Auf der AMB 2026 drehte sich bei der Roemheld Gruppe alles um die Themen Konfigurierbarkeit, Präzision, Flexibilität und Intelligenz mit Fokus auf die Werkstückspannung. Der Spanntechnikspezialist stellte eine Reihe von Innovationen für das präzise Spannen und Bewegen von Werkstücken und Lasten vor. Zielgruppen sind ausser klassischen Zerspanern insbesondere der Maschinen- und Anlagenbau, die Aerospacebranche sowie Anbieter von Automatisierungslösungen.
Für Aerospace und andere Branchen ist FSS gedacht, das flexible Spannsystem für wechselnde Freiformflächen.
(Bild: Stark Spannsysteme)
Gemeinsam präsentierten die Römheld GmbH Friedrichshütte und die Stark Spannsysteme GmbH (in der Schweiz durch FN Niederhauser AG vertreten) selbst konfigurierbare Spann- und Abstützelemente sowie Spannsysteme mit Sensoriken für die Positionskontrolle per Ultraschall.
Neu sind ausserdem eine Lösung zum automatisierten Bewegen und Fixieren schwerer Lasten sowie Nullpunkt- und Werkstück-Spannsysteme für das verzugsfreie Spannen grosser und komplexer Struktur- und Freiformbauteile.
Beim «Stark.spheric» ergänzt ein neuer Höhenausgleich die vorhandenen Pendel- und Längenkompensationen; erstmals gezeigt wurde zudem der Langhub-Maschinenschraubstock «Hilma.ASH» mit Sensorik und IO-Link-Kommunikation.
Von der Grossteilebearbeitung über den Maschinen- und Anlagenbau bis zur automatisierten, mannlosen Fertigung: Mit der Auswahl der Exponate zeigte die Roemheld-Gruppe, dass sie für unterschiedlichste Bearbeitungsprozesse über passende Spannlösungen verfügt.
Spannmittel selbst konfigurieren
Die Eigenschaften hoher Produktvielfalt bei kurzen Lieferzeiten weitet die Römheld GmbH Friedrichshütte auf immer mehr Artikelgruppen aus. Anwender stellen ihr individuelles Spannelement über einen Bestellnummern-Schlüssel aus definierten Bauformen, Baugrössen, Schwenkwinkeln, Spannhüben und Abfrageoptionen selbst zusammen. Da alle Einzelteile auf Lager sind, montiert Römheld die gewünschte Ausführung unmittelbar nach Bestelleingang in Laubach und liefert standardmässig innerhalb einer Woche aus. Drei zentrale konfigurierbare Exponate sind auf der AMB zu sehen.
Schwenkspanner ohne Schwenkhub
Ein ebenfalls selbst konfigurierbares Element ist der neue robuste Schwenkspanner mit Ultraschall-Positionskontrolle.
(Bild: Stark Spannsysteme)
Erstmals mit erweitertem Flanschsortiment präsentierte das Unternehmen seinen hydraulischen Schwenkspanner ohne Schwenkhub. Seine patentierte Kinematik erlaubt das direkte Spannen in kleinen, schmalen Vertiefungen, Nuten, Aussparungen und geschlossenen Taschen – auch in beengten Bauräumen, mit maximaler Spannkraft und hoher Wiederholgenauigkeit.
Das Spanneisen schwenkt in einer Ebene ohne axiale Schwenkbewegung. Die Spannkraft beträgt 6,5 kN bei maximal 220 bar Betriebsdruck und 8 mm Horizontalhub; vertikal kann an jeder Position des 4-mm-Spannhubs gespannt werden.
Eine verstärkte Schwenkmechanik hält die Winkelstellung auch nach leichten Kollisionen zuverlässig. Erhältlich ist das Element in drei Baugrössen, neu mit Flansch oben oder unten, mit Kegel-, Pendelaugen- oder Gabelkopf-Aufnahme sowie rechts, links oder nicht schwenkend – alles ist vollständig frei konfigurierbar.
