4. SMM-Kongress Spannsysteme werden «intelligenter»

Redakteur: Matthias Böhm

Das Unternehmen Gressel verfügt über eine hoch automatisierte Fertigung ihrer Spannsysteme. Darüber hinaus bietet Gressel als Generalunternehmen autonome Automations-Lösungen an. Der SMM hat Geschäftsführer Jörg Maier zum Thema Industrie 4.0 und automatisierte Fertigungsprozesse befragt, wohin sich der Werkplatz Schweiz entwickelt.

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Im Bild ein Werkstückspeicher des Typs P60, der für die automatisierte Beschickung eines vertikalen Bearbeitungscenters sorgt.
Im Bild ein Werkstückspeicher des Typs P60, der für die automatisierte Beschickung eines vertikalen Bearbeitungscenters sorgt.
(Bild: Gressel)

SMM: Gressel ist bekannt für seine Spanntechnik. Welche Möglichkeiten bietet Ihr Unternehmen, um Fertigungsprozesse zu automatisieren?

Jörg Maier: Grundsätzlich automatisiert Gressel mit drei Systemen je nach Anforderung an die Automationslösung vor Ort: Fastems, Werkstückspeicher (Fastems im Kleinformat) sowie Roboter-Direktbeladung.

Wo sehen Sie den Unterschied und Gemeinsamkeiten zwischen der in den 80er-Jahren forcierten CIM-Technologie und Industrie 4.0?

J. Maier: CIM konnten sich die KMU im Normalfall kaum leisten. Heute sind die Technologien viel günstiger und darum kann auch ein Kleinunternehmen Industrie 4.0 umsetzen. Ein weiterer Unterschied ist, dass beim CIM-Ansatz der Mensch ersetzt werden sollte, bei Industrie 4.0 wird der Mensch in den Prozess integriert.

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Die Schweiz ist bekannt für ihre KMU-Struktur. Wie sehen Sie die Möglichkeiten, dass sich Industrie 4.0 in der Schweiz realisieren lässt?

J. Maier: Wie schon gesagt, die Technologien sind erschwinglicher, ich sehe, dass einzelne Ansätze realisiert werden können. Für die durchgängige Prozessumstellung auf Industrie 4.0 kommen aus meiner Sicht wenige Unternehmen in Frage, das liegt aber daran, dass es auch nicht überall benötigt wird.

Gressel selbst verfügt über eine hoch automatisierte Fertigung ihrer Spannsysteme. Können Sie beschreiben, wo Sie hier Schwerpunkte setzen?

J. Maier: Bezogen auf die Fertigung, würde ich den gleichen Fokus legen wie in der Antwort zu der ersten Frage. Bezogen auf die Spannsysteme: Der Trend geht zu angetriebenen Spannsystemen; pneumatisch, hydraulisch und elektrisch. Dabei werden die Spannsysteme immer «intelligenter»; mit Überwachungssensoren betreffend Lage und Position der Spannbacken, in Zukunft wird auch die Spannkraft während der Bearbeitung überwacht und eventuell sogar geregelt.

Wie hoch sind Ihre Spindellaufzeiten in Ihrer Produktion im Optimalfall und wie realisieren Sie das?

J. Maier: Wir realisieren aktuell bis 5000 Stunden Spindellaufzeiten pro Jahr durch 24-Std.-Betrieb, mit möglichst geringem Personaleinsatz. Das ist möglich dank den oben genannten drei Automatisierungs­ansätzen.

Wo haben Sie bei Gressel in der Produktion Industrie 4.0 bereits realisiert und wo sehen Sie noch Potential?

J. Maier: Realisiert haben wir es im Bereich der Werkzeuge; die Werkzeugdaten gehen vom Voreinstellgerät auf einem RFID-Chip am Werkzeug in die Maschine. Auch realisiert haben wir es im Bereich CAD-CAM; da ist ein durchgängiger Datenaustausch vorhanden. Potential gibt es noch viel, im Folgenden die naheliegenden Potenziale, dies ist aber nicht abschliessend.

  • Auswertungen machen, heute generieren wir viele «Datenfriedhöfe».
  • Visualisierung; Bsp. Zeichnungen im Prüfbereich auf Tablets oder Bildschirmen.
  • Prozessüberwachung und Prozess-Steuerung; beim Fräsen entstehen Vibrationen, das kann im Spannmittel gemessen, ausgewertet und Parameter aufgrund von Erfahrungswerten verändert werden, damit diese Vibrationen verhindert oder reduziert werden können.
  • Prozess-Dokumentation; alle Fertigungsdaten erfassen und dokumentieren, dadurch kann eine Rückverfolgbarkeit pro Werkstück generiert werden. <<

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