Rostfreie Stähle bearbeiten

Prodex-Award 2014: Platz 1 für Mikron Tool

| Redakteur: Matthias Böhm

Das Team der Mikron Tool SA Agno freut sich über den ersten Platz des Prodex-Awards. V.l.n.r.: Stefano Sacco (Marketingassistent), Daniele Pigat (Geschäftsführer), Marco Cirfeta (Marketing- und Produktmanager), Alberto Gotti (Leiter Entwicklung) und Mattia Genini (Werkzeugspezialist Verkauf Schweiz).
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Das Team der Mikron Tool SA Agno freut sich über den ersten Platz des Prodex-Awards. V.l.n.r.: Stefano Sacco (Marketingassistent), Daniele Pigat (Geschäftsführer), Marco Cirfeta (Marketing- und Produktmanager), Alberto Gotti (Leiter Entwicklung) und Mattia Genini (Werkzeugspezialist Verkauf Schweiz). (Bild: Thomas Entzeroth)

In diesem Jahr gab es zwei erste Plätze am Prodex-Award. Einer davon ging an die Mikron Tool SA Agno. Ihnen gelingt mit ihrem neuen Fräskonzept ein Quantensprung (!) im Fräsen von rostfreiem Stahl, Titan, Chrom-Kobalt-Legierungen und Superalloys. In jeder Hinsicht verbessert der neu konzipierte Kleinfräser die bisher möglichen Resultate, und zwar um ein Vielfaches. Nicht zuletzt hat auch der Innovationsgeist des Unternehmens die Jury überzeugt.

Mikron Tool Agno hat mit seinem Entwicklungsteam, das in enger Kooperation mit Hartmetallherstellern, Beschichtungsunternehmen und nicht zuletzt Werkzeug-Schleifmaschinenherstellern einen Mikro-Fräser bis 6 mm Durchmesser entwickelt. Der stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten.

Die Fräser haben ihren Preis, der zahlt sich aber spätestens nach den ersten Einsätzen aus, weil er bis zu 20 mal höhere Zeitspanvolumen generiert, gegenüber guten Mitbewerbern. Die Jury des Prodex-Awards hat diese sensationelle Entwicklung mit dem ersten Platz gewürdigt.

Sie messen sich an den Besten der Welt

Die SMM-Redaktion wurde exklusiv einen Tag nach Agno eingeladen, um die Produktion, die Entwicklung als auch die Mannschaft, die hinter diesem neuen Werkzeug steht, kennen zu lernen. Die Eindrücke, die das Mikron-Tool-Team hinterlassen hat, waren eindrücklich. Sie suchen nach dem Optimum, stellen sich den Besten der Welt und versuchen die Messlatte weiter nach oben zu legen. Das alles machen sie mit ihrer typischen Schweizer Bescheidenheit. Das kommt der Quadratur des Kreises nahe, die sie aber in Perfektion beherrschen.

Neue Massstäbe für Schnittwerte

So gelten ab sofort neue Massstäbe für Schnittgeschwindigkeiten, Zustellung, Performance, Standzeit und Oberflächenqualität. Kaum zu glauben, dass diese Resultate gerade bei sogenannt schwer zerspanbaren Materialien am ausgeprägtesten sind.

Wer rostfreie Stähle bearbeiten muss, kommt schnell mal ins Schwitzen. Nicht nur, weil sich das Werkzeug durch die schlechte Wärmeleitfähigkeit dieser Werkstoffe extrem erhitzt und deshalb riskiert, schnell abgenützt oder beschädigt zu werden. Auch der Faktor Effizienz und Oberflächenqualität ist ein Dauerthema. Mit CrazyMill Cool präsentiert der Schweizer Werkzeugspezialist Mikron Tool SA Agno einen Vollhartmetall-Schaftfräser mit integrierter Kühlung im Durchmesserbereich von 0,3 bis 6 mm, der seinen verrückten Namen zu Recht trägt. Nuten- oder Taschenfräsen ins Volle, Konturenfräsen, Schlichtfräsen sind seine Stärken. Er vereint Schruppen und Schlichten, verspricht gleichzeitig hohe Effizienz, lange Standzeiten und eine mehrfach bessere Oberflächengüte.

