Exklusivinterview mit Michael Hauser, CEO Tornos SA

Tornos S.A.: mit neuen Technologien in die Zukunft

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Es gibt ja andere Unternehmen in ihrem Sektor, die haben eine sehr niedrige Fertigungstiefe und kaufen alles bei Zulieferern. Das kann sich auch rechnen. Sind das zwei verschiedene Philosophien?

M. Hauser: Das sind zwei verschiedene Philosophien. Bevor ich bei Tornos angefangen habe, arbeitete ich in Unternehmen, die keine Fertigungstiefe, nur eine Endmontage gehabt haben. Das geht, braucht aber natürlich eine grosse Disziplin beim Einkauf und bei der Beurteilung der Lieferanten. Es führt auch dazu, dass in einer hochkonjunkturellen Phase der Profit nicht entsprechend hoch ist, weil Sie einiges an Gewinn beim Lieferanten lassen. Bei einem allfälligen Konjunkturabschwung haben Sie dafür nicht die Kosten.

Wie muss sich Tornos aufstellen, dass Sie weiterhin eine schwergewichtige Rolle im Drehmaschinensektor spielen?

M. Hauser: Man muss innovativ sein und man muss verstehen, was die Kunden wollen. Wir haben vor einem Jahr in eine neue Technologie investiert. Es geht um Oberflächenbehandlung bzw. Beschichtungstechnologie. Wir haben ein Patent erworben und die dazugehörige Maschine und die Prozesse weiterentwickelt. Tornos hat realisiert, dass die Kunden aus der Automobilindustrie und aus dem Medizinbereich ihre Teile beschichten lassen. Wir sprechen da von eloxieren, phosphorizieren und es geht um Themen wie Entgraten und Entfetten von Materialien wie Aluminium und Titan. Die Beschichtung hilft die Oberflächen zu schützen oder die Typologie der Oberfläche besser zu machen, das heisst, den Verschleiss zu minimieren.

Verstehe ich das richtig, Tornos geht in einen völlig neuen Technologiebereich rein?

M. Hauser: Ja, absolut. Wir haben ein Beschichtungssystem namens Cyklos entwickelt, von dem wir uns einiges versprechen. Es geht um die Oberflächenbeschichtung, die man heute bei Beschichtungszulieferern machen lassen kann. Die Logistik ist oft aufwändig und die Qualität können Sie nur schwer prüfen. Wir haben uns deshalb zur Aufgabe gemacht, eine Standard-Beschichtungsanlage zu entwickeln. Sie ist sieben Meter lang und zwei Meter breit. Im Prinzip ein patentiertes Trommelsystem mit Paletten, die durch die Maschine laufen. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir mit dieser Anlage ein Marktsegment aufbauen werden, das sich in den nächsten Jahren sehr positiv entwickeln wird.

Wo haben Sie das Know-how her?

M. Hauser: Das haben wir von einem unserer Kunden eingekauft, der diesen Prozess über Jahrzehnte entwickelt hat. Die Grundidee und der Prozess waren vorhanden, die Maschine und die ganze Installation mussten weiterentwickelt werden.

Funktioniert das wie ein Beschichtungsautomat von Balzers beispielsweise?

M. Hauser: Nein, das ist nicht vergleichbar. Wir können alle Arten von Beschichtungen auf engstem Raum machen. Bei der Beschichtungstechnologie gibt es das, wie wir es anbieten, heute nicht. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, diese Lücke mit unserer Standardmaschine abzudecken.

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