6. SMM Kongress am 30. November in der Messe Luzern SMM Kongress: Unternehmen Zukunft – Industrie 2025

Redakteur: Matthias Böhm

Am 30. November findet der 6. SMM Kongress in der Messe Luzern statt. Nichts Geringeres als die Zukunft des Werkplatzes Schweiz steht im Fokus und wie die Unternehmen ihre Zukunft strategisch angehen. Matthias Böhm, Chefredaktor SMM, zeigt im Interview auf, was die Teilnehmer am SMM Kongress erwartet.

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(Bild: SMM)

SMM: Der SMM Kongress gilt als fixer Event in der MEM-Branche. 2016 ging es um Lean Manufacturing. Das diesjährige Thema lautet «Unternehmen Zukunft – Industrie 2025». Worum geht es konkret?

Matthias Böhm: Generell haben wir bei der Auswahl der Unternehmen darauf geachtet, dass sie sich in den letzten beiden Jahrzehnten erfolgreich am Markt behaupten konnten, und möchten herausfinden, wie diese Unternehmen sich in Zukunft strategisch ausrichten werden. Bis auf das Unternehmen Paul Horn GmbH werden nur Referenten von Schweizer Unternehmen referieren. Über eine Sonderstellung verfügt aus meiner Sicht Marenco Swisshelicopter. Hier handelt es sich um ein junges Unternehmen, das eine Pionierleistung zu realisieren hat. Aus meiner Sicht ein enorm mutiges Unterfangen, im Glarnerland eine Helikopter-Produktion und -Entwicklung aus dem Nichts aufzubauen. Ich bin sehr gespannt, wie die aktuelle Situation vor Ort ist und wann die ersten Schweizer Marenco-Helikopter in die Luft gehen. Wir konnten den CEO Andreas Löwenstein gewinnen, der über die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des jüngsten Schweizer Luftfahrtunternehmens referieren wird.

Warum haben Sie ein deutsches Unternehmen mit in das Programm genommen?

M. Böhm: Zugegeben, die Industrie-Standorte Deutschland und Schweiz verfügen seit dem Jahr 2000 über eine komplett unterschiedliche Dynamik. Deutschland konnte das Industrie-Exportvolumen seit 2000 bis heute verdoppeln, in der Schweiz stagnierte das Exportvolumen. Dass wir die Paul Horn GmbH für ein Referat angefragt haben, liegt nicht zuletzt daran, dass sie einer der am stärksten wachsenden Werkzeughersteller Deutschlands ist. Unter dem aktuellen Inhaber und CEO Lothar Horn hat sich die Belegschaft verzehnfacht. Das ist beachtlich. Als Unternehmer scheint er einige Weichen richtig gestellt zu haben. Interessant wird sein, wie er die Weichen für die Zukunft stellt.

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Aus der Schweiz haben Sie mit Urma ebenfalls einen Werkzeughersteller im Programm.

M. Böhm: Urma ist das beste Beispiel, wie man sich am anspruchsvollen Schweizer Werkplatz neu positionieren musste, um Wachstum zu generieren. Das inhabergeführte Unternehmen hat seit dem Jahr 2000 einige ganz wesentliche Schritte in die Wege geleitet, um Wachstum zu generieren. Sie haben ihr Technologiesegment erweitert. Dazu gehört u. a. die Integration des Werkzeugmaschinengeschäfts, das sie zuvor nicht hatten. Darüber hinaus haben sie im Jahr 2007 ein neues Produktsegment (Reibahlen) entwickelt, mit dem sie sich international hervorragend positionieren konnten und vor allem in die Automobilindustrie liefern konnten. Auch die Strategie der Internationalisierung ist ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor. Aus meiner Sicht ein Unternehmen, das sich ständig und erfolgreich neuen Anforderungen angepasst hat und neue Lösungen und Wege gefunden hat.

Was erwarten Sie sich vom Vortrag der GF Machining Solutions?

M. Böhm: GF Machining Solutions ist ein Werkzeugmaschinenhersteller mit einem eindrücklich breiten Portfolio. Er spielt weltweit in der ersten Liga. Wer das Unternehmen über die letzten zehn Jahre beobachtet hat, erkennt, wie es sich kontinuierlich gewandelt hat und regelmässig mit modernsten Technologien – sei es im Erodieren, im Fräsmaschinenbereich oder in der jungen Sparte der Lasertechnik – an den Markt gegangen ist. Stefan Dahl (Head of Technology Unit New Technologies) wird aufzeigen, wie anhand von innovativen Fertigungstechnologien die Grenzen des Möglichen verschoben werden, um neue Märkte zu entwickeln.

Mit Swissmechanic haben Sie den wichtigsten KMU-Verband in der MEM-Branche als Partner. Wie wichtig sind solche Partnerschaften?

M. Böhm: Swissmechanic gehört aus meiner Sicht den bedeutendsten Schweizer Industrieverbänden. Swissmechanic ist ein hervorragender Partner, den wir sehr schätzen. Die Mitgliedsfirmen von Swissmechanic, typischerweise produzierende KMU, bilden das Rückgrat der Schweizer Industrie. Viele dieser kleinen und mittleren Unternehmen verfügen über ein immenses Know-how. Letztlich sind auch die grossen OEM auf das hervorragende Netzwerk der Schweizer Zulieferbranche angewiesen. In der Regel bekommt man in der Schweiz in einem Umkreis von 50 km alle technologischen Dienstleistungen. Swissmechanic unterstützt die KMU mit einem breiten Angebot an Dienstleitungen von der Lehrlingsausbildung über die Weiterbildung bis hin zur Rechtsberatung. Ohne die Swissmechanic-Unternehmen wäre der Werkplatz Schweiz nicht das, was er heute ist.

