N. Briggeler: Wenn das Interesse für technische Berufe vorhanden ist, dann sollte man unbedingt in einem Betrieb ein paar Schnupper-Tage machen. Eine Polymechanikerin oder ein Polymechaniker verfügt über einen abwechslungsreichen Beruf, jeden Tag kann man neue und andere Teile herstellen und viel dazu lernen. Ich würde den Frauen empfehlen, in der Berufswahl auch die technischen Berufe gut zu studieren. Es lohnt sich.

S. Schranzer: Wenn das technische Interesse da ist, dann sollte man sich als Frau unbedingt mit den MEM-Berufen beschäftigen. Gerade der Beruf der Polymechanikerin EFZ ist sehr vielseitig. Jeden Tag kann man ein anderes Teil fertigen. Man lernt vieles kennen und arbeitet mit Maschinen, Computern und Menschen. Es ist auch eine Bereicherung für die persönliche Entwicklung. Eine Berufslehre stärkt den Charakter, nicht zuletzt, weil man lernt sich durchzusetzen und ein Ziel zu erreichen.

Was erhoffen Sie sich an den SwissSkills?

N. Briggeler: Für mich steht die Erfahrung im Vordergrund. Ich freue mich darauf, die anderen wieder zu treffen und gemeinsam tolle Tage zu erleben. Schon in der Vorbereitung auf die SwissSkills lerne ich sehr viel. Am Wettkampf selber bin ich gespannt, wie es ist, mit dem zusätzlichen Zeitstress umzugehen. Mal sehen, welchen Rang ich schaffen kann, ich gebe auf jeden Fall mein Bestes!

S. Schranzer: Ich habe ein gutes Gefühl. Es ist die nächste grosse Herausforderung. Ich freue mich interessante Menschen zu treffen und wieder dazuzulernen. Nervös bin ich im Moment nicht, vielleicht kommt das noch. Und eines ist klar: Ich will gewinnen! Es wäre genial an den WorldSkills in Brasilien dabei zu sein. Ich werde alles geben. <<

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