Carlo Buck, Managing Director von United Machining, referiert am SMM-Kongress 2026 Produktivität neu denken: Warum industrielle Transformation Gestaltungswille und Leadership verlangt

Von Matthias Böhm 4 min Lesedauer

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Technologische Umbrüche, steigender Kostendruck und der Kampf um Fachkräfte setzen die produzierende Industrie massiv unter Druck. Carlo Buck, Managing Director von United Machining, zeigt im Interview, warum nachhaltige Produktivitätsgewinne oft nicht nur aus neuen Maschinen, sondern auch aus einem radikalen Hinterfragen bestehender Prozesse entstehen. Am SMM-Kongress 2026 in Luzern gibt er praxisnahe Einblicke – von 30 Prozent Effizienzsteigerung durch Prozessoptimierung bis zur erfolgreichen Einführung völlig neuer Fertigungstechnologien – und macht deutlich, weshalb echte Transformation zudem eine Frage von Führung, Kommunikation und Mut ist.

Carlo Buck, Managing Director & Head of Market Region Central Europe, United Machining: «Ohne Transparenz und Offenheit kann keine erfolgreiche Transformation gelingen.»(Bild:  United Machining)
Carlo Buck, Managing Director & Head of Market Region Central Europe, United Machining: «Ohne Transparenz und Offenheit kann keine erfolgreiche Transformation gelingen.»
(Bild: United Machining)

Am SMM-Kongress gehen Sie konkret auf zwei Beispiele ein. Können Sie uns einen kurzen Einblick in die Praxis-Beispiele geben, wo die speziellen Herausforderungen lagen und welche Lösungen sich angeboten haben?

Carlo Buck: Die Praxisbeispiele beziehen sich zum einen auf einen Kunden, der über Jahrzehnte hinweg sehr erfolgreich mit konventionellen Fertigungsverfahren – insbesondere dem HSC Fräsen – gearbeitet hat. Durch veränderte Anforderungen und ein sich wandelndes Umfeld, das einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtherstellungskosten hatte, entschied sich das Unternehmen jedoch, einen neuen Weg einzuschlagen und ein für sich völlig neues Fertigungsverfahren einzuführen: die Laserablationstechnik.

Zudem möchte ich ein Projekt bei einem Serienfertiger mittlerer Stückzahlen hervorheben, welcher durch eine umfassende Prozessanalyse eine Produktivitätssteigerung von 30 Prozent erzielt werden konnte. Diese Steigerung resultierte nicht zwingend aus der Anschaffung einer neuen Anlage, sondern vielmehr aus der ganzheitlichen Betrachtung des Gesamtprozesses inklusive Peripherie und Betriebsmittel.

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Wo sehen Sie aktuell die grössten strukturellen Herausforderungen für die Wettbewerbsfähigkeit in der produzierenden Industrie?

C. Buck: Generell betrachtet – wobei sich dies länderspezifisch sehr unterschiedlich darstellt – liegen unsere zentralen Herausforderungen derzeit in der Veränderung des Arbeitsmarktes und dem Zugang zu qualifizierten Fachkräften. Hinzu kommen eine anhaltende geopolitische Volatilität, die zu instabilen Lieferketten führt, steigende Energiepreise sowie die weiterhin allgegenwärtige Notwendigkeit zur Digitalisierung und Automatisierung.

All diese Themen sind vor dem Hintergrund der aktuellen, vorherrschenden Rahmenbedingungen zu betrachten, die massgeblich dafür sind, ob Unternehmen im globalen Kontext wettbewerbsfähig bleiben können.

Warum scheitern notwendige Veränderungen häufig nicht an der Technik, sondern an der Organisation?

C. Buck: In unserem Unternehmen, das sich selbst im Wandel befindet, begegne ich häufig ähnlichen Herausforderungen. Diese stehen jedoch nur selten im Zusammenhang mit der Belegschaft oder ihrer Bereitschaft zur Veränderung. Vielmehr sehe ich ein zentrales, oft unterschätztes Element: mangelnde Kommunikation sowie eine fehlende oder zu späte Einbindung der Mitarbeitenden.