Neue Abstützelemente für bis zu 350 bar Betriebsdruck
Vom Nutzer selbst konfigurierbar ist die neue Baureihe von Einschraub-Abstützelementen für einen Betriebsdruck von bis zu 350 bar.
(Bild: Stark Spannsysteme)
Auch bei einer neuen Baureihe von Einschraub-Abstützelementen für bis zu 350 bar Betriebsdruck lassen sich Eigenschaften und Funktionen selbst zusammenstellen. Die Komponenten verhindern Vibrationen und das Durchbiegen von Werkstücken und können in beliebiger Lage eingebaut werden.
Verfügbar sind sie in drei Baugrössen mit Belastungskräften bis 13 kN, einfach oder doppelt hydraulisch wirkend, mit Metallabstreifkante und optionaler pneumatischer Anlagekontrolle.
Robuster Schwenkspanner mit Ultraschall-Positionskontrolle
Als drittes konfigurierbares Element zeigte Roemheld einen robusten Schwenkspanner für bis zu 350 bar. Sein Highlight ist ein neuer Sensor, der im Ölraum sitzt und den Hubweg per Ultraschall misst. Die daraus abgeleitete Kolbenposition gibt verlässlich Auskunft, ob das Element richtig, nicht oder falsch gespannt ist.
Der Sensor kalibriert sich selbsttätig und ist wartungsfrei – genauer und zuverlässiger als andere Messmethoden und damit prädestiniert für die mannlose Fertigung.
Das kompakte Element ist in vier Bauformen mit unterschiedlichen Schwenkrichtungen, -winkeln und Flanschanordnungen sowie als Einsteckversion erhältlich, mit verschiedenen Einbau-, Anschluss- und Positionskontroll-Optionen. Serienmässig wird ein metallisch geschützter Abstreifer mitgeliefert.
Stand vom 30.10.2020
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Schwere Lasten einfach bewegen und sicher fixieren
Roemheld zeigte am Beispiel eines Maschinentischs, wie ein Linearantrieb grosse und schwere Vorrichtungen über Kugelrollenleisten in Position schiebt. Absenkbare Spannelemente mit Hebelkinematik spannen sie automatisch.
(Bild: Stark Spannsysteme)
Roemheld präsentiert zudem eine einfach modifizierbare Lösung zum Bewegen und Fixieren grosser, komplexer und schwerer Vorrichtungen unter beengten Verhältnissen. In einen Maschinentisch sind Kugelrollenleisten und absenkbare Spannelemente mit Hebelkinematik eingebaut. Ein Linearantrieb schiebt die auf einer Platte montierte Vorrichtung über Kugelrollenleisten und abgesenkte Spannelemente bis zu einem festen Anschlag. Ist dieser erreicht, richten sich die Spannelemente auf und fixieren das Werkzeug beziehungsweise die Vorrichtung.
Aerospace: Freiformflächen bis zu 15 Metern Länge
Mit dem FSS-Spannsystem («Flexible Clamping and Supporting Systems») inklusive Steuerung lassen sich wechselnde Freiform-Werkstücke schnell und zuverlässig fixieren, ohne dass Kräfte auf das Bauteil wirken. Leichtbauteile aus Kunststoff und Aluminium von bis zu 15 Metern Länge können so präzise und ohne Negativform gespannt werden – neben Luft- und Raumfahrt vor allem für Automotive sowie Boots- und Schienenfahrzeugbau.
Das modulare System ist bis IP67 (auch bei Kühlwassereinsatz) nutzbar, bis ± 0,05 mm positionier- und bis ± 0,02 mm wiederholgenau. Im vollautomatischen Betrieb übernimmt es mannlos sämtliche Vorbereitungen – vom Bestücken der Grundplatte über das Positionieren bis zum Klemmen und Spannen. Die Aktuatoren mit bis zu 1000 mm ausfahrbarer, festklemmbarer Kolbenstange passen sich der Werkstückgeometrie an; Vakuumsauger an ihren Köpfen fixieren das Bauteil.
