Qualität liegt im Wesen der Schweizer begründet

| Redakteur: Matthias Böhm

Mit qualitativ hochwertigen Produkten können sich Schweizer Unternehmen international durchsetzen. (Bilder: EVD)
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Mit qualitativ hochwertigen Produkten können sich Schweizer Unternehmen international durchsetzen. (Bilder: EVD)

>> Wie der Werkplatz Schweiz sich in der Zukunft entwickelt, hängt auch von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ab. Im SMM-Exklusivinterview betont Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann die Stärken des Werkplatzes Schweiz und wie er dessen Potential sieht.

SMM: Herr Bundesrat Schneider-Ammann, Schweizer Produkte geniessen bezüglich Qualität im In- und Ausland einen hervorragenden Ruf. Was sind die Schlüssel-Faktoren für den hohen Schweizer Qualitätsstandard aus Ihrer Sicht?

Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann: Die wichtigsten Faktoren für das Schweizer Qualitätsniveau sind wohl schon im Wesen der Schweizer begründet.

Können Sie das konkretisieren?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Sie sind genau, pünktlich und solid, keine Blender. Dazu passt, dass die Schweiz auf eine lange Tradition und Erfahrung in Wirtschaftssektoren verfügt, wo es auf genaue und hochstehende Arbeit ankommt, wie zum Beispiel in der Uhrenindustrie oder in der (Fein-)Mechanik. Auch im Schweizer Ausbildungssystem hat Qualität einen hohen Stellenwert, und zwar von der Berufslehre bis zu den Spitzenuniversitäten.

Haben Nischenmärkte eine besondere Bedeutung für den Werkplatz Schweiz?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Die Schweiz als Land mit einem hohen Lohn- und Preisniveau konnte mit ihren Qualitätsprodukten international eine lukrative Nische erobern. Im Massenmarkt wären wir häufig zu teuer, aber bei qualitativ hochstehenden Produkten können sich Schweizer Unternehmen auch mit vergleichsweise hohen Preisen auf dem internationalen Markt durchsetzen.

Und welche Rahmenbedingungen müssen generiert werden, damit das Swissmade-Label nicht ausgehöhlt wird?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Eine glaubwürdige und praktisch anwendbare «Swissness» ist nötig, um die Grundfesten dieses Mehrwerts zu erhalten und Missbräuche besser bekämpfen zu können. Der wirtschaftliche Wert der schweizerischen Herkunft eines Produkts oder einer Dienstleistung in einer zunehmend globalisierten Welt ist von beträchtlicher Wichtigkeit. Zahlreiche Schweizer Produkte und Dienstleistungen geniessen sowohl im In- als auch im Ausland einen hervorragenden Ruf hinsichtlich der von ihnen vermittelten Werte wie Exklusivität, Tradition und Qualität. Der Bundesrat will den Wert der «Marke Schweiz» langfristig erhalten und ihre Stellung sichern.

Was können hierfür im Markenschutzgesetz die konkreten Rahmenbedingungen sein?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Dazu sollen im Bundesgesetz über den Schutz von Marken und Herkunftsangaben (Markenschutzgesetz) neue Kriterien zur klareren und präziseren Bestimmung der geografischen Herkunft eines Produkts verankert werden. Mit anderen Worten soll festgelegt werden: Wie viel «Schweiz» muss drin sein, damit «Schweiz» draufstehen darf? So wird gesetzlich geregelt, wer die Bezeichnung «Schweiz» unter welchen Voraussetzungen und auf welche Art und Weise verwenden darf. Diese präziseren Kriterien erhöhen die Transparenz und die Rechtssicherheit der von den Produzentinnen und Produzenten verwendeten Herkunftsangaben und sind im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten, die die Angaben besser verstehen und bei ihrem Kauf- entscheid gezielter berücksichtigen können.

Wenn Sie sich an Ihr ehemaliges Unternehmen «erinnern», dessen Produkte in der Bauindustrie Einsatz finden, war das «Swissmade-Label» als Qualitätsfaktor ein Wettbewerbsvorteil bei ausländischen Auftragsvergaben?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Das müssen Sie die Auftraggeber fragen. Generell bin ich aber überzeugt, dass man weiss, dass in der Schweiz Qualität grossgeschrieben wird. Dieses positive Image nützt allen, wir sollten es daher weiterpflegen. Das gehört zum Image der Schweiz.

