Automationspartnerschaft von Schneider Electric und SIG erreicht neues Level

Schneider Electric investiert in Softwarekonzern

| Autor / Redakteur: Matthias Böhm, Chefredaktor SMM / Matthias Böhm

Die ehemalige ABB-Managerin Dr. Barbara Frei ist Präsidentin Schneider Electric DACH. Jürgen Sievers (li.) ist Vice-President Schneider Electric DACH. Simon Ryser ist General Manager, Schneider Electric Schweiz.
Bildergalerie: 3 Bilder
Die ehemalige ABB-Managerin Dr. Barbara Frei ist Präsidentin Schneider Electric DACH. Jürgen Sievers (li.) ist Vice-President Schneider Electric DACH. Simon Ryser ist General Manager, Schneider Electric Schweiz. (Bild: Schneider Electric)

Schneider Electric übertrifft mit 150000 Mitarbeitenden die Einwohnerzahl von Bern. Das Unternehmen entwickelt Produkte und Systeme im Bereich von SPS- und Motion-Control-Technologien. Schneider Electric hat kürzlich in das Softwareunternehmen Aveva investiert. Darüber hinaus wird die technologische Partnerschaft mit dem Schweizer Sondermaschinenbauer SIG kontinuierlich ausgebaut.

Schneider Electric ist in der Schweiz mit mehreren Standorten dezentral organisiert und verfügt unter anderem über die strategischen Unternehmensbereiche der Haustechnik (in der Schweiz u.a. Feller in Horgen) und der Industrieautomation. Das Unternehmen ist als Entwicklungs- und Produktions-Unternehmen von Automations- und Antriebstechnik-Komponenten kontinuierlich gewachsen.

DACH-Führung mit Schweizer Präsidentin

Die ehemalige ABB-Managerin Dr. Barbara Frei (Präsidentin Schneider Electric DACH) verantwortet seit dem 1. Juli 2017 die im Unternehmen neu geschaffene Region DACH. Verantwortlich für den Bereich Industrie der DACH-Region ist Jürgen Sievers, Vice-President Schneider Electric DACH-Region. Für die Schweiz ist Simon Ryser, General Manager, Schneider Electric Schweiz, verantwortlich.

Investitionen in Softwareunternehmen Aveva

Im Hardwareumfeld der elektrischen Antriebs- und Steuerungstechnik, wie Starkstrom-Schaltkomponenten, ist der Weg zum Produkt klar vorgezeichnet: von der Entwicklung / Simulation über den Prototypenbau bis hin zu den Testphasen im Feld. Passt alles, werden die Produktionsstrassen aufgebaut, um die Komponenten zu fertigen und montieren. Das sei traditionell, so J. Sievers, eine der besonderen Stärken und Kernkompetenzen von Schneider Electric.

Da im Bereich der Industrieautomation der Softwareanteil immer bedeutender wird und Schneider Electric in diesem Sektor noch nicht so aufgestellt war, wie es für die Zukunft erforderlich ist, wurde kürzlich in das Software-Unternehmen Aveva investiert. Der Börsenwert des britischen Softwareentwicklers Aveva belief sich zum Übernahmezeitpunkt der strategischen Investition auf 3,7 Mrd. CHF. Dank der Aveva-Akquisition ist Schneider Electric ab sofort in der Lage «Green Field»-Anlagen und deren Simulation zu realisieren. Das Softwareunternehmen Aveva sei damit die perfekte Ergänzung für Schneider Electric, da das Unternehmen nun vom Design bis zur Instandhaltung im Bereich des Anlagen- und Maschinenbaus sowie der Gebäudeleittechnik die komplette Prozesslinie abdeckt. Jürgen Sievers betonte ausdrücklich die strategische Bedeutung des Aveva-Zukaufs, um das Portfolio von Schneider Electric zu ergänzen.

Offene Software- und Steuerungsstrukturen

Themenwechsel: Die offenen Steuerungsstrukturen von Schneider Electric unterstützen gerade KMU-Kunden im Bereich ihrer Serviceaktivitäten. Wenn Hersteller von Maschinenlösungen ihren Kunden Zugriff auf die Software ermöglichen wollen, sind das Aspekte, die nicht selbstverständlich sind, aber für die Schneider Electric, mit seinen offenen Strukturen, hervorragende Lösungen bietet. Wenn die Maschinen sozusagen «online» sind, ist es erheblich einfacher im Störfall das Problem zu analysieren. Wenn das Problem nicht online behoben werden kann, dann weiss der Servicetechniker in der Regel bereits welches Problem vorliegt und welche Ersatzteile erforderlich sind. Das erspart eine zweite oder dritte Service-Anreise und reduziert die Dauer der Wartung und verringert letztlich die Kosten.

Die offene Architektur Plattform bietet einige Vorteile für die Kunden. Der sogenannte «Ecostruxure Machine Advisor» ist beispielsweise in der Lage Fremdsteuerungen einzubinden. So können, um nur ein Beispiel zu nennen, externe Scararoboter direkt eingebunden werden. Steuerungstechnisch verfügt Schneider Electric im Roboterbereich über ausgezeichnete Kompetenzen.