Verzugsfreies Spannen jetzt mit Höhenausgleich
Das Nullpunkt-Spannsystem «Stark.spheric» bietet neben Pendel- und Längenausgleich jetzt erstmals auch einen Höhenausgleich.
(Bild: Stark Spannsysteme)
Die Stark Spannsysteme GmbH brachte zwei grosse Innovationen mit auf die AMB. Die erste ist der «Stark.spheric», ein Nullpunkt-Spannsystem, das jetzt erstmals auch einen Höhenausgleich bietet.
Das Element dient dem verzugsfreien Spannen grosser und komplexer Werkstücke. Bei der Grossteilebearbeitung gilt es als Game-Changer, weil es innere Spannungen beim Materialabtrag kontrolliert ausgleicht.
Den innovativen Ausgleichsmechanismus gibt es jetzt nicht nur für die X- und die Y-Achse: Zusätzlich zum Pendelausgleich von ± 5° und Längenausgleich von ± 1,5 mm ist nun ein Höhenausgleich von ± 2,5 mm in der Z-Achse integriert.
Damit eignet sich das System auch für grosse Werkstücke mit sehr vielen Spannpunkten. Zur Zielgruppe zählen alle Unternehmen, bei denen verzugsfreies Spannen höhere Präzision und Prozesssicherheit ermöglicht – Luftfahrtindustrie, automatisiert fertigende Zerspaner, Systemintegratoren, Automatisierer und Maschinenbauer.
Seine Stärken zeigt es etwa bei Aerospace-Strukturbauteilen mit hohen Zerspanungsvolumina sowie bei geschweissten Grossteilen, deren Aufspannen zur Nachbearbeitung sonst aufwendig ist.
Langhubspanner «Hilma.ASH» mit Sensorik und IO-Link
Der hydraulische Langhubspanner «Hilma.ASH» mit bis zu 110 mm Spannhub ist jetzt inklusive Sensorik und Kommunikation per IO-Link für Backenbreiten von 100 mm und 125 mm verfügbar.
(Bild: Stark Spannsysteme)
Die zweite Innovation ist der hydraulische Langhubspanner «Hilma.ASH» für Backenbreiten von 100 und 125 mm, jetzt inklusive Sensorik und IO-Link-Kommunikation. Er erlaubt eine grosse Einsatzvielfalt – insbesondere für die automatisierte Zerspanung.
Die integrierten Sensoren des Schraubstocks mit bis zu 110 mm Spannhub erfassen Öffnungsposition, Spannkraft und Anlagekontrolle und ermöglichen eine kontinuierliche Zustandsüberwachung. Ein optionales Wegmesssystem ermöglicht das vollautomatische Rüsten und schliesst Bedienfehler aus.
Über die standardisierte IO-Link-Schnittstelle lassen sich Prozess- und Zustandsdaten mühelos in bestehende Steuerungs- und Monitoring-Systeme einbinden – ideal für die mannlose Bearbeitung. Der ASH kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn regelmässig Bauteile unterschiedlicher Formate gespannt werden müssen.
Er punktet mit guter Zugänglichkeit, hoher Steifigkeit und einer breiten Auswahl an Backen für jegliche Spannaufgaben. Ebenfalls verfügbar ist ein robotertaugliches Schnellwechselsystem, das sich verriegeln lässt und den Backenwechsel ganz ohne manuellen Eingriff erlaubt. Dadurch lässt sich ein grösserer Spannbereich abdecken oder die Backe zum Wechsel von der Aussen- auf die Innenspannung um 180 Grad drehen.
Den prozesssicheren automatisierten Betrieb erleichtern integrierte Luftauslässe, die die Werkstück-Auflagefläche und die Führungsbahnen reinigen und die Anlage des Bauteils kontrollieren.