Mit Burckhardt Compression und dem VR-Präsidenten Valentin Vogt konnten Sie einen der grossen Schweizer OEM gewinnen.

M. Böhm: Wir haben aus meiner Sicht generell eine ganz hervorragende Auswahl an Referenten getroffen in diesem Jahr. Mit Valentin Vogt von Burckhardt Compression, der als VR-Präsident die strategische Verantwortung für ein 2000 Mit­arbeiter starkes und international tätiges Unternehmen hat, haben wir einen Top-Referenten für unseren SMM Kongress gewinnen können. Burckhardt Compression verfügt darüber hinaus über einen ganz hervorragenden Produktions­standort in Winterthur. Aus meiner Sicht ein Vorzeigeunternehmen.

Der Sensorhersteller Kistler scheint thematisch aus einer anderen Richtung zu kommen.

M. Böhm: Absolut, Kistler ist ein wichtiges Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern. Bei Kistler steht sicher an erster Stelle die Sensor-Entwicklung, -Fertigung und -Produktion. Aber Kistler ist weit mehr als das. Sie züchten sogar ihre eigenen Kristalle für ihre High-End-Sensoren. Man glaubt es gar nicht, was in der Schweiz alles passiert. Das ist sozusagen deren «Heiliger Gral». Rolf Sonderegger (CEO und Inhaber) hat das Unternehmen in den letzten Jahren sehr erfolgreich geführt und wird sicher einiges an Input geben, wo die Reise in den nächsten 10 Jahren hingehen kann.

Letztes Jahr war die Technische Universität Darmstadt zu Gast, dieses Mal ist es die ETH Zürich. Wie wichtig ist es, Experten aus der Grundlagenforschung mit dabei zu haben?

M. Böhm: Es ist immer wieder hoch spannend, das Neueste aus der Forschung und Entwicklung präsentiert zu bekommen. Prof. Dr. Mirko Meboldt ist gleichwohl sehr nah an der Praxis. Er wird am Kongress aufzeigen, welche Rolle additive Fertigung spielen kann. Vor allem aber soll es darum gehen, die eigentlichen Potentiale im Bereich der additiven Fertigung voll auszuschöpfen.

Mit PB Swiss Tools und der Otto Hofstetter AG sind typische produzierende Unternehmen vertreten.

M. Böhm: Das sind zwei Unternehmen mit komplett unterschiedlichen Segmenten. Otto Hofstetter ist einer der erfolgreichsten Schweizer Werkzeug- und Formenbauer mit einer hochgradig internationalisierten Ausrichtung. Das Unternehmen verfügt über eine hoch automatisierte und vernetzte Produktion. Ein Vorzeigebeispiel ohnegleichen. Stefan Zatti (Verkaufsleiter und Marketing Manager) wird aufzeigen, wie man sich im Werkzeug- und Formenbau erfolgreich internationalisiert und wächst – und das vom Zürcher Oberland aus. PB Swiss Tools aus dem Emmental kennt in der Schweiz heute praktisch jeder. Sie produzieren qualitativ sehr hochwertige Werkzeuge. Sie haben mittlerweile eine Marke aufgebaut, die vergleichbar ist mit Victorinox. Nicht zuletzt dank der herausragenden Qualität, die hier produziert wird. Eva Jaisli (CEO und Mitinhaberin) wird die zukünftige Unternehmensstrategie vorstellen.

Viele der Unternehmen, die einen Referenten stellen, sind Schweizer KMU. War das eine bewusste Entscheidung, damit die Besucher eben nicht die immer gleichen Konzernlösungen zu sehen und hören bekommen?

M. Böhm: Der Werkplatz Schweiz ist zu 90 Prozent KMU-geprägt. Gleichwohl ist es so, dass die grossen Unternehmen, wie MAN Diesel & Turbo, VAT, Burckhardt Compression, Sulzer, ABB, die exportorientierten Zugpferde sind. Die KMU bilden das Rückgrat als unverzichtbare Zulieferunternehmen u. a. für die OEM. Am Kongress geht es immer auch um die Frage, wie man ein KMU im sich verändernden technologischen Umfeld erfolgreich in die Zukunft führt. Ich bin überzeugt, dass das Interesse unserer Kongress-Besucher daran am grössten ist.

Auch das Thema Lean Manufacturing wird behandelt.

M. Böhm: Ja, das ist nach wie vor ein ganz wichtiges Themenfeld. Gerade im KMU-​Bereich besteht im Bereich Lean Manufacturing erheblicher Nachholbedarf. Lean-Methoden in Unternehmen strukturiert anzugehen und schliesslich umzusetzen, bleibt nach wie vor eine Herausforderung. Deshalb bin ich froh, dass wir mit Julian Mundl (Projektleiter und Senior Consultant Lean Management) einen kompetenten Referenten von Noventa Consulting gewinnen konnten, der das Thema sehr praxisnah vermitteln kann.

Warum lohnt es sich als Besucher teilzunehmen?

M. Böhm: Ich denke es ist immer bereichernd, zu erfahren, wie andere Unternehmen ihre Aufgaben meistern, Probleme angehen und Strategien für die Zukunft entwickeln. Solche Inputs sind für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg äusserst nützlich. Zudem ist es auch eine ideale Plattform, qualitativ hochwertige Kontakte zu knüpfen. Der SMM Kongress hat sich fest etabliert, dadurch haben wir einen sehr hohen Anteil an Entscheidern am Kongress. Insofern ist ein Networking auf hohem Niveau für die Teilnehmer möglich. Nicht nur ich, sondern das gesamte SMM- und MSM-Team, insbesondere unsere Marketing- und Eventmanagerin Nas­tassja Neumaier (siehe Kontaktdaten), freuen sich über Ihre Anmeldung. SMM

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