Schluss mit Umspannen

PL Lehmann: Lohnfertiger verbessert BAZ-Produktivität durch zweiachsigen CNC-Drehtisch

| Redakteur: Matthias Böhm

Macht aus einem dreiachsigen Bearbeitungszentrum eine produktive 5-Achs-Maschine: der Zweiachsen-Drehtisch des Typs T1-510520.RR varioX von PL Lehmann.
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Macht aus einem dreiachsigen Bearbeitungszentrum eine produktive 5-Achs-Maschine: der Zweiachsen-Drehtisch des Typs T1-510520.RR varioX von PL Lehmann. (Bild: pL Lehmann)

>> Schon lange war es dem CNC-Lohnfertiger Andermatt ein Dorn im Auge, Bauteile für die 5-Seiten-Bearbeitung mehrmals umspannen zu müssen. So entschieden sich die Verantwortlichen beim letzten Maschinenkauf, zusätzlich in einen Zweiachsen-Drehtisch des Typs 'T1-510520.RR varioX' von PL Lehmann zu investieren. Eine Investition mit Perspektiven, wie die bisherigen Erfahrungen gezeigt haben.

Die Andermatt Feinmechanik GmbH im Schweizer Ort Rümlang bei Zürich ist ein reiner Lohnfertigungsbetrieb mit den Kernkompetenzen CNC-Fräsen und CNC-Drehen inklusive Oberflächenbehandlung. Geschäftsführer Marco Andermatt betont: «Wir liefern unseren Kunden einbaufertige Präzisionsteile – flexibel, zuverlässig und zu fairen Konditionen.»

Am Morgen bestellt – nachmittags geliefert

Diese drei Eigenschaften helfen dem kleinen, neun Mitarbeiter starken Unternehmen, sich vom Wettbewerb abzuheben. Marco Andermatt betont: «Es gibt in unserem Umfeld viele Dienstleister für CNC-Bearbeitungen. Doch durch unsere Verlässlichkeit und Qualität konnten wir einen Kundenstamm gewinnen, der stetig wächst.»

Andermatt pflegt seine Kunden aber auch auf andere Weise. So ist das Unternehmen beispielsweise bereit, in Notfällen «Feuerwehrdienste» auszuführen: Es kommt vor, dass der Kunde am Morgen bestellt und schon nachmittags die Teile ins Haus geliefert bekommt. Um derart flexibel agieren zu können, hat Marco Andermatt Vorsorge getroffen. Zum einen achtet er darauf, dass seine Mitarbeiter qualifiziert und die Werkzeugmaschinen Stand der Technik sind. Zum anderen hat er entgegen dem allgemeinen Trend ein kleines Materiallager aufgebaut.

Vom Einzelteil bis etwa 1000 Stück

«Das erlaubt uns in Ausnahmesituationen eine sehr schnelle Reaktion», argumentiert der Geschäftsführer. «Zumal unsere Stärke ganz klar im Bereich von Kleinserien liegt. Vom Einzelteil bis etwa 1000 Stück können wir preislich gute Angebote machen.» Häufig handelt es sich um Teile für den Maschinen- und Fahrzeugbau, für die Druck- und optische Industrie, aber auch für Forschung und Raumfahrt.

Gedreht wird in Rümlang am liebsten ab Stange. Die vorhandenen CNC-Maschinen erlauben dies bis zu einem Durchmesser von 65 mm. Futterteile können bis 250 mm bearbeitet werden.

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Neues Bearbeitungszentrum erweitert die Möglichkeiten

Auch beim Fräsen konzentriert sich der Lohnfertiger eher auf Kleinteile. Wobei Marco Andermatt sein Spektrum mit Blick auf einen wichtigen Kunden aus der Druckindustrie erst vor kurzem erweitert hat. Er erklärt: «Für dieses Unternehmen bearbeiten wir Aluminiumplatten bis zu einer Länge von etwa 900 mm, aus denen wir Elemente für digitale Druckköpfe herstellen. Während wir dabei anfangs etwas tricksen und manche Teile auf zwei Mal fräsen mussten, sind wir seit August letzten Jahres mit einem AWEA-Bearbeitungszentrum AF 1250, das einen X-Weg von 1250 mm bietet, gut gerüstet.»