Die Schweiz gilt als eines der innovativsten Länder, was muss getan werden, um diese Position zu wahren?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Die Schweiz nimmt in der Tat eine Spitzenposition im internationalen Innovationswettbewerb ein. So führte sie im Jahr 2010 sowohl den Innovation Scoreboard der europäischen Staaten als auch den Global Competitiveness Report des World Economic Forum an. Um diese starke Position halten zu können, muss die Schweiz jedoch darauf bedacht sein, die Rahmenbedingungen für die Innovationstätigkeit konstant auf hohem Niveau zu halten.

An welche Aspekte denken Sie dabei?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Der Wettbewerb ist das beste Entdeckungsinstrument. Zu einem guten Innovationsklima gehört es entsprechend, die bisher geschützten Märkte zu öffnen. Da dies oft staatsnahe Sektoren betrifft, sind dazu regelmässig konsequente Reformen auch bei Unternehmen in öffentlichem Besitz durchzuführen. Reformen der Vergangenheit blieben oft lückenhaft oder wurden nur mit Abstrichen durchgeführt (Verbleib eines Monopolbereichs für die Post): Die so geschaffenen, etwas längeren Spiesse gegenüber der Konkurrenz hemmen deren Eintritt in den Markt und damit das Aufkommen neuer Business-Lösungen, also die Innovation.

Und welche Rolle spielen qualifizierte Mitarbeiter?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Richtig, für die Innovation braucht es auch Köpfe, nicht nur den Wettbewerb. Der Mangel an hochqualifiziertem Personal wird trotz der Zuwanderung aus dem EU-Raum längerfristig eine Schwachstelle bleiben. Der freie Personenverkehr darf deshalb nicht eingeschränkt werden. Darüber hinaus ist anzustreben, dass der Zuzug von hochqualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Ländern erleichtert wird. Dessen ungeachtet muss die Schweiz in erster Linie selbst dafür besorgt sein, die Fachkräfte, die sie braucht, auszubilden.

Sie sind ja nicht neu in der Politik. Bereits als CEO der Ammann Group agierten Sie als Swissmem-Präsident und Nationalrat und wussten um die Bedeutung der politischen Einflussnahme seitens der Wirtschaft. Engagieren sich aus Ihrer Sicht die MEM-Unternehmen genügend in der Politik, Herr Wandfluh und Herr Spuhler einmal ausgenommen?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Das Engagement ist sicher da. Allgemein gilt: Je konstruktiver der Ansatz ist und je konkreter die Vorschläge, umso mehr Wirkung erzielt man. Die Swissmem und ihre Mitglieder sind sicher auf einem guten Weg.

Gerade kleineren Technologie-Unternehmen fällt es schwer, ihre Produkte weltweit zu exportieren. Inwieweit kann das EVD hier unterstützen?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Zum einen kommen den multilateralen Gesprächen im Rahmen der WTO wie auch den bilateralen Freihandelsabkommen ein grosses Gewicht zu, um den Schweizer Anbieterinnen und Anbietern einen möglichst diskriminierungsfreien Marktzugang in allen Ländern zu sichern. Zum anderen sind dem Bundesrat die KMU ein besonderes Anliegen, weshalb die Schweizer Exportförderungsagentur Osec im Auftrag des SECO KMU beispielsweise Erstinformationen über ausländische Märkte und Basisberatung zu Exportfragen anbietet, oder sie führt Schweizer Gemeinschaftsauftritte an ausländischen Fachmessen durch. Zudem unterstützte das EVD über eine Anschubfinanzierung via die Osec den Aufbau von Exportplattformen in den Bereichen Cleantech, Medtech, Architektur/Engineering/Design. Grundsätzlich ist es jedoch die schöne, aber auch anspruchsvolle Aufgabe der Unternehmerinnen und Unternehmer, mit Innovationskraft, Engagement und Ausdauer Exportchancen zu erschliessen.

Was sind aus Ihrer Sicht die aktuell wichtigsten Anliegen der MEM-Industrie an die Politik und inwieweit versuchen Sie diese Anliegen zu realisieren?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Die MEM-Industrie muss ihre Anliegen selbst definieren. Es scheint mir klar, dass der starke Franken momentan das Hauptthema ist. Sie können davon ausgehen, dass ich gerade in diesem Dossier als ehemaliger Industrieller immer das Schicksal der Exportindustrie im Auge habe. Ich will möglichst generell gute Rahmenbedingungen. Man darf die Rolle der bilateralen Verträge und die Freihandelsabkommen nie unterschätzen. Sie sorgen für offene Märkte.

