Interview mit Wendelin Egli, Geschäftsführer MSR Electronics

«Schweizer Produkte besitzen nach wie vor einen hervorragenden Ruf»

| Autor: Silvano Böni

Made in Switzerland: Die Datenlogger von MSR Electronics werden komplett in der Schweiz hergestellt.
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Made in Switzerland: Die Datenlogger von MSR Electronics werden komplett in der Schweiz hergestellt. (Bild: MSR / Patrick Hofmann)

Die Datenlogger der MSR Electronics haben schon praktisch alles überwacht; von Transportgütern in Lastwagen bis zur empfindlichen Fracht an Bord einer Rakete. Grund genug, um das Unternehmen zu besuchen und uns mit dem Geschäftsführer Wendelin Egli zu unterhalten. Dabei kam unter anderem heraus, welche Anwendung für ihn die aussergewöhnlichste war und wie das Unternehmen die schwierigen Jahre mit starkem Franken überstand.

SMM: Herr Egli, können Sie uns kurz erklären, wie die Idee für einen miniaturisierten Datenlogger entstanden ist?

Wendelin Egli: Die ersten Datenlogger sind schlicht und einfach durch ein Platzproblem entstanden. Wir hatten die Aufgabe, dazumals noch bei der Prospective Concepts AG, einem Forschungs-und-Entwicklungs-Unternehmen, während eines Fluges einen Militärpiloten zu überwachen. Einen Laptop, das übliche Gerät für solche Messungen, in das enge Cockpit zu installieren, war durch den nicht vorhandenen Platz praktisch unmöglich. Daraus entstand die Idee und Umsetzung eines autonomen, kleinen und zugleich modularen Datenloggers, welcher im Kampfanzug des Piloten platziert werden konnte. Somit war der erste Datenlogger geboren.

Und wie ist daraus die MSR Electronics GmbH entstanden?

W. Egli: MSR ist durch ein Management-Buy-out des Messtechnik-Bereichs der Prospective Concepts AG entstanden. Wir übernahmen dabei sämtliche Aktivitäten der Abteilung «Modular Signal Recorder», kurz MSR, darunter die Entwicklung, Produktion und Vermarktung sowie den Verkauf und Support der Produkte.

Werden die Datenlogger komplett in der Schweiz gefertigt?

W. Egli: Ja, wir fertigen von A bis Z in der Schweiz. Wir machen das Engineering, Layout und Tests bei uns im Haus und stellen auch erste Prototypen her. Ein Schweizer Lohnbestücker produziert dann für uns die bestellte Serie, die Endmontage findet wieder hier in Seuzach statt.

Ist Swiss Made noch ein Verkaufsargument?

W. Egli: Für uns absolut. Schweizer Produkte besitzen nach wie vor den Ruf, qualitativ hochwertig und zuverlässig zu sein. Dadurch sind die Kunden auch bereit, einen etwas höheren Preis zu bezahlen.

Sie bieten unterschiedlichste Datenlogger an. Wie weiss der Kunde, welcher der richtige für ihn ist?

W. Egli: Standard-Produkte sind heutzutage kaum mehr gefragt, der Trend geht ganz klar zum «massgeschneiderten» Datenlogger. Der Kunde wählt aus, welche Parameter er messen möchte, und wir liefern ihm das. Mittlerweile gibt es über eine Million unterschiedliche Kombinationen, welche wir produzieren können. So decken wir praktisch jede Anwendung ab.

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04.10.17 - Umfangreiche Messdaten übersichtlich darstellen, kritische Ereignisse rasch analysieren und beweiskräftig dokumentieren: Diese Möglichkeiten bietet die auf Auswertungen von Schock-Ereignissen beziehungsweise Stoss-Belastungen spezialisierte Datenlogger-Software MSR ShockViewer. lesen

Nachträglich weitere Funktionen hinzufügen ist aber nicht
möglich?

W. Egli: Nein, das ist nicht möglich. Aber genau für solche Fälle lancieren wir demnächst unser neustes Produkt, das MSR Flex-System. Hierbei ist das Grundgehäuse fix, es kann aber mit externen, intelligenten Sensoren erweitert werden. Diese Sensoren besitzen einen integrierten Mikroprozessor, welcher programmierbar ist und so gewisse Aufgaben übernehmen kann. Der Datenlogger ist ausserdem mit Sensor-Hubs modular erweiterbar, falls der Kunde in Zukunft noch weitere Sensoren anschliessen möchte.

