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Finite-Elemente-Analysen
Neben Gurit-spezifischen Inhouse-Tools zur Berechnung der Konstruktion setzt das Unternehmen vor allem bei komplexen Details auf die Finite-Elemente-Analyse: Bei der Infiniti 100S ruht der Mast auf Deck und wird dort nicht wie sonst oft üblich durch eine Säule oder ein Querschott im Rumpf-Innern abgestützt. Solche Statikaufgaben können mit FEA-Design-Software elegant gelöst werden. Für die Infiniti 100S verwendet Gurit derzeit «HyperWorks» von Altair Engineering.
Mit in die Berechnungen floss nicht zuletzt auch der von der Werft zu realisierende Herstellungsprozess ein. Alex Shimell, Marine Consultancy Director von Gurit (UK), erklärt: «Die Konstruktionsidee basiert auf einer recht dicken Schale aus Strukturschaumstoff-Sandwich-Material. Damit kann der Innenraum konstruktiv entschlackt werden, so dass dem kreativen Innenausbau kaum Hürden in den Weg gelegt wurden. Gleichzeitig führt das Sandwich-Material der Schale zu einem inhärenten Schallschutz des Bootes, was den Komfort an Bord steigert. Ein weiterer Vorteil liegt im vergleichsweise schnellen Bauprozess. Gurit hat eng mit Danish Yachts zusammengearbeitet, um das Baukonzept im Detail auszuarbeiten und die geeignetsten Materialien zu spezifizieren. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Vorgaben bezüglich Gewicht und Statik jederzeit eingehalten werden und der Produktionsprozess möglichst einfach und zeitsparend gestaltet wird. Eng eingebunden in diesen Prozess sind Design Unlimited für den Innenausbau und Hugh Welbourn für alle DSS-Aspekte der neuen Infiniti 100S».
Umfassendes Materialprogramm
Für den Bau der Schale hat Gurit eine Kombination aus Karbonfaser-«Prepreg» (Preimpregnated Fibres) und «Sprint»-Materialien (siehe kleiner Kasten) einerseits sowie «Corecell-M»-Strukturschaumstoff vorgeschlagen. Die Kohlefaser-Prepregs und die Sprint-Materialien garantieren die leichtestmögliche Bauweise bei maximaler Festigkeit und Steifigkeit. Im Gegensatz zu normalen Carbon-Prepregs, also mit vorkatalysierten Harzen getränkte Karbonfaser-Flächengebilden, welche bedingt durch das Harz auf beiden Seiten etwas feucht und damit klebrig sind, zeichnen sich die Sprint-Materialien von Gurit dadurch aus, dass die Aussenseiten der Materiallagen aus trockenen Fasern bestehen, welche die Harzschicht umschliessen. Dadurch lassen sich Sprint-Lagen mühelos in einer Form auslegen, verschieben und präziser positionieren.
Die Kombination von normalen Prepreg-Lagen und Sprint beschleunigt zudem den Bauprozess entscheidend, da die zwischen den Lagen eingeschlossene Luft dank der trockenen Sprint-Oberfläche im Vakuumsack-Verfahren viel besser herausgesogen werden kann und so dickere Laminatstrukturen in einem einzigen Arbeitsgang möglich werden. Ein weiterer Vorteil von Sprint liegt darin, dass die zur dauerhaften Verbindung zwischen Sprint-Lagen und Strukturkernen nötigen Klebersysteme direkt schon im Sprint-Material enthalten sind. Dadurch wird nochmals ein sonst notwendiger Arbeitsschritt durch die geschickte Materialwahl eliminiert. Corecell-M wurde vor allem wegen seiner Schlagzähigkeit gewählt und vor allem dort verbaut, wo Wellen- und Wasserkräfte auf die Schale schlagen. Auch der Kiel, die Ruderblätter und die DSS-Flügel werden aus Carbon-Verbundwerkstoff hergestellt.
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