Sie sagten, dass jeder zweite Schweizer Franken im Ausland verdient wird. Der Exportanteil der Investitionsgüterbranche ging seit 1990 von zirka 37 auf heute 27 Prozent zurück. Als ehemaliger Top-Industrieller und jetziger Bundesrat muss Sie eine solche Entwicklung doch schmerzen. Wo liegen die Ursachen begründet und was kann man dagegen tun?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Die Exportstruktur eines Landes ist niemals statisch. Sie muss sich an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. Der Erfolg der Schweizer Exportindustrie beim Strukturwandel zeigt sich daran, dass sie seit Anfang dieses Jahrtausends trotz rasanter Zunahme des internationalen Handels ihren weltweiten Marktanteil mehr oder weniger stabil halten konnte. Der starke Anteil der chemisch-pharmazeutischen Industrie an den Gesamtexporten hat dabei geholfen, gerade während der Wirtschaftskrise. Geholfen hat auch die starke Ausrichtung der Schweiz auf die rasch wachsenden Schwellen- und Entwicklungsländer. Dort ist die Ausstattung mit Investitionsgütern oft noch mager, die Chance für die schweizerische Investitionsgüterindustrie also vorhanden. Die Belieferung wird allerdings im Rahmen weltweiter Wertschöpfungsketten erfolgen müssen. Der starke Franken macht es nicht einfach, dass der Standort Schweiz, auch im konzerninternen Geschäft, wie bisher zum Zuge kommt.

Welchen Stellenwert nimmt die MEM-Industrie in Ihrem Volkswirtschaftsdepartement ein, das ja recht breit gefächert ist?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Ich bin als Wirtschaftsminister für die gesamte Wirtschaft zuständig. Aber man verleugnet nie seine Herkunft. Man bleibt, was man war.

Die Schweizer Exportwirtschaft würde von einer weiteren Liberalisierung des Handels mit der EU profitieren. Die Schweizer Bauernverbände stemmen sich gegen solche Schritte. Gemessen an der volkswirtschaftlichen Stellung ist die Bedeutung der MEM-Industrie viel wichtiger. Sehen Sie Möglichkeiten, die Bauernverbände zum Einlenken zu bewegen?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Für mich gibt es nur eine Wirtschaft. Dazu gehören alle drei Sektoren. Diese sollen voneinander profitieren und nicht gegeneinander ausgespielt werden. Ich bin stolz auf unsere Dienstleister, stolz auf unsere Industrie, aber auch stolz auf unsere Bauern. Es braucht überall Innovation und Erfindergeist.

Inwieweit stehen Finanz- und Werkplatz in Konkurrenz zueinander und wo sehen Sie Nachteile für den Werkplatz Schweiz?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Sowohl der Finanz- als auch der Werkplatz sind enorm wichtig für die Schweiz. Eine grundsätzliche Konkurrenzsituation zwischen den beiden Sektoren ist nicht vorhanden. Vielmehr konkurrieren sie miteinander in bestimmten Bereichen, so u.a. bei der Gewinnung von gut qualifizierten Arbeitskräften. Dies führt dazu, dass beide Sektoren vermehrt Anstrengungen zur Steigerung der eigenen Attraktivität als Arbeitgeber unternehmen müssen und dies auch tun.

Was kann der Werkplatz tun, um attraktiver zu werden?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Es geht nicht nur um den Lohn, sondern auch um die Arbeitsinhalte. Diesbezüglich sehe ich den Werkplatz gegenüber dem Finanzplatz im Vorteil; ich bin ja nicht als Banker grossgeworden, meine beruflichen Affinitäten gehen in eine andere Richtung. Ein Nachteil, unter welchem der Werkplatz Schweiz leidet, ist die stärkere Abhängigkeit vom Wechselkurs, gerade jetzt. 2007, vor der Finanz- und Wirtschaftskrise, ging es aber auch etwas zu einfach, damals war der Franken zu schwach. Es bleibt heute nichts anderes übrig, als dass sich der Schweizer Werkplatz ein weiteres Mal neuorientiert und weiterentwickelt und somit noch innovativer und international noch stärker verflochten wird.

