Interview: Ivan Muri, CEO GIS AG «Nur wer investiert und optimiert, bleibt am Ball»

Autor: Silvano Böni

Seit mehr als 50 Jahren werden bei GIS Elektrokettenzüge entwickelt und gefertigt. Der SMM sprach mit CEO Ivan Muri, was sich in dieser Zeit alles ­verändert hat und wie das Unternehmen heute aufgestellt ist. Ausserdem äussert er sich über die Auswirkungen des starken Frankens und was den Werkplatz Schweiz so besonders macht.

Firmen zum Thema

«Der Weg über eine Lehre bildet die perfekte Basis für den Einstieg in die Berufswelt.» Ivan Muri (links) über die Ausbildung in der Schweiz. Rechts neben ihm Verkaufs- und Marketingleiter Erich Widmer.
«Der Weg über eine Lehre bildet die perfekte Basis für den Einstieg in die Berufswelt.» Ivan Muri (links) über die Ausbildung in der Schweiz. Rechts neben ihm Verkaufs- und Marketingleiter Erich Widmer.
(Bild: GIS)

SMM: Vor mehr als 50 Jahren brachte GIS den ersten Kettenzug auf den Markt. Wie hat sich das Unternehmen in diesem halben Jahrhundert verändert?

Ivan Muri: Als typisches KMU hier im Werkplatz Schweiz mussten wir über die Jahre hinweg immer dafür besorgt sein, dass wir die Selbstkosten senken können, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ständige Optimierungen, sei es im Einkauf oder der Produktion, beispielsweise durch eine automatisierte Fertigung, sind Pflicht. In einem Land, in dem die Lohnkosten so hoch sind wie hier, muss man technologisch immer auf dem neusten Stand sein, ansonsten verliert man den Anschluss. Aus diesem Grund haben wir im vergangenen Jahr wieder eine Million Franken in eine speziell auf unsere Anforderungen zugeschnittene, vollautomatische Fertigungsanlage investiert.

Der Kettenzug ist Ihr Kernprodukt, mittlerweile steht die vierte Generation in den Startlöchern …

I. Muri: Genau, sie steht in den Startlöchern. Aufgrund der Frankenstärke mussten wir die für 2015 geplanten externen Investitionen leider zurückstellen. Wir haben viele neue Ideen in das neue Modell implementiert; dieses ist modular aufgebaut und wir erreichen eine vierfache Lebensdauer zur Vorgängervariante. Durch die verschieden technischen Verbesserungen sind die Herstellungskosten noch nicht auf dem vom Markt geforderten Niveau, dieser akzeptiert momentan keinen Preisaufschlag. Intern bleibt das Projekt trotzdem an vorderster Front,die Entwicklungsarbeiten laufen unter Hochdruck weiter. Dennoch ist es sehr schade, dass wir nicht wie geplant mit der neuen Generation durchstarten können.

Bildergalerie

In unserem Sonderheft steht der Werkplatz Schweiz im Fokus. Wo sehen Sie die besonderen Stärken von diesem?

I. Muri: Ein ganz wichtiger Punkt ist sicherlich das politische und wirtschaftliche stabile Umfeld im Vergleich zu anderen Ländern. Was ich zudem persönlich sehr schätze sind die besonders loyalen Mitarbeiter. Gerade hier im ländlichen Gebiet ist das sehr ausgeprägt. Wir haben Mitarbeiter, die seit 40 Jahren bei uns arbeiten. Diese Erfahrung ist unbezahlbar. Ein weiterer grosser Pluspunkt ist die gute Grundausbildung der Fachkräfte, selbständiges Arbeiten wird hier früh gefordert und gefördert.

Sie erwähnten die gute Grundausbildung. Wie sieht es bei der Firma GIS mit der Lehrlingsausbildung aus?

I. Muri: Wir sind 98 Mitarbeiter hier in Schötz und davon sind 18 Lehrlinge. Hauptsächlich bilden wir Polymechaniker aus. Praktisch alles, was wir intern benötigen an Werkzeugen und Vorrichtungen, wird von diesen hergestellt.

Die Lehrlingssuche gestaltet sich immer wie schwieriger. Der Mechaniker oder Handwerker hat nicht mehr das gleiche Ansehen wie früher. Finden Sie noch genügend geeignete Jugendliche?

I. Muri: Die Suche gestaltet sich wirklich immer schwieriger, obwohl wir bis anhin immer alle Stellen besetzen konnten. Die Jugendlichen werden von den Eltern angehalten, an eine Kantonsschule oder Gymnasium zu gehen. Viele möchten auch lieber auf einem Bürostuhl Platz nehmen und gleich das grosse Geld verdienen anstatt sich die Finger schmutzig zu machen. Dabei bildet der Weg über eine Lehre mit unserem dualen Bildungssystem eigentlich eine perfekte Basis für den erfolgreichen Einstieg in die Berufswelt.

Die neue Generation Ihrer Kettenzüge musste wie erwähnt zurückgestellt werden. Welche Auswirkungen hat der aufgegebene Mindestkurs der SNB noch für Ihr Unternehmen?

I. Muri: In erster Linie bedeutet es einen herben Margenverlust, da unser Exportanteil sehr hoch ist. Um das Mass an Auftragsverlusten im Ausland in Grenzen zu halten, mussten wir kurzfristig für verschiedene Exportkunden, die in Schweizer Franken einkaufen, einen Sonderwährungsrabatt einführen. Auch im Schweizer Markt sind die direkten Auswirkungen deutlich zu spüren. Wenn Mitbewerber in laufenden Projekten plötzlich zusätzlich 15 bis 20 Prozent Rabatt geben, können wir nicht mithalten. Das ist für uns aktuell eine grosse Herausforderung. Einen moderaten Zusatzrabatt können wir teilweise gewähren, den Rest muss man mit Überzeugung für das eigene Produkt verkaufen. Mittelfristig müssen wir ausserdem versuchen, unsere Fixkosten noch weiter zu senken, beispielsweise durch neue Produktionssysteme, welche die Fertigungszeiten weiter reduzieren.

(ID:43215634)

Über den Autor

 Silvano Böni

Silvano Böni

Stv. Chefredaktor, Vogel Communications Group AG