Turbine Technology Days 2015 Turbinenproduktion im Fokus

Redakteur: Anne Richter

Die deutsche Walter AG und die Schweizer Starrag Group haben zu den Turbine Technology Days Fachleute aus der Luftfahrt- und Kraftwerksindustrie in das Starrag-Hauptquartier in Rorschacherberg eingeladen. Im Mittelpunkt standen Vorführungen und Vorträge zu allen wichtigen Aspekten der Produktion von Turbinenkomponenten.

Firma zum Thema

Der Einladung von Walter und Starrag Group zu den Turbine Technology Days 2015 waren rund 250 Fachleute der Luftfahrt- und Kraftwerksindustrie gefolgt.
Der Einladung von Walter und Starrag Group zu den Turbine Technology Days 2015 waren rund 250 Fachleute der Luftfahrt- und Kraftwerksindustrie gefolgt.
(Bild: Starrag Group)

Die Turbine Technology Days (TTD) der Starrag Group entwickeln sich zu einem Insidertreffen für Turbinenexperten aus der Luft- und Raumfahrttechnik und der Energietechnik. Zur diesjährigen Veranstaltung 2015 am 23. und 24.Juni kamen etwa 30 Prozent mehr Teilnehmer als vor zwei Jahren in das Starrag-Hauptquartier in Rorschacherberg. Auch Topmanager aus Fernost sind zum Branchentreffen angereist.

China: eigene Produktion für den Luftverkehr

Zu den besonderen Gästen zählte dieses Jahr Yang Hong, Vice General Manager der Aviation Industry Corporation of China (AVIC). Der staatliche Luftfahrt- und Rüstungskonzern mit Sitz in Peking (400 000 Mitarbeiter) soll China massgeblich mit eigener Produktion beim weiteren Ausbau des Luftfahrtverkehrs unterstützen. Dazu investiert der Konzern kräftig in Produktionstechnik, um den Anteil an Eigenproduktion zu erhöhen. Doch nicht nur Produktionstechnik, sondern auch Know-how aus Europa ist erwünscht. «Künftig stehen in der chinesischen Luftfahrtindustrie wesentlich höhere Investitionen bei dem Einsatz der Produktionstechnik an», erklärte Yang Hong in Rorschacherberg.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Das nötige Know-how in Sachen Bearbeitung von Flugzeugkomponenten steuern seit vielen Jahren die Gastgeber bei. Auf allein 800 Jahre an Know-how rund um die Werkzeugmaschinen kommt laut CEO Walter Börsch die Starrag Group mit allen Töchtern; weitere rund 400 Jahre an Erfahrung bringt laut Vorstandsvorsitzendem Mirko Merlo die Walter AG aus Tübingen mit. Merlos Erkenntnis aus der Partnerschaft mit Starrag: «Der eigentliche Schlüssel zum Erfolg besteht darin, den Fertigungsprozess des Kunden zu verstehen.»

Was beim gemeinsamen Umsetzen der typischen Aufgabenstellungen von Herstellern von Turbinenkomponenten herauskommen kann, demonstrierten die Gastgeber und mehrere Partnerunternehmen auf den Turbine Technology Days gleich mehrfach.

Qualität und Effizienz für Triebwerksschaufel

Zerspanungskooperation bewiesen Walter und Starrag auf einer Werkzeugmaschine LX 051 bei der Komplettbearbeitung einer Triebwerksschaufel aus Titanaluminid, die hohe Oberflächenqualität von teilweise weniger als 0,8 µm aufweisen sollte. Die Bearbeitung der kompletten Schaufel dauert inklusive Werkzeugwechsel nur rund 38 min – bei insgesamt 20 Bearbeitungsoperationen, vom Best Fit, Schruppen, Schlichten bis hin zum Dengeln. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Werkzeuge. Robert Molls, Anwendungsingenieur Aerospace bei Walter, erklärt: «Die Bearbeitung von γ-TiAl ist äusserst anspruchsvoll und erfordert Werkzeuge, die speziell dafür ausgelegt wurden. Der Walter-Schaftfräser erlaubt es, das Material auf äusserst zuverlässige und effiziente Art zu zerspanen.» In diesem Fall kam ein innengekühlter Schaftfräser zum Einsatz, der das komplette Blatt innerhalb von rund 13 min mit 90 m/min bearbeitete. Ebenfalls mit einem innengekühlten Schaftfräser lief das trochoidale Schruppen (Operation 14 bis 15) ab. Das Werkzeug brauchte rund 3,5 min für die Bearbeitung des Schaufelkopfes (Vc = 120 m/min, fz = 0,08).

Besonders schlank fiel die Prozesskette aus, weil Starrag in die LX 051 ein Dengel-Tool integriert hatte, ein elektrisch angetriebenes Spezialwerkzeug, das in einem Bearbeitungszentrum ein Bauteil µm-genau auf Endkontur bringt. Dr. Markus Ess, Leiter des Produktmanagements bei Starrag, erklärt: «Der Starrag-Dengel-Prozess kann den oftmals manuellen Schleifprozess ersetzen. Es lassen sich Rauheiten von unter 0,3 µm erreichen, ohne das präzise Fräsprofil zu zerstören.»

(ID:43566189)