Prodex 2016

Prozesssichere Montage

| Redakteur: Luca Meister

Höchste Qualität in der Verschraubungsmontage erfordert akkurat arbeitende Werkzeuge.
Bildergalerie: 2 Bilder
Höchste Qualität in der Verschraubungsmontage erfordert akkurat arbeitende Werkzeuge. (Bild: Brütsch/Rüegger)

Das Versagen einer Schraubverbindung kann schwerwiegende Schäden verursachen und damit verbunden entstehen oft hohe Kostenfolgen. Sichere Schraubverbindungen ergeben qualitativ hochwertige Produkte, hochwertige Produkte wiederum erzeugen Vertrauen und Sicherheit.

Die Bedeutung der Schraubverbindung und der prozesssichere Betrieb in der Montage werden immer wichtiger. Jeder, der mit Verbindungstechnik zu tun hat, weiss, dass der scheinbar unspektakuläre Vorgang des Schraubens mit vielen Risiken verbunden ist. Eine qualitäts- und kostenorientierte Schraubmontage erfordert folglich das Verständnis aller Prozessbeteiligten.

Die Qualität einer Schraubverbindung wird beeinflusst von verschiedensten Faktoren. Diese gilt es, zu kennen und entsprechend zu berücksichtigen. Einflussfaktoren können sein:

  • Art der Schraubverbindung
  • Konstruktionsfehler
  • Belastung
  • Anziehmethode
  • Montagefehler
  • Verwendete Werkzeuge
  • Mensch
  • Sämtliche Parameter in Schraubverbindungen

Ziel einer kontrolliert produzierten, qualitativ hochwertigen Schraubverbindung ist das Erreichen einer optimalen Vorspannkraft. Schraubverbindungen, in denen Gewindeschrauben benutzt werden, sind in unterschiedliche Kategorien unterteilt, nach denen die Auswahl und Anwendung eines entsprechenden Werkzeugs oder Schraubsystems bestimmt wird. Ziel ist es, für die jeweilige Kategorie Mindestanforderungen an Werkzeuge oder Schraubsysteme festzulegen und Mindestanforderungen für die Erkennung von Fehlverschraubungen zu definieren.

Die VDI-Richtlinie 2862 ist eine Grundlage für die Klassifizierung von Schraubverbindungen und ein Leitfaden für die Auswahl und den Einsatz entsprechender Schraubsysteme. Sie definiert Schraubfallklassen in sicherheitsrelevante, tragende und untergeordnete Verbindungen und definiert Mindestanforderungen an verwendete Montagewerkzeuge. Sie stellt somit eine technologieübergreifende Grundlage für den Einsatz von Schraubsystemen und Schraubwerkzeugen bereit.

Mit der VDI-Richtlinie 2862 sollen dem Anwender Rahmenbedingungen zur Auswahl von Schraubwerkzeugen zur Verfügung stehen, um damit das sichere Verschrauben bei der Produktion zu gewährleisten.

Regelmässig überprüfen

Schraubsysteme und -prozesse müssen überwacht werden. Dabei gelten als Mindestanforderungen, dass die Mess- und Wiederholgenauigkeit des Schraubsystems regelmässig geprüft werden und dass die zum Einsatz kommenden Drehmomentwerkzeuge ebenfalls regelmässig überprüft werden müssen.

Höchste Qualität in der Verschraubungsmontage erfordert akkurat arbeitende Werkzeuge. Damit eine prozesssichere Montage gewährleistet werden kann, spielt ein weiterer, wichtiger Faktor eine entscheidende Rolle. Der Anziehfaktor αA (Montage-Unsicherheit) berücksichtigt die Abschätzung des Reibungsfaktors, das Anziehverfahren, die Gerätetoleranzen, die Ablese- und Kalibriergenauigkeit sowie Bedienungsfehler. Der Anziehfaktor αA ist das Verhältnis der maximal möglichen Vorspannkraft Fmax mit der minimal möglichen Vorspannkraft Fmin und ergibt die Varianz der Streuung der erzielten Vorspannkraft Fv.

Aufgrund der unterschiedlichen Anziehfaktoren lassen sich die verschiedenen Schraubwerkzeuge entsprechend klassifizieren und dadurch ihre Einsatzgrenzen klar bestimmen. So sind beispielsweise die klassischen Schraubenschlüssel für die Handmontage definitiv nicht geeignet für einen kontrollierten Schraubenanzug.

Anwender schulen

Der Faktor Mensch spielt im gesamten Prozess der Schraubmontage ebenfalls eine sehr wichtige Rolle. Die fehlerhafte Handhabung von Schraubwerkzeugen führt unter anderem zu fehlerhaften Schraubverbindungen. Es ist absolut wichtig, dass die Anwender entsprechend geschult werden und in Form von Montageanweisungen instruiert sind.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass für eine prozesssichere Montage die folgenden Bereiche berücksichtigt werden müssen:

  • Sämtliche Einflussfaktoren auf eine Schraubverbindung müssen bekannt sein.
  • Die Art und Handhabung der zum Einsatz gelangenden Schraubwerkzeuge muss bekannt sein.
  • Sämtliche Werkzeuge müssen geprüft und kalibriert sein.
  • Die Anwender müssen geschult und instruiert sein.
  • Die Schraubstelle muss klassifiziert sein.
  • Speziell berücksichtigt werden muss der Einfluss der Reibung in der Schraubverbindung.

Die Brütsch/Rüegger Werkzeuge AG stellt mit ihren Kompetenzpartnern für die Verschraubungstechnik den Wissenstransfer für die Kunden sicher. Regelmässig durchgeführte Seminare zu diesem Thema finden bei Brütsch/Rüegger Tools immer wieder grossen Anklang. SMM

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 44309515 / Verbindungstechnik)