Vernetzte Fertigungsstrasse Pamatool: Projekt Zukunft

Redakteur: Matthias Böhm

Die Geschäftsführung der Pamatool AG präsentierte Technologiepartnern, Kunden und der SMM-Redaktion ein Fertigungsprojekt der Zukunft. Geplant wird eine vernetzte Fertigungsstrasse mit zwei Bearbeitungszentren für die mannlose Kleinserien- und Einzelteilherstellung, Werkstückvermessung inklusive. Möglich gemacht hat dies eine vorbildliche Zusammenarbeit mehrerer fertigungstechnischer Technologieführer.

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Die Köpfe hinter dem Fertigungsprojekt der Zukunft: In nur knapp neun Monaten entstand von der ersten Idee die konkrete Projektierung des Fertigungsprojekts bei der Pamatool AG. Im Frühjahr soll die Produktion anlaufen.
Die Köpfe hinter dem Fertigungsprojekt der Zukunft: In nur knapp neun Monaten entstand von der ersten Idee die konkrete Projektierung des Fertigungsprojekts bei der Pamatool AG. Im Frühjahr soll die Produktion anlaufen.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Albert Duhanaj (Geschäftsführer Krefatec Solutions AG) und René Baumann (Geschäftsführer Pamatool AG) wollen den Werkplatz Schweiz zukunftsfähig machen. Krefatec und Pamatool gehören zu einer Firmengruppe, die u. a. als Fertigungs­unternehmen für Energietechnik, Fertigungsspanntechnik und im Bereich anspruchsvoller Zulieferkomponenten tätig ist. Kennzeichnend für die Unternehmensgruppe ist, dass sie kleine Losgrössen mit hoher Varianz fertigt. Nicht zuletzt aus diesem Grund setzen die neuen Inhaber, A. Duhanaj und R. Baumann, auf eine hochautomatisierte und flexible Fertigungsstrasse der besonderen Art.

Wasserkraft – Spannsysteme – Zuliefertechnik

Pamatool verfügt über Kompetenzen im Bereich der Wasserkraft, arbeitet hier eng mit Andriz Hydro zusammen. Darüber hinaus ist die Unternehmensgruppe im Bereich der Komponentenfertigung tätig. Zudem hat sich das Unternehmen im Bereich der Werkstück-Spanntechnik einen Namen gemacht. Pamatool konzipiert, entwickelt und produziert Präzisionsspannsysteme für die automatisierte Fertigung.

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Auf das neue Projekt angesprochen betont A. Duhanaj, dass sie mit der geplanten Fertigungsanlage einen Meilenstein setzen wollen, der aufzeigt, dass es am Standort Schweiz dank seiner gebündelten Kompetenz möglich ist, eine Fertigungsstrategie zu entwickeln, die technologisch und wirtschaftlich Weltspitze ist.

Unter Federführung des Automations- und Softwarespezialisten Fastems wurde eine autarke Fertigungsanlage auf das divergierende Bauteilspektrum hin entwickelt, die in der Lage ist, bis zu 8000 von 8750 Spindelstunden pro Jahr zu produzieren. Folgende Unternehmen sind am Projekt u. a. beteiligt:

  • Fastems (Automatisierung und Softwarelead)
  • GF Machining Solutions (Werkzeugmaschinen)
  • Big Kaiser (CNC-integrierte Ausdrehwerkzeuge)
  • Lista (Werkstück- und Werkzeugspeicher)
  • Wenzel (Messtechnik und Messsoftware)

Lead liegt bei Fastems

Der Automatisierungsspezialist Fastems ist für die gesamte Projektplanung und für die Vernetzung der verschiedenen Systeme verantwortlich, hierzu gehören u. a.: zwei Werkzeugmaschinen, Messmaschine, Werkzeugvoreinstellung, Werkstück- und Werkzeugspeicher. Über ein Fastems-­FMS-System werden die Bauteile über Paletten-Systeme zu den entsprechenden Bearbeitungsstationen geführt und abgeführt.

Bei den Werkzeugmaschinen handelt es sich um zwei Mikron Mill P800U mit Siemens-Steuerung. Dass GF Machining Solutions neu auf Siemens-Steuerungen setzt, läge laut Thomas Wengi (Managing Director, GF Machining Solutions) nicht zuletzt daran, dass die Steuerung sich hervorragend in das Software- und Steuerungskonzept des Gesamtsystems einfügt. Die Mikron Mill P800U kann aufgrund ihrer hervorragenden Zugänglichkeit sowohl von vorne als auch hinten mit Werkstücken beladen werden, das war ein Riesenvorteil bei diesem Projekt.

Stichwort Software: Hier wies der Messtechnikhersteller Wenzel darauf hin, dass die Messtechniksoftware zu 100 % Swissmade ist. Ein autarkes Messsystem in eine mannlose Fertigung zu integrieren, sei hoch anspruchsvoll. Apropos Swissmade: Die mit über 30 Mitarbeitern in Chur sitzende Wenzel Metromec AG gehört zur Wenzel-Gruppe. Das Unternehmen Lista integriert ein Lagerliftsystem in die Gesamtanlage, in dem sowohl Werkstücke als auch Werkzeuge gespeichert werden können.

Mit entscheidend für die mannlose Fertigung sind in diesem Fall auch intelligente Werkzeuge. Stellvertretend stand hier Big Kaiser Pate, die zudem Technologieführer im Bereich von CNC-gesteuerten Ausdrehwerkzeugen sind, wie Reto Adam (CEO, Big Kaiser AG) betont. Gerade wenn es darum geht, unterschiedlichste Passungsbohrungen flexibel auszudrehen, sind CNC-gesteuerte Ausdrehwerkzeuge absolut zwingend, ergänzt Stefan Appenzeller (Verkaufsleiter DACH, Big Kaiser AG).

Abschliessend, sagt René Baumann, sei es entscheidend, dass die Anlage komplett fertig bearbeitete Werkstücke produziert, Messprotokoll inklusive. Das sei aufgrund des diversifizierten Bauteilspektrums, den kleinen Losgrössen und den hohen Anforderungen an die Präzision und Termintreue eine enorme Herausforderung.

Albert Duhanaj ist der Überzeugung, dass mit diesem Projekt eindrücklich aufgezeigt würde, dass in der Schweiz die besten Voraussetzungen vorhanden seien, um mit hochautomatisierten Fertigungssystemen eine flexible wirtschaftliche Fertigung zu entwickeln. Im Frühjahr 2021 wird die geplante Fertigungsstrasse ihre Produktion aufnehmen. Der SMM wird zeitnah über das Projekt der Zukunft berichten. SMM

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