Der Datenlogger wird so aber, ganz im Gegentrend zur Miniaturisierung, nicht gerade kompakter …

W. Egli: Das ist korrekt. Auf Wunsch kann der Kunde aber auch nur das «Innenleben» des Loggers ohne Gehäuse bestellen und benutzen. Diese Lösung wird gerade für Orte und Produkte mit knappem Platzangebot bevorzugt.

Ihre Datenlogger sind prädestiniert für die Transportüberwachung. Ist das ihr Umsatztreiber?

W. Egli: Einen beachtlichen Teil unseres Umsatzes generieren wir sicherlich mit der Transportüberwachung. Nischenmärkte und OEM-Projekte sind aber auf dem Vormarsch.

Können Sie uns von einem Beispiel aus einem dieser Nischenmärkte erzählen?

W. Egli: Ein interessantes Projekt konnten wir mit dem Landesmuseum realisieren. Unsere Logger respektive Sendemodule überwachen dort das Klima von hochsensiblen Exponaten. Installiert unter den Vitrinen werden Feuchtigkeit und Temperatur gemessen und drahtlos in die Cloud geladen und dort überwacht.

Und was waren die aussergewöhnlichsten Projekte, welche sie umsetzen konnten?

W. Egli: Nebst den Raumfahrtprojekten für die
NASA war die Überwachung von Schildkröteneiern im Basler Zoo etwas ganz Spezielles. Mit wasserdichten Loggern wurden Werte wie Temperatur und Feuchtigkeit kontrolliert, um die optimale Umgebung für die Eier garantieren zu können. Ein anderes interessantes Beispiel kommt aus Deutschland. Der TÜV benutzt da unsere Geräte, um bei Achterbahnen die Einhaltung der zulässigen G-Kräfte zu überprüfen.

Gerade den exportorientierten Unternehmen hat der starke Franken in den vergangenen Jahren stark zugesetzt. Wie ist es MSR ergangen?

W. Egli: Der grösste Schock war sicherlich die Aufhebung des Mindestkurses Anfang Januar 2015. Durch den starken Franken brach ein grosser Teil der Gewinnmarge von einem auf den anderen Tag weg. Um die Verluste aufzufangen, haben wir eine leichte Preiserhöhung beschlossen. Dank der hohen Qualität unserer Produkte wurde diese Erhöhung von unseren Kunden aber gut aufgenommen.

Trotz schwieriger Bedingungen, was schätzen Sie am Werkplatz Schweiz?

W. Egli: Wir haben das Glück, dass in der Schweiz sehr viel Know-how vorhanden ist. Insbesondere mit unseren Universitäten und Fachhochschulen sind wir in dieser Hinsicht sehr gut aufgestellt. Dies merken wir auch bei uns im Betrieb. Was die Ingenieure für ein Fachwissen von den Schulen mitbringen, ist unglaublich.

Was Sie derzeit am Werkplatz Schweiz nicht so mögen, muss wohl nicht gefragt werden …

W. Egli: Das ist natürlich ganz klar der starke Franken, der momentan die grösste Schwäche des hiesigen Werkplatzes darstellt.

Werfen wir noch einen Blick in die Zukunft. Was bringt diese im Bereich der Messdatenerfassung?

W. Egli: Im Bereich der Datenlogger wird uns sicherlich die Funktechnologie beschäftigen, ganz besonders LoRa (Long Range), ein Low-­Power-­Wireless-­Netzwerkprotokoll, welches zur Kommunikation im Internet der Dinge entwickelt wurde und grosse Reichweiten mit niedrigem Energieverbrauch verbindet. Die Miniaturisierung wird ebenfalls weiter voranschreiten und neue Möglichkeiten, die bis dato nicht absehbar sind, eröffnen.

Und was wünschen Sie sich für das Unternehmen?

W. Egli: Dass wir das Aufgebaute weiter vorantreiben, uns mit neuen Technologien befassen und deren Trends frühzeitig erkennen, um so schlussendlich ein gesundes Wachstum zu erreichen. SMM

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