Swissmem-Symposium

MEM-Industrie gefordert

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Neuer Prozess: Umformenstatt Fräsen

Ein eindrückliches Beispiel, wie beispielsweise der Produktionsablauf geändert werden kann, zeigte ein Beispiel einer Getriebe-Hohlwellenfertigung für Automobilgetriebe auf. Die werden standardmässig gedreht, gebohrt, gedreht, wälzgefräst, gehärtet und schliesslich einer Hartfeinbearbeitung unterzogen.

Völlig neu und bereits im industriellen Einsatz bei einem deutschen Getriebehersteller ist folgendes Fertigungsverfahren: Kombination Bohrungsdrücken und Drehen, anschliessend folgt eine Kombination aus Verzahnungswalzen und Drehen und schliesslich Härten und die Hartfeinbearbeitung. Bei letzterem sieht Prof. Reimund Neugebauer weiteres Potential: aktuell sei man daran zu forschen, das Härteverfahren durch Oberflächenwalzen zu substituieren.

Der ursprüngliche Wälzfräsvorgang wurde somit vollumfänglich substituiert. Aufgrund des neuen Verfahrens kommen bis zu 30 % weniger Rohmaterial zum Einsatz, das Verfahren bringt eine höhere Tragfähigkeit (bis 20 %) aufgrund der durch Umformen erzeugten Mikrostrukturen (Faserverlauf) im Werkstoff. Damit ein solches Verfahren aber Anwendung findet, muss man das Unmögliche denken und sich immer wieder mit verfahrensfremden Technologien auseinandersetzen und Bestehendes – auch wenn es Stand der Technik ist – in Frage stellen. Bei der VW-Getriebeherstellung in D-Kassel ist die Wälz-Umformung von Getriebehohlwellen bereits Realität.

Die Zukunft

Als Fazit heisst das für die Schweizer MEM-Unternehmen, dass sie faktisch in allen Bereichen ihre Effizienz steigern müssen, um in Zukunft ihr Überleben zu sichern. Der starke Schweizer Franken zwingt die meisten Unternehmen zum Handeln. Ob dies als Belastung und/oder aber als Effizienztreiber wahrgenommen wird, hängt individuell von den einzelnen Unternehmen ab und wie sie auf die angespannte Situation konkret reagieren können und wollen. In einigen Jahren wird sich letztlich zeigen, ob der starke Schweizer Franken das Beste ist, was der Schweizer Industrie passieren kann. Das 10. Swissmem-Symposium bot auf jeden Fall einen ausgezeichneten Rahmen, sich über die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft zu informieren und darüber die Möglichkeit, sein Netzwerk weiter auszubauen dank hervorragender Besucherstruktur un ausgezeichneter Referenten. <<

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