Interview: Erich Schmid, CEO Mägerle AG

Schleifmaschinen für Hochvolumenzerspanung

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Wie sehen Sie die Zukunft des Werkplatzes Schweiz?

E. Schmid: Die Schweiz ist ein kleines Land, die Industrie war immer gezwungen zu exportieren. Wir Schweizer haben ein Flair, uns an die Wünsche unserer internationalen Kundschaft anzupassen. Die Kunden passen sich nicht uns an. Mein Gefühl ist, dass wir Schweizer eine bestimmte Sensibilität haben, auf Kunden aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen zuzugehen, das hat einen historischen Hintergrund. Und diese Empathie, verbunden mit unserer Flexibilität und unserem Know-how, ist sicher eine unserer ganz grossen Stärken.

Und welche Rolle wird die Schweizer Werkzeugmaschinenindustrie spielen?

E. Schmid: Wenn man sich die letzten Jahrzehnte anschaut, gab es massive Umstrukturierungen in der Werkzeugmaschinenindustrie. Es gab Zusammenschlüsse von grossen Unternehmungen, es gab kleinere Unternehmen, die sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen haben, aber auch eine beträchtliche Anzahl, die aus dem Markt ausgeschieden sind. Der WZM-Markt hat sich massiv verändert. Im Jahr 2000 wurden zwei Drittel aller WZM in Europa und den USA abgesetzt. Das hat sich innert 10 Jahren stark nach Asien verschoben. Heute werden über 60 % aller weltweit produzierten WZM in Asien installiert. Das ist eine massive Marktverschiebung. Heute muss man die Weltmärkte bedienen, das ist die grösste Herausforderung, gerade für die KMU-geprägten WZM-Hersteller.

Was bedeutet das für Schweizer WZM-Hersteller und im Besonderen für Ihr Unternehmen?

E. Schmid: Ich kann das nur für uns beantworten. Wenn wir mit dem internationalen Markt wachsen wollen, müssen wir uns an ihm orientieren. Wenn wir als Werkzeugmaschinenhersteller mit anspruchsvollem Servicedenken dort erfolgreich sein wollen, benötigen wir eine bestimmte Unternehmensgrösse. Mägerle allein wäre zu klein, aber unser grosser Vorteil ist, dass wir Teil der United Grinding Group sind und dadurch z. B. in Asien und den USA massiv profitieren können. UGG verfügt in Asien wie auch in den USA über eine hervorragende Infrastruktur und sehr gute lokale Verkaufs- und Serviceorganisationen, die wir nutzen können.

Welche zukünftige Entwicklung erwarten Sie?

E. Schmid: Wirtschaftlich lief es bisher gut. Ich denke, dass wir auch trotz des starken Schweizer Frankens zuversichtlich sein können. Unser Vorteil ist: Ohne Profilschleifmaschinen können bestimmte Werkstücke nicht gefertigt werden, das hilft uns. Die Auftragseingänge aus der Flugzeugindustrie werden weiterhin kommen. Aber man muss immer aufpassen. Wir sind einerseits von den Wirtschaftszyklen, andererseits von Industriezyklen abhängig. Industriezyklen sind spezifischer technologischer Art, denken Sie zum Beispiel an die ABS-Systeme der Autos, bei deren Einführung und Verbreitung ist für einen bestimmten Sektor die Nachfrage nach Fertigungslösungen gestiegen, obwohl damals die Weltwirtschaft nicht in bester Verfassung war. Auch der Windturbinen-Boom war ein Industriezyklus. Aktuell müssen wir uns mit dem Währungszyklus stärker als erhofft auseinandersetzen. Das können wir nicht beeinflussen, aber wir müssen darauf die richtigen Antworten finden und agieren.

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