Neu entwickeltes Mikro-Korn-Hartmetall

Dass diese Versprechen auch eingehalten werden können und die Entwickler des Schweizer Werkzeugproduzenten einmal mehr von einem 'crazy Werkzeug' sprechen, dafür sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Da ist als Erstes das Grundmaterial, ein neu entwickeltes Mikro-Korn-Hartmetall, das die Anforderungen sowohl in Sachen Härte als auch Zähigkeit erfüllt. Wesentlich ist natürlich auch die Konstruktion des Werkzeuges mit einer Schneidengeometrie, die speziell (aber nicht nur) ausgerichtet ist auf die Bearbeitung von rostfreien Stählen, wo der Fräser zu seiner Höchstform findet. Eine Kombination von verschiedenen geometrischen Merkmalen führen zum gewünschten Resultat. Ein robuster Schneidenkeil, ein radialer Hinterschliff und eine gezielte Kantenpräparation sind verantwortlich für eine hohe Schneidkantenqualität und -stabilität.

Beschichtung spielt wichtige Rolle

Einen wichtigen Beitrag zur Standzeit leistet auch die Beschichtung, neuartig und ebenfalls spezifisch für die schwer zerspanbaren Metalle konzipiert. Dank einem extrem tiefen Reibungskoeffizienten und einer verminderten Affinität gegenüber Stahl bilden sich keine Aufbauschneiden. Zudem zeichnet sie sich durch eine hohe Oxidationsbeständigkeit und Warmhärte aus. Das hilft mit, die Temperatur im grünen Bereich zu halten, es kommt nicht zu einem «Verbrennen» der Schneiden, was sich wiederum positiv auf die Lebensdauer des Werkzeugs und auf die Qualität der Oberfläche auswirkt.

Die Essenz der Innovation

Die Essenz der Innovation steht jedoch im Zusammenhang mit dem «coolen» Teil des Namens. Generell gilt: Trockenbearbeitung ist bei rostfreien Stählen nicht möglich, durch die schlechte Wärmeleitfähigkeit des Werkstoffs würde sich das Werkzeug zu sehr erhitzen, die Schneiden «verbrennen». Die Verwendung eines Kühlmittels ist ein Muss.

Beim Mikrofräser von Mikron Tool leiten drei bis vier interne durch den Schaft geführte Kühlkanäle den Kühlmittelstrahl immer dem Werkzeugdurchmesser entlang bis an die Schneiden. Das Resultat ist ein gezielter und massiver Kühleffekt dort, wo er notwendig ist: an den Schneiden, und das in jeder Bearbeitungsposition. Gleichzeitig werden die Späne kontinuierlich aus dem Fräsbereich weggespült, wo sie den perfekten Fräsvorgang stören würden und die Qualität der Oberfläche negativ beeinflussen könnten.

Enorm grosse Kühlkanäle

Im Verhältnis zum kleinen Durchmesser der Fräser sind die Kühlkanäle gross gewählt. Der dadurch mögliche hohe Volumenstrom an Kühlschmiermittel wirkt äusserst effizient; die durch die Reibung erzeugte Hitze wird vom Schneidöl weitgehend aufgenommen und abgeführt. Sehr interessant ist auch, dass an die Filterung und den Kühlmitteldruck keine besonderen Anforderungen gestellt werden, sodass diese Werkzeuge auch auf konventionellen Maschinen gewinnbringend eingesetzt werden können.

1–1,3 x D statt 0,1–0,2 x D

Wenn bis heute eine Zustellung von 0,1–0,2 x D fürs Fräsen einer Nute ins Volle als allgemeine Richtlinie galt, ist CrazyMill Cool in der Lage, Tiefen von 1–1,3 x D direkt zu erreichen. Man muss kein Rechenkünstler sein – so Markus Schnyder, der Verantwortliche von Mikron Tool International – um zu erkennen, dass bei einer bis fünf Mal schnelleren Schnittgeschwindigkeit und einem vergleichbaren Vorschub die Effizienz des Fräsers um Faktor 10 bis 20 (!) verbessert wird. Interessant ist dabei, dass es ausgerechnet die «schwierigen» Materialien sind, bei denen der Unterschied in Bezug auf die Leistung am offensichtlichsten ist.

Das Tüpfchen aufs «i» macht gemäss Mikron Tool die Oberflächenqualität aus: Obwohl ins Volle gefräst, erreicht CrazyMill Cool 2–3 Mal bessere Rz-Werte, als man dies von konventionellen Fräsern gewohnt ist. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wie der Fräser am Markt angenommen wird. <<

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