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Klimaschutz: Climeworks nimmt erste Anlage in Betrieb Schweizer Start-up filtert CO2 aus der Luft

Nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hat, aus dem Weltklimavertrag von Paris auszutreten, scheint das Klimaziel von einer maximalen Klimaerwärmung von 2 Grad kaum mehr zu erreichen. Viele Massnahmen zielen darauf ab, erst gar keine Emissionen entstehen zu lassen. Ein anderer Ansatz wählte das Schweizer Unternehmen Climeworks. Die von zwei ETH-Studenten gegründete Firma hat eine Anlage entwickelt, die das CO2 direkt aus der Luft filtert.

Christoph Gebald und Jan Wurzbacher, Erfinder des Direct Air Capture Verfahren und Gründer von Climeworks vor ihrer Filter-Anlage.
Christoph Gebald und Jan Wurzbacher, Erfinder des Direct Air Capture Verfahren und Gründer von Climeworks vor ihrer Filter-Anlage.
(Bild: Julia Dunlop/Climeworks)

Der von den ETH Studenten Christoph Gebald und Jan Wurzbacher gegründete ETH-Spin-off Climeworks war zu Beginn ein Geheimtipp. Ihre Idee, das Treibhausgas CO2 aus der Luft zu waschen, machte Hoffnung für den internationalen Klimaschutz. Climeworks hat seit damals hart an der Umsetzung ihrer Idee, dem sogenannten Direct Air Capture Verfahren, gearbeitet. Nun konnte Climeworks auf dem Dach der Kehrichtverwertung Zürich Oberland (KEZO) in Hinwil die weltweit erste Anlage in Betrieb nehmen, die kommerziell CO2 aus der Luft filtriert.

Wohin mit dem CO2?

Auch wenn das Verfahren funktioniert - eine wichtige Frage bleibt: Was geschieht mit dem aus der Luft gefilterten CO2? Hier hat sich Climeworks etwas cleveres überlegt: das Unternehmen will das Gas als Rohstoff verkaufen. Als potenzieller Abnehmer bietet sich die Landwirtschaft an, den dort gilt CO2 als wertvoller Dünger. Richtig dosiert, lässt das Gas Pflanzen bis zu 20% schneller wachsen. «Die Pflanzen werden kräftiger und grösser», sagt Fritz Meier, der bei der Gebrüder Meier AG im schweizerischen Hinwil für die Gewächshausproduktion zuständig ist. Ab sofort erhält der landwirtschaftliche Betrieb das CO2 nicht mehr aus industriellen Quellen per LKW, sondern erstmalig von Climeworks.

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Bereits im Jahr 2008 besuchten Christoph Gebald und Jan Wurzbacher den Familienbetrieb der Gebrüder Meier. «Wir stellten unser Konzept vor und schlossen eine Absichtserklärung über den möglichen Kauf, wenn es uns gelingt, eine entsprechende Anlage zu bauen», erinnert sich Christoph Gebald. Anschliessend entstand im Rahmen des Venture Challenge Kurses an der ETH Zürich ein erster Businessplan. Neun Jahre später thront die weltweit erste kommerzielle Anlage ihrer Art auf dem Dach der nur 400 Meter entfernt liegenden Müllverwertungsanlage des Zweckverbands Kehrichtverwertung Zürcher Oberland KEZO. «Seit unserem ersten Besuch hier haben wir den Sprung von einigen Millilitern pro Tag im Labor auf 900 Tonnen pro Jahr im industriellen Massstab geschafft», sagt Climeworks-Geschäftsführer Christoph Gebald stolz.

Das Direct Air Capture Verfahren hat Christoph Gebald und Jan Wurzbacher inzwischen mit einem Team von über 40 Experten zur kommerziellen Verfügbarkeit weiterentwickelt.

18 Kollektoren filtern 900 Tonnen CO2

Die 18 CO2-Kollektoren sind in drei Schiffscontainern übereinander auf dem Dach der Müllverwertungsanlage und in Sichtweite zu den Gewächshäusern installiert. «Die Ventilatoren aussen dienen dazu, die Umgebungsluft anzusaugen», erklärt Christoph Gebald. Im Inneren jedes Kollektors findet dann der eigentliche Adsorptions-Desorptions-Prozess statt.

Die CO2-reduzierte Luft wird wieder herausgeblasen. «Unsere Filter werden innerhalb weniger Stunden mit CO2 gesättigt»,beschreibt Christoph Gebald.

Um den Desorptions-Prozess zu starten, wird das gesättigte Filtermaterial auf ca. 100 Grad Celsius erhitzt. «Hierzu nutzen wir die Abwärme der KEZO und sind damit besonders ressourcenschonend», erklärt Christoph Gebald. Dabei wird das hochreine CO2 freigesetzt und der Leitung zugeführt, die die Gewächshäuser der Gebrüder Meier mit dem Gas versorgt. Pro Jahr kauft der landwirtschaftliche Betrieb Climeworks 900 Tonnen des Gases zu marktüblichen Preisen ab.

«Die Nutzung von CO2 aus der lokalen Umgebungsluft passt zu unseren nachhaltigen Produktionsgrundsätzen und unterstützt die Vermarktung unserer Produkte», sagt Meier. Das Wachstum von Gurken oder Tomaten, die das Unternehmen für den schweizerischen Grosshandel anbaut, wird deutlich gesteigert. Bislang muss dafür eigens ein LKW aus grösserer Entfernung den CO2-Tank auffüllen.

Langfristig hat das Unternehmen aber deutlich grössere Pläne: Ab dem Jahr 2025 sollen jährlich etwa ein Prozent der weltweiten CO2-Emissionen wieder aus der Luft gefiltert werden. Dafür müssten theoretisch 250.000 Filteranlagen wie in Hinwil errichtet werden. <<

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