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Tornos kämpft an zwei Fronten Strukturwandel und Corona setzen Tornos zu

| Redakteur: lic.rer.publ. Susanne Reinshagen

Auch die Tornos Gruppe wurde von der Corona-Pandemie hart getroffen. Dies nachdem aufgrund des Strukturwandels in der Automobilindustrie die Nachfrage nach Tornos-Maschinen ohnehin deutlich zurückgegangen war. Die Halbjahreszahlen 2020 widerspieglen diese Situation deutlich.

Der Strukturwandel in der Automobilindustrie und die Corona-Pandemie hinterlassen tiefe Spuren bei den Halbjahreszahlen 2020 von Toronos.
Der Strukturwandel in der Automobilindustrie und die Corona-Pandemie hinterlassen tiefe Spuren bei den Halbjahreszahlen 2020 von Toronos.
(Bild: Tornos/Gataric-Fotografie.ch)

Die Corona-Krise hat auch die Tornos Gruppe mit grosser Wucht getroffen. Ihr Geschäft wurde im ersten Semester 2020 zeitweise weltweit praktisch lahmgelegt. Der Ausbruch der Pandemie erfolgte, als die Nachfrage nach den Langdrehautomaten und Mehrspindelmaschinen von Tornos aufgrund des Strukturwandels in der Automobilindustrie bereits deutlich zurückgegangen war.

Entwicklung der wichtigsten Kennzahlen

Insgesamt erzielte die Tornos Gruppe im ersten Halbjahr 2020 einen Nettoumsatz von CHF 56,2 Mio. (erstes Halbjahr 2019: CHF 117,2 Mio., -52,1%) und einen Auftragseingang von CHF 42,8 Mio. (erstes Halbjahr 2019: CHF 76,9 Mio., -44,3%). Das operative Ergebnis lag für das erste Halbjahr 2020 bei CHF -13,1 Mio. (erstes Halbjahr 2019: CHF 8,9 Mio.), das Nettoergebnis bei CHF -13,9 Mio. (erstes Halbjahr 2019: CHF 9,0 Mio.). Die Liquidität der Gruppe sei auch in dieser schwierigen Situation jederzeit gesichert gewesen, berichtet das Unternehmen.

Von den markanten Veränderungen waren alle Marktsegmente und Maschinentypen betroffen. In wirtschaftlich schlechteren Zeiten verkauft Tornos in der Regel mehr Maschinen aus asiatischer Produktion, die im mittleren und tieferen Preissegment angesiedelt sind. So stammen fast 60% der von Tornos im ersten Halbjahr 2020 verkauften Maschinen (in Stückzahlen) aus den Produktionsstätten in China und Taiwan.

Kosteneinsparungen, Stellenabbau und Kurzarbeit

Bereits im Laufe des zweiten Semesters 2019 hatte Tornos mit verschiedenen Massnahmen auf die negativen Marktentwicklungen reagiert. Mit rigorosen Kosteneinsparungen beispielsweise und mit einem Stellenabbau. Die Zahl der Mitarbeitenden der Gruppe sank von 729 per Ende 2019 auf 636 per Ende Juni 2020. Der grösste Teil der Abnahme betraf die Schweizer Standorte Moutier und La Chaux-de-Fonds. Der Abbau erfolgte überwiegend bei den temporär angestellten Mitarbeitenden. Weitere Stellen hat Tornos in den Produktionswerken in China und Taiwan sowie in ihren Verkaufs- und Service-Gesellschaften abgebaut. An verschiedenen Standorten in der Schweiz und im Ausland führte Tornos Kurzarbeit ein. Der Stellenabbau hatte Einsparungen von CHF 9,3 Mio. zur Folge, die Einführung der Kurzarbeit entlastete die Halbjahresrechnung um CHF 3,8 Mio. Darüber hinaus hat der Verwaltungsrat entschieden, auf die ursprünglich geplante Dividende für die Aktionäre zu verzichten.

Die Sparmassnahmen führte Tornos im ersten Semester 2020 konsequent fort. Dadurch ist es der Gruppe gelungen, die operativen Verluste in Grenzen zu halten. Stark belastet wurde das Ergebnis jedoch durch die Rückstellungen auf Warenvorräte in der Höhe von CHF 8,1 Mio., die aufgrund der längeren Lagerhaltung und des geringeren Verbrauchs gebildet werden mussten.

Veränderungen in der Geschäftsleitung

Bruno Edelmann, CFO, und Bruno Allemand, Head of Sales & Marketing, haben sich beide im Juni 2020 entschieden, die Tornos Gruppe zu verlassen und neueHerausforderungen anzunehmen. Bruno Edelmann übergibt sein Amt am 1. September 2020 dem bisherigen Head of Global Supply Chain Management, Luc Widmer, der von 2012 bis 2015 bereits als CFO der Tornos Gruppe tätig war. Bruno Allemand wird sein Engagement bei Tornos Ende 2020 abschliessen.

Jens Thing neuer Chief Sales Officer

Der Verwaltungsrat der Tornos Gruppe hat am 10. August 2020 Jens Thing zum neuen Geschäftsleitungsmitglied und Chief Sales Officer bestimmt. Der 56-jährige Däne ist seit 30 Jahren fest in der Schweiz verankert, verfügt über einen MBA-Abschluss und über grosse internationale Management Erfahrung in der Werkzeugmaschinenindustrie, die er sich in verschiedenen Führungspositionen unter anderem bei Mikron und GF AgieCharmilles angeeignet hat. Seit 2014 ist Jens Thing als Managing Director des weltweit führenden Standard-Maschinenherstellers Haas Automation Europe in Brüssel tätig. Er wird seine neue Aufgabe bei Tornos Anfang 2021 übernehmen.

Schwache Nachfrage bei Mehrspindelmaschinen

Die in der Schweiz produzierten Langdrehautomaten SwissDECO und SwissNano 7 haben im ersten Halbjahr 2020 zwar weitere überzeugte Abnehmer in der Medizin- und Dentaltechnik sowie in der Elektronikindustrie gefunden. Insgesamt aber musste Tornos bei sämtlichen Produktgruppen deutliche Auftragsrückgänge hinnehmen. Aufgrund der konjunkturellen Situation besonders schwach ist die Nachfrage zurzeit bei den Mehrspindelmaschinen.

Ausblick

Ein Ausblick ist aufgrund der aktuellen Unwägbarkeiten zurzeit äusserst schwierig. Die anstehenden Herausforderungen sind gross. Tornos geht von einer langsamen Erholung der globalen Märkte im Jahr 2021 aus. Insgesamt rechnet die Gruppe für das zweite Halbjahr 2020 noch nicht mit grundlegenden Veränderungen und mit einem Nettoumsatz in ähnlicher Grössenordnung wie im ersten Halbjahr 2020. Entsprechend werden auch die Resultate auf Stufe EBIT und Nettoergebnis in ähnlichem Rahmen negativ ausfallen. Mittel- und langfristig bleibt Tornos aber zuversichtlich. <<

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