High-Speed-Pressenstrassen Transfersysteme für die Fabrik der Zukunft

Redakteur: Luca Meister

>> In der ersten Jahreshälfte präsentierte der Geschäftsbereich «Press Automation» der Güdel AG anlässlich seiner Hausmesse die zweite Generation des Einarm-Transfersystems «RoboSpeed». Gleichzeitig wurde ein Gesamtüberblick über das Produkt- und Systemportfolio gegeben. Hochrangige Vertreter führender Pressenbauer trafen in Langenthal leitende Mitarbeiter der Automobilbranche. Sie besuchten ein Traditionsunternehmen, das sich durch konstante Innovationen global erfolgreich etabliert hat.

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Bild 3: SMT-Trockenreinigungslage, die mit einer Schmierstoffaufbringungsanlage kombiniert ist und auf einem gemeinsamen Grundgestell aufgebaut ist.
Bild 3: SMT-Trockenreinigungslage, die mit einer Schmierstoffaufbringungsanlage kombiniert ist und auf einem gemeinsamen Grundgestell aufgebaut ist.
(Bild: Güdel)

1954 gründete Alfred Güdel das Unternehmen als Lohnfertiger für den regionalen Maschinenbau. Aus der anfänglichen Produktion von Zahnrädern und Zahnstangen entwickelten die Fachleute alsbald eigene Antriebs- und Führungssysteme. In Anerkennung der Qualitätsarbeit wünschten sich die Kunden immer mehr, und neben den Komponenten entwickelte Güdel bald auch einbaufertige mechanische Linearachsen. Beispielsweise wurden Führungen gleich auf selbst bearbeitete Träger aufgeschraubt und im Paket angeboten.

Mit dem weiteren Wachstum und der stetigen Akkumulation von Know-how hat Güdel komplette Prozesslösungen realisiert im Bereich der Pressenautomatisierung sowie in der Powertrain-Automatisierung für die Automobilindustrie – von der Hardware bis zur Software, einschliesslich eigener Steuerungssysteme.

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Sämtliche Präzisionsteile fertigt Güdel selbst, lässt damit das Kernwissen im Unternehmen und verfügt somit über eine hohe Fertigungstiefe. Damit wird ein Wertschöpfungsanteil von über 60 Prozent erreicht. Für Kunden bedeutet das zuverlässige Qualität, schnelle Umsetzung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen sowie sichere Liefertermine. Im Prinzip werden neben Standardteilen nur Blechbearbeitungs- und Schweissarbeiten zugekauft.

Einarm-Transfersystem

Im Mittelpunkt der Hausmesse stand «RoboSpeed», ein neues Transfersystem zur Automatisierung von High-Speed-Pressenstrassen (Bild 1). Dessen Entwicklung zeigt, wie rasch Güdel den Trend zur Realisierung von Pressenstrassen aus immer schnelleren und hochflexiblen Pressen im eigenen Haus umsetzt.

Das RoboSpeed übernimmt das Beladen der ersten und das Entladen der letzten Presse sowie den Teiletransfer von einem Pressenwerkzeug zum nächsten. Dabei lassen sich Pressendistanzen von fünf Meter überwinden. Das System ist für Nutzlasten (d.h. Werkstück- und Toolinggewicht) bis zu 100 Kilogramm ausgelegt. Das Tooling, welches zum Anlass der Hausmesse von der Firma De-Sta-Co zur Verfügung gestellt wurde (Bild 1), ist sehr schlank gestaltet, um optimal in den Werkzeugraum eingreifen zu können. Markus Ruprecht, CEO der Güdel AG, hebt hervor: «Wir öffnen uns den Anforderungen nach hohen Taktzahlen, bleiben aber solide an den tatsächlichen, technisch-physikalischen Möglichkeiten. RoboSpeed ist für Taktzahlen im Bereich von 18 bis 21 Teile pro Minute ausgelegt.» Kurt Haldi, General Manager Sales Press Automation, erklärt zudem: «Damit betrachten wir RoboSpeed als das Transfersystem für die Zukunft unserer Kunden. Das robuste Gerät bietet höchste Flexibilität im Werkzeugraum bei geringem Bauvolumen und erfüllt jegliche Ansprüche hinsichtlich Bedienkomforts.»

Komplexe Automatisierung

Je nach Kundenanforderung bekommen Kunden für jeden Teilprozess die passende Lösung; vom Abstapeln der Platinen über die Pressenverkettung bis hin zur Fertigteilstapelung. Die modularen Systeme sind skalierbar im Automatisierungsgrad und konsequent auf hohe Ausbringungsleistungen ausgerichtet.

Um die Anforderungen an eine effiziente Pressenstrasse zu erfüllen, müssen alle Prozesse ineinanderspielen. Güdel stellte diesbezüglich eine Automatisierungslösung im Bereich des Platinenabstapelns vor mit folgendem Prozessablauf: Nach dem Beladen des Platinenwagens erfolgt eine vollautomatische Spreizmagnetanstellung. Die Platinen werden mittels Abstapler vom Platinenstapel genommen und auf ein Transportband gelegt. Beim Aufnehmen der Platinen erfolgt eine Doppelblechkontrolle. Es folgen die Reinigungs- und Beölungsstationen. Erledigt werden diese beiden Prozessschritte von der abgebildeten SMT-Trockenreinigungslage, die mit einer Schmierstoffaufbringungsanlage kombiniert ist und auf einem gemeinsamen Grundgestell aufgebaut ist (Bild 3). Diese Anlage reinigt und beölt Platinen bis zu einer Breite von 4200 Millimeter bei einer Durchlaufgeschwindigkeit von maximal drei Meter pro Sekunde. Nach dem Beölen wird die Lage der Platine optisch erfasst und auf eine innovative Zentrierstation befördert, die ohne mechanischen Anschlag arbeitet. Die Zentrierstation positioniert die Platine so, dass sie von dem folgenden Transfersystem schnell und exakt in das erste Pressenwerkzeug eingelegt werden kann.

Vollautomatische Palettierung

Für die Pressenverkettung bietet Güdel sowohl Ein- als auch Zweiarm-Transfersysteme für Ausbringungsleistungen von zwölf bis 21 Teilen pro Minute. Die drei Systeme sind mittels der «GMotion Software» auf die Ausbringungsleistung hin schnell und einfach zu optimieren.

«Eine weitere anspruchsvolle Aufgabe ist übrigens – und hierzu bietet Güdel kompakte Baukastensystemlösungen», erläutert Kurt Haldi, «die vollautomatische Palettierung der Fertigteile nach der Entnahme aus der letzten Presse. Diese müssen automationsgerecht in Fertigteilbehälter eingelegt werden, dass sie für den nächsten Prozessschritt wiederum automatisch entnommen werden können.» <<

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