Luft- und Raumfahrt

«Unsere Fertigungstiefe ist der Schlüssel für eine hohe Flexibilität und eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit»

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Wie beeinflussen Digitalisierung und Industrie 4.0 den Flugzeugbau in Ihrem Unternehmen?

R. Emmenegger: Wir laufen dem Trend der Digitalisierung nicht einfach hinterher, hinter jedem Projekt muss ein Nutzen stehen. Unsere gesamte Produktion ist durchdigitalisiert, dadurch haben wir eine sehr hohe Transparenz. Wir können alle Prozesse sehr gut analysieren und dadurch optimieren. Wir nutzen die Digitalisierung aber auch, um Predictive Maintenance konsequent umzusetzen. Und es geht noch weiter: Mit der Vernetzung unserer Produkte (Connected Aircraft) stellen wir den Kundennutzen konsequent in den Mittelpunkt. Wir prognostizieren für unsere Kunden, welche Wartungsfälle auftreten werden, und stellen die Teile voraus­schauend bereit. Hier setzen wir verstärkt auf KI und arbeiten sehr eng mit Innosuisse sowie dem CSEM zusammen. Wir haben derzeit einige Digitalisierungsinitiativen am Laufen und sind in einem sehr intensiven Austausch mit den Hochschulen.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für die Produktion bei der Pilatus Flugzeugwerke AG in den nächsten 10 Jahren?

R. Emmenegger: Wir sind hier in Stans flächenmässig limitiert, d. h., ein Ausbau hier am Standort wird anspruchsvoll. Trotzdem wollen wir im Rahmen unserer Wachstumsstrategie die Eigenfertigung ausbauen: Einerseits lokal vor Ort, andererseits global an weiteren Standorten. Darüber hinaus werden wir die Fertigungstiefe von Komponenten, die wir heute zukaufen, weiter erhöhen. Das heisst, wir werden unsere Fertigungstiefe weiter erhöhen und die Abhängigkeit von der Lieferkette reduzieren. Eine ständige Herausforderung sind und bleiben der Prototypen­bau und die Industrialisierung des anschliessenden Fertigungsprozesses. Das ist im Flugzeugbau inklusive der Zertifizierungsprozesse enorm anspruchsvoll.

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Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen?

R. Emmenegger: Unser Produktionsstandort an sich ist konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, so wird unser neues Gebäude für die Kunststoff-Fertigung nach LEED Platinium (Leadership in Energy and Environmental Design) konzipiert. Unser gesamter Fuhrpark wird auf Elektroantrieb umgestellt. Wir kühlen mit Grundwasser über Pumpen und nutzen zum Heizen die Abwärme aus der Produktion und ein nachhaltiges Fernwärme-​Netz. Unsere Flugzeuge werden aktuell mit Kerosin betrieben. In Zukunft werden wir sicher verstärkt mit nachhaltigem Treibstoff fliegen, um den Footprint reduzieren. Im Bereich der Elektrifizierung forschen unsere F&E-Abteilungen. Man muss aber konstatieren: Beim Thema Fluggewicht ist die Batterie noch ganz klar im Nachteil. Das heisst aber nicht, dass das so bleiben muss. Ein weiteres Thema ist Wasserstoff als Energieträger, in Bezug auf die Masse pro gespeicherter Energieeinheit hat Wasserstoff Vorteile gegenüber Batteriesystemen. Das bleibt eine hoch spannende Entwicklung.

Wie anspruchsvoll ist es für Sie, Stellen im Bereich der technischen Ausbildung zu besetzen? Und wie beurteilen Sie das Schweizer Berufsbildungssystem heute?

R. Emmenegger: Entscheidend ist, dass das Handwerk genügend Wertschätzung erfährt. Deshalb müssen wir noch mehr in die Ausbildung investieren, sie interessanter machen. Es darf nicht nur die Technik im Vordergrund stehen, sondern eine moderne Ausbildung muss vermehrt auch die sozialen Bedürfnisse der jungen Generation berücksichtigen. Unser duales Ausbildungssystem an sich ist hervorragend aufgestellt, um junge Menschen in einen attraktiven Beruf zu bringen. Wir werden die jungen Menschen aber nur gewinnen, wenn wir die Führungskultur konsequent modernisieren und den aktuellen Gegebenheiten anpassen.

Was bedeutet für Sie moderne Führungskultur?

R. Emmenegger: Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sozusagen meine Kunden. Wir haben in der Produktion sehr heterogene Berufsbilder, jeder muss gleich wertgeschätzt werden. Ich versuche, jedem Mitarbeitenden mit Respekt zu begegnen. Ein offenes Verhältnis zu meinen Mitarbeitenden und umgekehrt wird immer wichtiger. Man muss kooperativ sein, zuhören, nicht vorschnell urteilen, die Menschen in Entscheidungsprozesse einbeziehen. Für mich persönlich hat das Handwerk einen grossen Stellenwert und ich lebe meine Begeisterung und Leidenschaft für das Handwerk vor.

Sie sind heute als Produktionsleiter Mitglied der Geschäftsleitung der Pilatus Flugzeugwerke AG. War das Ihr Traumberuf als Kind?

R. Emmenegger: Ja, es war und ist mein absoluter Traumberuf. Flugzeuge haben mich immer fasziniert. Ich bin in Emmenbrücke aufgewachsen, wo wir als Kinder mit dem Velo bis an die Startbahn fahren konnten. In einem Flugzeug steckt so viel Technik, das ist einfach faszinierend. SMM

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