Welche Chancen bietet das Jahr 2023 für die Schweizer Industrie? Darüber sprachen wir zum Jahreswechsel mit ausgewählten Führungskräften. Für die Trumpf Schweiz AG erläutert Geschäftsführer Andreas Conzelmann, wie ein stark auf den Export ausgerichteter Schweizer Hersteller in einem volatilen Umfeld agiert.
Dem Mangel an Fachkräften begegnen: Die vollständig automatisierte Laserschneidanlage TruLaser Center 7030.
(Bild: paolovaccariello.com)
SMM: Mit welchen Erwartungen starten Sie ins neue Jahr 2023?
Andreas Conzelmann: Wir haben zuletzt zwei sehr intensive, herausfordernde, aber auch sehr erfolgreiche Jahre erlebt. Die Krisen Covid-19, Supply Chain, Ukraine und Energie folgten übergangslos aufeinander. Dass mein Team in der Schweiz trotzdem im letzten Jahr ein Wachstum von fast 20 Prozent realisieren konnte, war eine starke Leistung. Ich blicke mit einer differenzierten Erwartung in das neue Jahr 2023. Sicherlich werden die Inflation und das gebremste Wirtschaftswachstum in einigen Segmenten zu rückläufigem Umsatz führen. Trotzdem haben wir derzeit volle Auftragsbücher und beobachten, dass viele unserer Kunden Reshoring machen oder davon profitieren. Lieferketten werden nachhaltiger und resilienter gestaltet – das ist eine grosse Chance für den Denk- und Werkplatz Schweiz.
Welche wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen betrachten Sie als entscheidend für den geschäftlichen Erfolg in 2023?
A. Conzelmann: Geopolitisch werden der Ukrainekrieg und ein möglicher Konflikt um Taiwan sicherlich die wichtigsten Faktoren sein, und ich wünsche mir, dass der unmenschliche Krieg in der Ukraine möglichst bald ein gutes Ende findet. Die aus meiner Sicht wichtigsten wirtschaftlichen Einflussfaktoren sind die weitere Entwicklung der Inflation und die Zinsentwicklung sowie die Situation innerhalb der Supply Chain, also die Materialengpässe. Wir arbeiten eng mit unseren Lieferanten zusammen, um die derzeit langen Lieferzeiten wieder auf das normale Mass zurückschrauben, was je nach Produkt zwischen einigen Tagen und vier Monaten liegt.
Wie agieren Sie betriebswirtschaftlich unter den nach wie vor unsicheren Bedingungen? Welche Investitionen planen Sie, zum Beispiel in Betriebsstätten, Personal und Produktentwicklung?
A. Conzelmann: Sowohl die Trumpf-Gruppe als auch die Trumpf Schweiz AG haben während der letzten Jahrzehnte viel Erfahrung mit unsicheren Bedingungen gesammelt, und wir haben aus jeder Krise unsere Lehren gezogen. Als Familienunternehmen agieren wir mit einem langfristigen und nachhaltigen Mindset und handeln – sofern notwendig – trotzdem flexibel und schnell. Unsere Teams im Bereich Operations verfügen über eine hohe Flexibilität, das heisst, wir können einen grösseren Anstieg und auch einen Rückgang in der Regel gut abbilden. Aufgrund des Wachstums haben wir in den letzten Wochen etwa 50 neue Stellen geschaffen, ungefähr ein Viertel davon durch Lehrabgänger. Ich bin überzeugt, dass unsere Investitionen in die Ausbildung richtig und wichtig für die Zukunft sind.
Welche technischen Innovationen werden Sie im Jahr 2023 angehen und verwirklichen?
A. Conzelmann: Wir führen die bereits begonnenen Themen im Bereich R&D weiter und sehen die Themen Automatisierung, vernetzte Produktionsanlagen und das Anbieten von Lösungen für die Prozessketten unserer Kunden als Zukunftsthemen. Laser und Maschinen, welche einen hohen Autonomiegrad aufweisen, helfen unseren Kunden, den Mangel an Fachkräften zu kompensieren. Wir arbeiten ausserdem an Themen, welche den Energie- und Materialbedarf unserer Kunden senken. So bieten wir einen Eco-Kühler an, welcher ausschliesslich mit Wasser als Kühlmittel arbeitet, also kein Kältemittel mehr benötigt.
Für die Schweizer Industrie ist vor allem der Export entscheidend. Welche Regionen bewerten Sie international als ausbaufähig?
A. Conzelmann: Das ist richtig – wir exportieren über 80 Prozent unserer Produkte, welche wir in der Schweiz montieren. Das Decoupling, welches sich derzeit noch stärker akzentuiert, bietet einerseits Risiken – andererseits auch Chancen. Ich erwarte deshalb in den nächsten Jahren sowohl in der Region Südostasien, aber auch in Osteuropa ein überproportionales Wachstum. Durch die internationale Aufstellung von Trumpf und die Präsenz in über 70 Ländern können wir unsere international agierenden Kunden überall auf der Welt sehr gut unterstützen und sind dabei, Kapazität dort aufzubauen, wo sie von unseren Kunden benötigt wird.
In welchen Branchen werden Sie mit Ihrem Produktportfolio speziell im Jahr 2023 besonders aktiv agieren?
A. Conzelmann: Wir sind durch die breite Produktpalette aus den verschiedenen Geschäftsbereichen in sehr vielen Branchen präsent. Besonders aktiv mit Lasermarkiersystemen sind wir in den Branchen Medtech und Uhren. In beiden Branchen hat sich für viele Anwendungen der Ultrakurzpulslaser als grosser Vorteil erwiesen. Wir können durch die Lasertechnologie Vorteile innerhalb der Prozesskette unserer Kunden generieren, wie beispielsweise den Verzicht auf Ätzprozesse. Weitere Wachstumsfelder, welche wir stark adressieren, sind Smart-Factory-Lösungen
Herr Conzelmann, vielen Dank für diese Informationen. SMM
(ID:48972219)
Stand vom 30.10.2020
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