Auf der anderen Seite: Inwieweit profitiert der Werkplatz von einem prosperierenden Finanzplatz und wie verhält es sich umgekehrt?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Die Finanzkrise hat uns gezeigt, wie wichtig ein gut funktionierender Finanzplatz für die gesamte Volkswirtschaft ist. Wenn Banken einander und auch Dritten kein Geld mehr leihen, kommt der Werkplatz unter einen enormen Druck. Einzelne Firmen kämen mit der Zeit aus Liquiditätsengpässen nicht mehr heraus und müssten die Produktion einstellen. Mit Umsicht wusste die Nationalbank in der Finanzkrise die Geschäftstätigkeit auch dort aufrecht zu erhalten, wo das spezielle Know-how der Grossbanken gefragt ist.

Können Sie das näher ausführen?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Ich denke hier an das Akkreditivgeschäft oder Investitionsgüterfinanzierungen. Beide sind für den Werkplatz unverzichtbar. Andererseits ist auch der Finanzplatz auf den Werkplatz angewiesen. Das verarbeitende Gewerbe ist ein wichtiger Kunde für viele Schweizer Banken wie auch die dort beschäftigten Arbeitnehmer. Des Weiteren profitiert der Finanzplatz Schweiz grundsätzlich von der stabilen, prosperierenden Schweizer Wirtschaft, wozu der Werkplatz einen wichtigen Beitrag leistet.

Derzeit leiden exportorientierte MEM-Unternehmen und deren Zulieferer nicht unerheblich am starken Schweizer Franken. Mit dem möglichen Downgrading der Bonität für amerikanische Staatsanleihen wird der Dollar nochmals gegenüber dem Schweizer Franken abgestuft. Inwieweit wird die seitens des Bundesrates wahrgenommen und sind Massnahmen geplant, den Schweizer Franken «in seine Schranken zu weisen»?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Der starke Franken bereitet mir sehr grosse Sorgen. Aber diese Entwicklung ist auch ein Kompliment, denn sie widerspiegelt die sehr wettbewerbsfähige Schweizer Wirtschaft und unsere erfolgreiche, wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik. Aber selbstverständlich beobachten der Bundesrat und die Schweizerische Nationalbank laufend die aktuelle Entwicklung. Eine direkte Beeinflussung des Wechselkurses ist jedoch nur über die Geldpolitik möglich. Diese ist Sache der Schweizerischen Nationalbank.

Wie stehen Sie konkret als Wirtschaftsminister dazu?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Ich als Wirtschaftsminister will keine interventionistischen und marktverzerrenden Massnahmen, welche letztlich kontraproduktiv wirken würden, sondern setze mich ein für alle längerfristigen wachstumspolitischen Massnahmen, die für die Exportindustrie die Rahmenbedingungen verbessern (z.B. Freihandelsabkommen mit dynamischen Ländern oder Massnahmen zur administrativen Entlastung). Dabei müssen wir gleichzeitig die Öffnung unseres eigenen Marktes vorantreiben, ansonsten ist in den internationalen Verhandlungen wenig zu erreichen. Dazu braucht die Politik die Unterstützung der Wirtschaft.

Viele MEM-Unternehmen suchen qualifizierte Arbeitskräfte und wären froh über ausländische Bewerber. Gleichwohl wird Stimmung gegen Zuwanderung gemacht. Wie kann man diesen Interessenkonflikt versachlichen?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Aus meiner Sicht gibt es zwei Stossrichtungen. Erstens müssen wir noch deutlicher kommunizieren, welche grossen Vorteile die Zuwanderung von meist gut qualifizierten und sehr motivierten Personen aus unseren Nachbarländern uns bringen. Ohne die ausländischen Ingenieure hätten viele Projekte in der Wirtschaft nicht realisiert werden können, ohne die ausländischen Ärztinnen und das Pflegepersonal hätten wir nicht eine so hervorragende Gesundheitsversorgung. Und die Bauwirtschaft, welche eine wichtige Konjunkturstütze ist, hätte sich nicht derart erfolgreich entwickeln können. Zweitens müssen wir alle, damit meine ich die Wirtschaft und die Politik auf allen Stufen, noch vermehrte Anstrengungen unternehmen, die beruflichen Qualifikationen der Personen in der Schweiz zu verbessern, und sie unterstützen, ihre wertvollen Fähigkeiten in der Arbeitswelt einzubringen. Deshalb habe ich eine Fachkräfteinitiative gestartet, die genau das zum Ziel hat. Bereits im September werden wir mit den interessierten Kreisen einen Workshop durchführen. Hier zähle ich auch auf das Engagement der Wirtschaft, denn es ist ein gemeinsames Projekt.

