Kein Management-Buy-Out Trumpf in Baar: Leere Werkshalle ab Mitte 2017

Redakteur: Sergio Caré

Das Werk in Baar wird geschlossen. Strukturelle Probleme haben zu diesem Schritt geführt. Zum Managemen-Buy-Out wird es nicht kommen. Standort in Grüsch ist nun laut Trumpf mit der Schliessung in Baar sicherer.

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Leere Werkshalle nach bekannt werden der Hiobs-Botschaft. «Die Belegschaft in Baar hat einen starken Bezug zur Firma Trumpf», sagt die Pressesprecherin des deutschen Werkzeughersteller in Baar.
Leere Werkshalle nach bekannt werden der Hiobs-Botschaft. «Die Belegschaft in Baar hat einen starken Bezug zur Firma Trumpf», sagt die Pressesprecherin des deutschen Werkzeughersteller in Baar.
(Bild: Sergio Caré / VBM)

Dass es Trumpf bei den Produktionsstandorten hierzulande nicht gut läuft erfuhren die Medien Ende Oktober: Das Werk in Baar wird geschlossen. Strukturelle Probleme haben zu diesem Schritt geführt und die Tatsache, dass der Standort in Baar zu jederzeit zu den Top 3 der teuersten Produktionswerke innerhalb der Trumpf Gruppe zählen. Per 30. Juni 2017 wird dies nicht mehr der Fall sein.

150 Stellen werden abgebaut

«Wir haben diesen Schritt sorgfältig geprüft, aber aus unternehmerischer Sicht ist er unumgänglich», sagt Mathias Kammüller, Geschäftsführer der Trumpf Gruppe und im Verwaltungsrat der Trumpf Maschinen AG. Aufgrund bestehender Überkapazitäten im gruppenweiten Produktionsverbund sowie externen Faktoren wie die Franken-Stärke will Trumpf in der Schweiz nur noch Grüsch als Produktionsstandort führen und in Baar die Produktion, Entwicklung, Finanzen/Administration sowie der Ausbildungsbereich schliessen, auch wenn in Baar rentabel gearbeitet wurde. In Baar soll noch eine Vertriebs- und Servicegesellschaft bestehen bleiben. Als Folge dieser Neuausrichtung werden in Baar rund 150 Stellen von insgesamt 232 Stellen abgebaut. Umgemünzt auf die gesamte Trumpf Gruppe verändert sich die Mitarbeiterzahl um marginale 1,4 Prozent - 150 Mitarbeiter die der zweitgrössten Stadt im Kanton Zug (25-30 000 Einwohner) aber doch schmerzen werden. Der Gesamtumsatz der Schweizer Gesellschaften von Trumpf mit den Standorten Baar und Grüsch belief sich im vergangenen Geschäftsjahr (per 30. Juni 2016) auf 618 Mio. CHF (Vorjahr 671 Mio. CHF). Dies entspricht einem Rückgang um 8,6 Prozent.

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Nein zu Management-Buy-Out

Als mögliche Rettung von 30 Arbeitsplätzen galt das Management-Buy-out unter der Führung von Erich Hunziker. Er ist Leiter der Blechfertigung bei der Trumpf Maschinen AG. «Wir wollen eine Aktiengesellschaft gründen und so die Arbeitsplätze von 28 Mitarbeitern sowie zwei Lehrlingen retten», erklärte Hunziker gegenüber der Zuger Zeitung. Dabei wollte Hunziker die Produktionsanlagen sowie die Infrastruktur und Software der Trumpf Maschinen AG in Baar weiter nutzen. Der Trumpf-Konzern sollte dabei in den kommenden Jahren weiter Produkte aus Baar zu marktüblichen Preisen kaufen. Dazu wird es nun nicht kommen. «Wir würdigen den Mut von Herrn Hunziker. Doch können wir seinen Vorschlag nicht unterstützen», sagte Kammmühler dazu. «Durch die erwartet Anschubfinanzierung hätten wir Hunziker gegenüber der Konkurrenz bevorteilt.»

Baar für Grüsch geopfert

Zu den erwähnten Strukturproblemen zählen, neben dem teuren Produktionsstandort, dass die Auslastung in Baar sehr schlecht war. Kommt dazu, dass in Baar, im Gegensatz zu Grüsch, nur Komponenten und Teile hergestellt werden. Der Produktionsstandort in Grüsch habe zwei Produkte, die sehr gut laufen. In Grüsch stellen sie die «Trulaser 7030» (Lasermaschine) her. Die in Baar hergestellten CO2-Laser-Komponenten hätten dagegen kein Wachstumspotential, fügt Kammüller hinzu und gibt zu: «Vor zehn Jahren hätte Trumpf noch versucht das Werk in Baar durch eine Neuausrichtung zu retten.» Heute gehe dies nun nicht mehr, zu stark sei die Angst vor einer neuerlichen Krise. Baar wird für das weiterbestehen von Grüsch «geopfert». Die Teilelieferung von Baar wird nach Ditzingen oder Komplett ausgegliedert. Auch in Grüsch wird die Teilelieferung ausgegliedert. Dafür werden nun neben den CO2Laser-Komponenten auch Komponenten für andere Lasertypen von Ditzingen nach Grüsch verlagert. Der Standort Grüsch ist somit besser für die Zukunft gerüstet. «Wir werden in zwei Jahren nicht wieder zusammen sitzen müssen», ist sich der Geschäftsführer sicher. Eine weitere gute Nachricht gibt es dennoch zu vermelden: Alle Lehrlinge von Trumpf in Baar werden in der Region ihre Ausbildung beenden können. -sc-

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