Das bietet dem Kunden einen echten Mehrwert. Er hat eine Steuerung an der Maschine weniger und damit weniger Schnittstellen. Und: Der Robotik-Markt wird wachsen. Schneider Electric verfügt inhouse über alle Roboterfunktionalitäten bezüglich Software, Steuerungs- und Antriebstechnik. Nur die Roboter-Hardware wird zugekauft.

Enge Zusammenarbeit: SIG und Schneider Electric

Schneider Electric und SIG werden künftig noch enger zusammenarbeiten und dabei die Weichen für die digitale Produktion von morgen stellen. Seit mehr als 15 Jahren kooperieren die beiden Schwergewichte: Schneider ist der Standardausrüster für elektrische Installationen und Automationspartner für SIG im Bereich Molkerei-Abfülllinien.

Die erfolgreiche Partnerschaft mit einem der weltweit grössten Hersteller von Getränkekartons und den dazugehörigen Füllmaschinen wurde nun erweitert, um auf dem Weg zur Smart Factory den Anforderungen der Zukunft in puncto Flexibilität, Konnektivität und Produktivität gerecht zu werden.

Grundlage hierfür ist ein neues Vernetzungs- und Datenaufbereitungskonzept für Bestands- und Neumaschinen, um optimale OEE-Kennziffern und Reports zu unterstützen. Darüber hinaus ist es das Ziel, beliebige bereits bestehende MES-Strukturen (Management Executive Systems) anzukoppeln und mit Hilfe standardisierter OPC UA Protokolle sicher zu bedienen. Basis hierfür ist die EcoStruxure Architektur von Schneider Electric, die Vernetzung auf jeder Ebene vom Sensor bis in die Cloud möglich macht.

Industrie 4.0: Vernetzungskonzept für Verpackungsmaschinen

Zentraler Bestandteil des Vernetzungskonzepts ist die «Green Box», ein iPC mit umfangreichen installierten Softwarepaketen. Als universelle und erweiterbare IIoT-Lösung für Verpackungsmaschinen erlaubt es die «Green Box», unterschiedlichste Maschinen anzubinden, Datenaufbereitung über Templates zu integrieren und verschiedenste Spezifikationen von Leitsystemen und MES-Schnittstellen zu bedienen. Sie überzeugt weiterhin im Bereich der Konnektivität durch ihre über 240 Treiber für verschiedene Kommunikationsprotokolle. Hiermit lassen sich sowohl alte Bestandsmaschinen als auch neue Anlagen und Steuerungen herstellerunabhängig an das gewünschte System anschliessen.

So wird ein über die Jahre gewachsener Maschinenpark fit für Industrie 4.0. Die Vorteile für den Endkunden: Maximales Wachstum durch die flexible Anpassung des Produktportfolios, Kostenreduzierung durch Produktionsstätten-übergreifende Standardisierung, Unabhängigkeit von der Architektur eines Automatisierers.

Mit Schneider Electric als strategischem Partner erhofft sich SIG weitere Vorteile bei zukünftigen Entwicklungen und Branchentrends. Zukunftssicherheit gewährleistet die «Green Box», auf der innovative Softwarepakte wie beispielsweise der «Augmented Reality Advisor» oder der Machine Advisor installiert und genutzt werden können, beispielsweise für Predictive Maintenance oder Teleservice. Hinzu kommen vorbereitete Bibliotheken mit Bausteinen und Anzeigeelementen, die die Anwendung erheblich vereinfachen. Eine Einbindung in die Cloud ist optional jederzeit möglich. AR-Applikationen bieten hohe Transparenz und Akzeptanz der Maschinenbedienung, Einrichtung und Wartung der Maschinen. Erklärende Videos mit hinterlegten Dokumentationen werden verknüpft mit einer einzigartigen Animation und Bilderkennung.

Zukunftsweisendes Steuerungs- und Sicherheitskonzept

Seit Jahren liefert Schneider Electric mit den Steuerungsplattformen «PacDrive M» und «PacDrive3» die Automatisierungs- und Antriebstechnik für Abfüllmaschinen und Downstreamlinien der SIG. Mit der Umsetzung der neuen Steuerungsgeneration «PacDrive3» setzt der Verpackungsspezialist weitere innovative Produkte von Schneider ein. Die Ethernet-basierte Echtzeit-Kommunikation mit «Sercos III» deckt sämtliche Aspekte in der Maschine ab: Maschinensteuerungsebene, E/A Feldebene, Servo-Antriebstechnik und Sicherheitstechnik kommunizieren über einen zentralen Ethernet-Bus. Die Diagnose ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Weitreichende Diagnosemöglichkeiten auch von Fremdgeräten an «Sercos III» wurden für diesen Maschineneinsatz optimiert. Diese Offenheit ist ein grosser Vorteil gegenüber weiteren Anbietern in dem Bereich. Auch durch die neue integrierte Sicherheitstechnik, sichere Logik und zuverlässige Servotechnik wird es SIG ermöglicht, komplett neue Maschinenkonzepte zu realisieren. So verschafft beispielsweise das Fahren mit offenen Schutztüren durch sicher reduzierte Geschwindigkeit dem Betreiber neue Möglichkeiten bei maximaler Maschinensicherheit. SMM

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45595416 / Firmennachrichten)