Interview mit Dr. Christian Walti, CEO Starrag AG Vorbereitung für den Wiederaufschwung

Redakteur: Anne Richter

Auch für die Starrag Group war das Jahr 2020 wegen der Covid-19-Pandemie von grossen Herausforderungen geprägt. Doch das Unternehmen bereitet sich schon jetzt auf den Wiederaufschwung vor, Dr. Christian Walti, Geschäftsführer Starrag AG, im Interview mit SMM berichtet.

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Starrag CEO Dr. Christian Walti (rechts) zusammen mit Starrag CSO Alexander Attenberger, der seit dem 1. April 2020 für den Bereich Sales der Starrag Group verantwortlich ist.
Starrag CEO Dr. Christian Walti (rechts) zusammen mit Starrag CSO Alexander Attenberger, der seit dem 1. April 2020 für den Bereich Sales der Starrag Group verantwortlich ist.
(Bild: Starrag)

SMM: Das letzte Jahr wird wohl allen in Erinnerung bleiben. Wie ist es für Starrag verlaufen?

Dr. Christian Walti: Starrag erreichte trotz Corona ein leicht positives Betriebsergebnis. Hinzu kommt ein Auftragsbestand, der für eine Grundauslastung im Jahr 2021 sorgt. Mit dieser soliden Ausgangsbasis setzen wir auf das Programm Starrag 2021, das bereits im letzten Jahr die Gruppe intern gestärkt hat: Hervorheben möchte ich hier besonders das Zusammenwachsen der gesamten Starrag Group dank des erneuerten Führungsteams, das die Funktionen Vertrieb, Supply Chain Management und Produktion besser koordiniert.

Was waren die grössten Herausforderungen, mit denen Sie während der Pandemie konfrontiert wurden?

Ch. Walti: Zwar gingen die Neubestellungen in allen Bereichen zurück, aber besonders hoch fiel der Auftragsrückgang in der Luftfahrtindustrie aus, in der wegen der Reisebeschränkungen die bisher weltweit florierende Flugzeugproduktion drastisch zurückging. Auch die Aufträge von Firmen aus dem Bereich Transportation fielen deutlich geringer aus.

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Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat die Covid-19-Pandemie auf Ihr Unternehmen?

Ch. Walti: Ein Blick auf den Lagebericht unseres Anfang März veröffentlichten Jahresberichts 2020 bestätigt die im vergangenen Juli publizierten Erwartungen: Corona-bedingt gingen Umsatz, Auftragseingang und Ertrag zurück, wobei sich die wirtschaftliche Lage bereits im zweiten Halbjahr durch eine leichte Zunahme bei den Neubestellungen etwas verbessert hat.

Wie gehen Sie damit um?

Ch. Walti: Mit zahlreichen Aktivitäten wie Kurzarbeit, reduzierten Sachaufwendungen, stornierten Messen, Rückgang der Reisetätigkeit oder Kürzung der fixen Vergütungen von Verwaltungsrat und Management haben wir die Ausgaben im Berichtsjahr um beachtliche 20 Mio. CHF gesenkt.

Wie haben Sie auf die Situation reagiert?

Ch. Walti: Alles in allem bereiten wir uns jetzt schon auf den Wiederaufschwung vor, indem wir mit bestehenden und neuen Kunden mögliche Szenarien diskutieren und Entwicklungsprojekte noch konsequenter als bisher auf den Kundennutzen ausrichten. Neue Wachstumschancen erwarten wir vom Zusammenspiel der anwendungsorientierten Produktinnovation mit dem gruppenweit integrierten Vertrieb, der die Position in wichtigen Zielmärkten wie China und Nordamerika deutlich ausgebaut hat. Wenn es dann zum Auftrag kommt, schlägt die Stunde der Projektmanager, die dank der optimierten Prozessabläufe für operationale Exzellenz und zufriedene Kunden sorgen.

Welchen Einfluss hat die Pandemie aus Ihrer Sicht auf den Werkplatz Schweiz? Und wie reagiert Ihr Unternehmen darauf?

Ch. Walti: Um diese bisher völlig unbekannte Situation zu bestehen, brauchen wir in der Schweiz und an allen ausländischen Standorten sehr flexible und agile Führungskräfte und Mitarbeitende sowie neue Arbeitsmodelle mit Online-Tools und der Möglichkeit zu effizienten Homeoffice-Konzepten. Wir reagieren auf diese Herausforderung rasch und unbürokratisch, indem wir beispielsweise bereits viele Arbeitsprozesse digitalisiert haben. Ausserdem nutzen wir alle Möglichkeiten, die Arbeitseffizienz weiter zu steigern. Starrag optimiert ausserdem alle Prozesse und geht bestmöglich auf Kundenbedürfnisse ein.

Alles in allem bereiten wir uns jetzt schon auf den Wiederaufschwung vor, indem wir mit bestehenden und neuen Kunden mögliche Szenarien diskutieren und Entwicklungsprojekte noch konsequenter als bisher auf den Kundennutzen ausrichten.

Dr. Christian Walti, Geschäftsführer Starrag AG

Wie sieht die Situation in den verschiedenen Fertigungsstandorten bei Starrag aus?

Ch. Walti: Es gibt keine Unterschiede, alle Stand­orte leiden gleichermassen unter den pandemiebedingten Einschränkungen. Doch auf Restriktionen wie Lieferengpässe können wir wegen unserer weltweiten Aktivitäten flexibel reagieren: Hier sorgen lokale Ressourcen in den Hauptmärkten trotz Corona für kurze Reaktionszeiten etwa bei der Ersatzteilversorgung oder bei Kundeneinsätzen.

Was erwarten Sie von Politik und Gesellschaft in Bezug auf die Covid-19-Pandemie?

Ch. Walti: Ich vertraue darauf, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen und die richtigen Lösungen finden. Wichtig ist, dass die Politiker dafür sorgen, dass genügend Impfstoff zur Verfügung steht, um dann schnell und unbürokratisch zu impfen. Alle sollten weiterhin die strikten Vorsichtsmassnahmen einhalten. Gleichzeitig müssen die Politiker die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Pandemie und vor allem die Lockdowns nicht die Existenz von Betrieben und Selbständigen bedrohen.

Wie ist Ihre Erwartungshaltung in Bezug auf das Jahr 2021?

Ch. Walti: Ich bin vorsichtig positiv eingestellt, gehe aber davon aus, dass Covid-19 und die Folgen auch noch das gesamte Jahr 2021 beeinflussen werden.

Konnten Sie auch positive Erkenntnisse aus der Situation ziehen? Gibt es Corona-bedingte Veränderungen, die das Unternehmen positiv beeinflusst haben?

Ch. Walti: Wir alle spüren ein deutliches Zusammenwachsen der Gruppe, das sich positiv auf das Führungsteam und auch auf den Mindset der gesamten Mitarbeiterschaft auswirkt. Starrag richtet sich zudem konsequenter auf seine Zielmärkte aus. Unterstützend kam und kommt es zu internationalen Kooperationen zum Beispiel durch den Aufbau von regionalen Teams in China und den USA. Die internationale Zusammenarbeit hat sich mehr als bewährt. -ari- SMM

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