Es braucht Mut und kommunikative Stärke seitens der Geschäftsleitung, um eine klare Vision und eine Kultur des Machens zu etablieren – eine Kultur, in der Fehler und Rückschläge dazugehören, während Geschwindigkeit und Vertrauen tragende Säulen sind. Gelingt dies, entsteht Widerstand gegen den Wandel nur selten. Neben der technischen Dimension wird dabei ein weiterer Aspekt häufig unterschätzt: die emotionale Komponente im Unternehmen. Diese gilt es zwingend mitzunehmen und aktiv zu adressieren.

Wie erkennt man, ob bestehende Produktionsprozesse wirklich ausgereizt sind – oder nur als bewährt gelten?

C. Buck: Ich bin der Ansicht, dass man sich im heutigen Umfeld grundlegend von einer rein auf Bewährtes ausgerichteten Haltung distanzieren sollte – ja sogar muss. Die allgemeine Schnelllebigkeit sowie der technologische Wandel erfordern ein kontinuierliches Hinterfragen des Status quo.

Es ist verständlich, dass diese Haltung zumeist auf den ersten Blick nur bedingt den direkten Anklang erfährt, da sie Rastlosigkeit signalisiert und permanente Veränderung einfordert. Umso wichtiger ist es, klar zu vermitteln, dass wir als Lösungsanbieter unseren Kunden regelmässig Benchmark-Tests in unserem Vorführzentrum empfehlen. Alternativ oder ergänzend führen wir gemeinsam mit unseren Industriepartnern gerne Assessments direkt vor Ort beim Kunden durch. Ziel ist es dabei stets, Transparenz zu schaffen, Potenziale aufzuzeigen und fundierte Entscheidungsgrundlagen für zukünftige Entwicklungen zu liefern.

Welche Rolle spielt Führung, wenn etablierte Technologien grundlegend hinterfragt werden sollen?

C. Buck: Veränderung beginnt genau hier und an diesem Punkt. Zuvor habe ich von einer Kultur des Machens gesprochen. Nachhaltig entstehen kann diese jedoch nur durch eine klare Haltung und konsequente Führung.

Es gilt, den nötigen Raum und die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich die Produktion sowie alle dazugehörigen Mitarbeitenden unterstützt und befähigt fühlen, Veränderungen aktiv mitzugestalten. Das Hinterfragen bestehender Abläufe darf dabei kein Tabu sein. Gleichzeitig müssen Entscheidungsfreude sowie Geschwindigkeit in der Umsetzung gezielt gefördert und entwickelt werden.

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Wie schafft man es, kontroverse Diskussionen produktiv zu machen, statt Abwehrhaltungen zu verstärken?

C. Buck: Aus meiner Sicht entscheidet vor allem das Wie und Warum. Dabei darf es niemals um Kritik oder die Abwertung des Bestehenden gehen, sondern ausschliesslich um den Dialog und die gemeinsame Sache. Entscheidend ist eine transparente Kommunikation des Warums sowie die Vermittlung, weshalb eine aktive Teilnahme so wichtig ist. Inspiration schafft meist den Impuls zur Selbstreflexion. Deshalb sehen wir das Aufzeigen von Möglichkeiten und die Beratung des Machbaren als Grundlage, um individuelle Themenfelder weiterentwickeln zu können.

Welche Bedeutung haben Transparenz und faktenbasierte Entscheidungsgrundlagen in Transformationsprozessen?

C. Buck: Dies sind unabdingbare Voraussetzungen. Ohne Transparenz und Offenheit kann keine erfolgreiche Transformation gelingen. Umso wichtiger ist es, allen Beteiligten einen klaren Blick auf das grosse Ganze zu ermöglichen und die Bedeutung sowie den Sinn der Veränderung verständlich zu vermitteln.

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