Der Maschinenkauf entstand aus aktuellem Bedarf und glücklichem Zufall. Denn gerade als die Entscheidung zu einer solchen Investition zu reifen begann, kam der Vertreter von MATO CNC-Maschinen nach Rümlang und konnte ein entsprechendes Angebot machen, erinnert sich Marco Andermatt: «Wir kennen uns schon seit längerem und aufgrund der bisherigen Zusammenarbeit herrscht ein solides Vertrauensverhältnis. Er empfahl uns diese AWEA-Maschine, die auslieferbereit war. Ich habe Anfang August den Kaufvertrag unterschrieben, und Ende des Monats stand die Maschine betriebsbereit hier.»

Selbstverständlich hatte sich Marco Andermatt noch anderweitig über den taiwanesischen Maschinenhersteller informiert. Die positiven Rückmeldungen über Maschinenleistung und Service bestärkten ihn in seiner Entscheidung.

Lehmann-Drehtisch als ideale Ergänzung

Um die Flexibilität und Leistungsfähigkeit der AWEA AF 1250 noch weiter zu erhöhen – die von einer Fanuc-CNC 18i-MB gesteuert wird –, liess der Firmenchef die dreiachsige Fräsmaschine mit einem zweiachsigen Lehmann-Drehtisch T1-510520.RR varioX zu einem fünfachsigen Bearbeitungszentrum aufrüsten.

Bislang war Andermatt vorwiegend auf dreiachsige Bearbeitung eingestellt. Lediglich eine 1999 gekaufte Fräsmaschine ist mit zusätzlicher vierter Achse ausgestattet, einem Lehmann-Teilapparat der Serie 400. «Wir wären in der Vergangenheit schon oft froh gewesen, wenn auf der Maschine nicht nur diese zusätzliche Drehachse, sondern auch noch eine Schwenkachse verfügbar gewesen wäre. Daher war für mich klar: Wenn ich in eine neue Maschine investiere, kommt eine solche vierte/fünfte Achse dazu», erklärt der Geschäftsführer.

Schweizer «Nonplusultra-Drehtische»

Zum Kaufzeitpunkt gab es für fünfachsige Bearbeitung zwar keinen aktuellen Bedarf, aber genügend Perspektiven. So stellt Andermatt immer wieder Teile her, bei denen die 5-Seiten-Bearbeitung in einer Aufspannung grosse Vorteile bietet, zum Beispiel Elemente von Nutzlastverkleidungen für Satelliten. «Diese Bauteile mussten früher bis zu siebenmal eingespannt werden, bis sie komplett bearbeitet waren. Heute fräsen und bohren wir fünfseitig in einer Aufspannung», argumentiert Marco Andermatt.

«Dann kommt nur noch die Bearbeitung der sechsten Seite hinzu. Das spart eminent viel Zeit, und die Qualität ist deutlich besser, vor allem an den Übergängen.» Bei der Wahl des Anbieters brauchte er nicht lange zu überlegen: «Die Lehmann-Produkte sind für mich das Nonplusultra bei den Drehtischen. Die hohe Qualität und den guten Service durften wir schon bei unserer ersten Zusatzachse erfahren, die uns immerhin bereits 15 Jahre gute Dienste leistet. Daher wollten wir uns keine Experimente leisten.»

Funktionelles Design auf kleinem Bauraum

Bei der Konfiguration des Drehtisches stand dann der Vertreter von MATO CNC-Maschinen zur Seite, der sowohl die Awea-Maschine als auch das Lehmann-Portfolio und die Aufgabenstellung bei Andermatt genau kannte. Er empfahl die Ausführung T1-510520.RR varioX.

T1 steht für einen schwenkbaren, zweiachsigen, einspindligen, CNC-gesteuerten Drehtisch mit Gegenlager, der sich ideal zur Bearbeitung kleiner bis mittelgrosser Werkstücke (bis Kubus ca. 500 mm) eignet. Die Zahlen 510 und 520 bezeichnen die Grösse der jeweiligen Achsausführungen, und der Zusatz RR bedeutet, dass der Antrieb jeweils rechts sitzt; varioX gibt schliesslich an, dass die Spindelebene in der Höhe verstellbar ist und ein Distanzstück für grössere Werkstückdurchmesser eingefügt werden kann.