Ein Frage aus aktuellem Anlass: Dank der wahrscheinlichen Abkehr von der Atomenergie in der Schweiz wie auch in Deutschland wird voraussichtlich ein enormes Wachstumspotenzial im Erneuerbare-Energien-Sektor entstehen. Wie schätzen Sie dieses Potenzial ein und inwieweit können Schweizer Unternehmen davon profitieren?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Viele Firmen haben dieses Potenzial bereits erkannt und expandieren in diesem Bereich. Er bietet in der Tat einer grossen Vielfalt von Firmen Möglichkeiten. Vom Ausbaugewerbe über die Metallindustrie zur Maschinen- und Elektroindustrie, die jede Menge von Geräten und Steuerungen auf den Markt bringen kann. Der Sektor der erneuerbaren Energien ist zudem für Unternehmen aller Grössen offen. Manches in diesem Sektor ist allerdings nicht absolute Spitzentechnologie, denken Sie z.B. an den Metallrahmen für ein Solarpanel. Wir würden einen Fehler machen, wenn wir plötzlich verlangen würden, dass die Lösungen zur Bewältigung der Energieknappheit alle aus der Schweiz kommen müssen oder dass der Sektor spezieller staatlicher Förderung bedarf. Eine Lobby versucht aber durchzusetzen, dass allenfalls vermehrte CO2-Emissionen zu 100% in der Schweiz kompensiert werden müssen, und sie meint auch, «cleantech»-Firmen bedürften direkter staatlicher Förderung, obwohl sich die Mehrnachfrage unter den neuen Verhältnissen nach Fukushima ja von selbst einstellen dürfte, wenn das Produkt stimmt. Wir sollten keinen neuen Schalter auftun, wo sich Subventionen abholen lassen, entscheiden, was sich als Lösung durchsetzt, muss der Markt, nicht die Bürokratie.

Mit welchen Energieformen wird die Schweiz in Zukunft ihren Bedarf decken?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Der künftige Energiemix dürfte ähnlich wie heute relativ breit diversifiziert sein. Wie genau er sich zusammensetzt, hängt von verschiedenen Faktoren und insbesondere vom technologischen Fortschritt ab. Dieser ist schwierig vorherzusagen. Wichtig dabei ist, dass ein möglichst offener Strommarkt mit stabilen Rahmenbedingungen geschaffen wird, damit die daraus resultierenden Preissignale zum Tragen kommen und angebots- wie auch nachfrageseitig zu volkswirtschaftlich optimalen Investitionsentscheidungen beitragen.

Welchen Wunsch haben Sie als ehemaliger Unternehmer an den Bundesrat gehabt und inwieweit können Sie diesen Wunsch heute realisieren?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Ich habe mich darum bemüht, dass Unternehmergeist ernst genommen wird. Diesen Unternehmergeist will ich auch als Bundesrat einbringen.

Im November 2012 finden die für die MEM-Industrie wichtigsten Schweizer Messen Prodex und Swisstech statt: Werden Sie als ehemaliger Swissmem-Präsident die Messe eröffnen?

Bundesrat J. N. Schneider-Ammann: Als Bundesrat ist man zwar weitgehend fremdbestimmt. Aber doch nicht so, dass die Agenda auf Jahre hinaus völlig verplant wird. Der Terminkalender für 2012 wird erst geöffnet, wenn die offiziellen Verpflichtungen für das nächste Jahr – dazu gehören Bundesratssitzungen, Klausuren, Staatsbesuche, Auslandreisen und Wirtschaftsmissionen – festgelegt und in meiner Agenda nachgeführt sind. Die verbleibenden Zeitfenster können dann für Arbeitstreffen und Auftritte genutzt werden. Momentan kann ich Ihnen noch nicht sagen, wie der November 2012 aussehen wird, weil die offiziellen Verpflichtungen für das kommende Jahr erst in der zweiten Jahreshälfte 2011 definiert werden. <<

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