Exklusivinterview mit Michael Hauser, CEO Tornos SA Tornos S.A.: mit neuen Technologien in die Zukunft

Redakteur: Matthias Böhm

>> Mit dem Drehmaschinenhersteller Tornos hat sich in Moutier sozusagen ein Schmelztiegel der Präzisionsmechanik herausgebildet. Das liegt unter anderem daran, dass Tornos nach wie vor auf höchste Fertigungstiefe setzt und somit in allen Fertigungsbereichen am Puls der Zeit ist. Im Exklusiv-Interview sagt der neue CEO Michael Hauser, wie er die Zukunft von Tornos sieht. Wir stellen Fragen, die auch Moutiers Bürgermeister interessieren. Bei einer Aussage ist sich M. Hauser 100 %ig sicher: Werkzeugmaschinen werden nicht aussterben.

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"Die Fertigungstiefe bei Tornos erlaubt eigentlich alles zu bauen." Michael Hauser, CEO Tornos S.A. (Bild: Thomas Entzeroth)
"Die Fertigungstiefe bei Tornos erlaubt eigentlich alles zu bauen." Michael Hauser, CEO Tornos S.A. (Bild: Thomas Entzeroth)

SMM: Soweit ich mich erinnere, war Ihr Kindheitstraum, Geschäftsführer eines Baggerunternehmens zu werden. Als neuer CEO wollen Sie sicher etwas verändern. Verwirklichen Sie jetzt ihren Kindheitstraum bei Tornos?

Michael Hauser: Das stimmt, Sie haben eine gute Erinnerung. Aber, ob ich meinen Kindheitstraum bei Tornos verwirklichen kann …, ich vermute eher nicht, aber ich bin nahe daran, etwas zu bauen. Die Fertigungstiefe bei Tornos erlaubt eigentlich alles zu bauen. Ich bin somit meinem Traum sehr nahe, aber Bagger werden es wohl keine werden.

Sie sind ja ein Kind der europäischen Werkzeugmaschinenbranche mit Stationen in Deutschland, Italien bei GF AgieCharmilles und jetzt bei Tornos. Funktioniert die Schweizer Maschinenindustrie anders als in Italien oder Deutschland?

M. Hauser: Nein, generell ist es das gleiche. Auch bei Tornos produzieren wir Investitionsgüter. Wir nutzen die gleichen Technologien und mit Ausnahme unseres Abnehmermarktes – wir sind in der Uhrenindustrie stark verankert – ist das Geschäft wie bei den anderen WZM-Herstellern.

Sie sind jetzt sechs Wochen bei Tornos. Gibt es gleichwohl Unterschiede und Besonderheiten, die Ihnen aufgefallen sind?

M. Hauser: Ja, natürlich gibt es Besonderheiten, zum einen die Abnehmergruppen. Tornos baut heute wie gestern Produktionsmaschinen, also Werkzeugmaschinen (Langdrehautomaten oder Mehrspindeldrehautomaten) für die Hochvolumenproduktion. Die Abnehmer unserer Produkte sind in der Präzisionsindustrie zu Hause, allen voran die Uhrenindustrie. Es gibt so gut wie keinen Uhrenhersteller, der nicht eine Tornos-Maschine hat, das sind etwa 20 % unseres Umsatzes. Das zweite grosse Standbein von Tornos ist die Medtec-Industrie. Orthopädische Schraubenteile und Dentalimplantate werden in der Regel auf unseren Maschinen zerspant. Der dritte Bereich ist die Automobil-Industrie. Das war immer schon ein Bereich von Mehrspindeldrehautomaten. Zusätzlich sind wir stark in der Elektronik-Industrie zu Hause.

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