Interview: Erich Schmid, CEO Mägerle AG

Schleifmaschinen für Hochvolumenzerspanung

| Redakteur: Matthias Böhm

Erich Schmid gemeinsam mit Jakob Schmidt, Polymechaniker-Lehrling, und Ueli Graf, Leiter Lehrwerkstatt: «Das duale Ausbildungssystem ist einer der Schweizer Erfolgsfaktoren.»
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Erich Schmid gemeinsam mit Jakob Schmidt, Polymechaniker-Lehrling, und Ueli Graf, Leiter Lehrwerkstatt: «Das duale Ausbildungssystem ist einer der Schweizer Erfolgsfaktoren.» (Bild: M. Böhm)

Die Mägerle AG ist ein Schweizer Vorzeigeunternehmen. Der Fehraltorfer Schleifmaschinenhersteller mit Konzentration auf das Profilschleifen und Schleifen hoch komplexer Bauteile gehört technologisch zu den Besten der Welt. Die SMM-Redaktion sprach mit Erich Schmid (CEO) über den Standort Schweiz und die sich hieraus ergebenden Herausforderungen im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld.

SMM: Sie haben viele WZM-Unternehmen während Ihrer 30-jährigen Laufbahn kennen lernen dürfen. Wie unterschieden sich Schweizer WZM-Hersteller von unseren internationalen Mitbewerbern?

Erich Schmid: So einfach ist das nicht zu beantworten. Ich habe Beziehungen zu schweizerischen, deutschen, amerikanischen als auch asiatischen Werkzeugmaschinen-Unternehmen gehabt. Nach meiner Wahrnehmung sind sowohl die Führungsstile sehr unterschiedlich wie auch die Geschäftsmodelle. Die Unterschiede zeigen sich am ausgeprägtesten zwischen japanischen und amerikanischen Unternehmen: Die Japaner setzen auf höchste Fertigungstiefe und denken in sehr langfristigen Zyklen. Die amerikanischen sind hingegen sehr quartalsgetrieben, d.h. stark kurzfristig orientiert. Amerikanische wie auch europäische Unternehmen setzen tendenziell eher auf kleine Fertigungstiefen im Vergleich zu japanischen Unternehmungen.

Haben die verschiedenen Fertigungs-philosophien Vor- und Nachteile?

E. Schmid: Das ist nicht mit «ja» oder «nein» zu beantworten, man kann mit beiden Fertigungsphilosophien erfolgreich sein, aber man muss sie konsequent durchsetzen.

Wie handhaben Sie es bei Mägerle?

E. Schmid: Mägerle als Profilschleifmaschinen-Hersteller gehört neben Studer/Schaudt/Mikrosa (Rundschleifen), Blohm/Jung (Flach- und Profilschleifen) und Walter /Ewag (Werkzeugschleifen) zur United Grinding Group (UGG). Unsere Gruppe setzt auf eine hohe Fertigungstiefe bei Schlüssel-Komponenten. Wir haben in der UGG mehrere Fertigungsstandorte (Thun, CH; Tschechien und China), von denen alle UGG-Hersteller Teile und Baugruppen beziehen. Als UGG verstärken wir derzeit unsere Fertigungstiefe. Mägerle ist zu klein, dass sich eine eigene Fertigung rechnen würde. Wir haben hier lediglich eine kleine Fertigung für sehr spezifische Bauteile und für die Expressfertigung. Neben UGG beziehen wir unsere Werkstücke und Komponenten auch von Zulieferern.

Das bedarf einer guten Koordination.

E. Schmid: Um die Prozesse innerhalb von UGG aufeinander abzustimmen, haben wir Lenkungskreise, die die Koordination vorantreiben. Das ist sehr komplex aber ausgezeichnet strukturiert. Dadurch ist es möglich, Synergien optimal zu nutzen, das machen wir sehr effizient.

Können Sie die Einsatzfelder Ihrer Schleifmaschinen spezifizieren?

E. Schmid: Eines unserer Merkmale ist, dass wir in der Lage sind, auch für sehr grosse Werkstücke massgeschneiderte Maschinenkonzepte zu entwickeln. Einer der treibenden Märkte für uns ist beispielsweise die Turbinenindustrie. Hier bearbeiten wir die Schaufeln, Hirth-Verzahnungen oder andere komplexe Bauteile für Turbinen. In der Automobilindustrie sind wir unter anderem in der Zahnstangenfertigung von Lenkungen tätig. Zudem werden unsere Maschinen auch für Gross-Bauteile von Windturbinen eingesetzt. Dies sind nur einige Beispiele. Unsere Maschinen kommen für ganz spezifische Anwendungen in den verschiedensten Industrien zum Einsatz. Sie sehen, wir müssen uns immer nach den Märkten richten.

Mägerle-Schleifmaschinen sind Profilschleifmaschinen, können Sie das Verfahren erklären?

E. Schmid: Wenn Sie beispielsweise Tannenbaumprofile oder Verzahnungsprofile schleifen, sprechen wir von Profilschleifen. Mit unseren Maschinen können Sie aber auch Rundschleifen von Kugellager-Laufringen realisieren. Aber, wenn wir von Schleifmaschinen reden, ist das nicht ganz korrekt, denn wir gehen zunehmend in Richtung Komplettbearbeitung. Das heisst, wir integrieren Fräs-, Bohr- und Drehoperationen und entwickeln unsere Maschinen als voll automatisierte Produktionszellen mit Teilehandling, Vermessung inklusive Nachschleifen, anschliessender Reinigung usw. Im Prinzip geht der Rohling rein, und das einbaufertige Werkstück kommt heraus. Das alles im Hochpräzisionsbereich.

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