Die technischen Spezifikationen

Wer die Leistungsfähigkeit des Zweiachsen-Drehtischs T1-510520.RR varioX genauer beurteilen will, kann einen Blick auf die wichtigsten technischen Daten werfen: Spitzenhöhe 270 mm, Gewicht 136 kg, max. Spindellast 133 kg (0°…–30°) und 89 kg (–30°…–90°), max. Klemmmoment 4. Achse 800 Nm und 5. Achse 2600 Nm, Axialkraft 4. Achse 20 kN, Massenträgheitsmoment 4. Achse 0,2 kg m2 (bei Standardlast mit Katalog-Antriebsdaten) und 7 kg m2 (max. Last mit reduzierten Antriebsdaten).

Das neue Design der Serie 500 – weitgehend ohne störende Kanten und Ecken – gefiel auch Marco Andermatt: «Man sieht dem Lehmann-Drehtisch seine Qualität an. Besonders überzeugend ist die kompakte Bauweise, die es uns ermöglicht, ihn quer auf dem Maschinentisch zu positionieren. Dadurch bleibt noch Platz für drei grosse Schraubstöcke, die wir für herkömmliche dreiachsige Bearbeitungen benötigen.»

Perfekt für wirtschaftliche 5-Seiten-Bearbeitung

Mit einem Kraftspannfutter ausgestattet, liesse sich der Lehmann-CNC-Drehtisch T1-510520 auch für die automatisierte Serienfertigung einsetzen. Dieser Gedanke spielte bei Marco Andermatt aber keine Rolle: «Wir haben keinen Schichtbetrieb und auch keine Geisterschicht, und da will ich auch nicht hin. Das ist nicht mein Ziel. Ich will in neue Technologien investieren, um für meine Mitarbeiter interessante Arbeitsplätze zu schaffen und nicht um um jeden Preis Umsatz zu generieren. Das ist vielleicht nicht das klassische unternehmerische Denken, aber dazu stehe ich.»

Auch was die Haltekräfte und Drehmomente angeht, hatte Andermatt keine speziellen Anforderungen. Was auf die Maschine gepackt wird, sind hauptsächlich leichte Bauteile. Selbst die Aluminiumplatten wiegen nicht mehr als 20 kg. Dafür erfordern die kleinen Serien ein häufiges Umrichten der Maschine, im Schnitt vier- bis fünfmal pro Tag. Dafür ist die Zugänglichkeit der Maschine gut geeignet.

Plattenspieler-Köpfe für 9600-CHF-Tonarm

Zurzeit laufen besondere Teile auf dem Awea-BAZ: Plattenspieler-Köpfe. Diese kleinen Aluminiumelemente sind zwar nur durchschnittlich komplex, dafür kommt es umso mehr auf die Wirtschaftlichkeit des Zerspanens an. Dies wäre ohne fünfseitige Bearbeitung – also ohne den Lehmann-Drehtisch – nicht gegeben, meint Marco Andermatt. Die Plattenspieler-Köpfe liefert er in drei verschiedenen Ausführungen: eloxiert, rhodiniert und vergoldet. Sie werden später in einen Hightech-Plattenspieler eingebaut, dessen Tonarm (inklusive Tonkopf) allein rund 9600 CHF kostet.

Hohe Genauigkeitsanforderungen: Bis zu 5 µm Präzision

Die Genauigkeitsanforderungen der Andermatt-Kunden sind höchst unterschiedlich. «Bei den Tonköpfen bewegen wir uns im Hundertstelbereich», erwähnt der Geschäftsführer. «Bei anderen Bauteilen müssen wir noch präziser sein. «Bis zu 5 µm erreichen wir auf unseren Fräs- und Drehmaschinen. Wenn es genauer sein muss, geben wir die Teile zum Schleifen oder Honen.» Marco Andermatt weiss, was sein Team leisten und was er seinen Kunden zusagen kann. Diese eingangs erwähnte Zuverlässigkeit macht das Unternehmen sympathisch und erfolgreich. <<

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