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Instandhaltung Vorbeugen ist besser als Reparieren

Redakteur: Bernhard Herzog

>> Die Produktion «Just-in-time» ist für viele Unternehmen grundlegender Bestandteil ihrer Unternehmensphilosophie. Maschinenausfallzeiten führen bei dieser Strategie allerdings schnell zu hohen Produktionsverlusten. Diese Herausforderung kennt auch Chemolux, Hersteller von Spülmaschinenpulver und -tabletten. Um die Ausfallzeiten seiner Maschinen möglichst gering zu halten, hat das in Luxemburg ansässige Unternehmen zusammen mit Bosch Packaging Services eine präventive Wartungsstrategie entwickelt.

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Die Wartungskosten verringerten sich zwischen 2008 und 2011 um 11 Prozent.
Die Wartungskosten verringerten sich zwischen 2008 und 2011 um 11 Prozent.
(Bild: Bosch Packaging Services AG)

Die Just-in-time(JiT)-Produktion funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Statt auf Vorrat zu produzieren, stellen Unternehmen nur die Produktmengen her, die auch tatsächlich in einem bestimmten Zeitraum benötigt werden. Zu den Vorteilen dieser Produktionsmethode zählen neben einer verringerten Überproduktion auch die Reduzierung von Wartezeiten und Transportkosten. Zusätzlich wird Kapital freigesetzt, das sonst im Lagerbestand gebunden wäre, straffere Produktionsprozesse schonen ausserdem Ressourcen. Damit dieses System zuverlässig funktioniert, bedarf es einer umfassenden Wartungsstrategie.

Dynamische Märkte fordern dynamische Lösungen

Chemolux, Hersteller von Spülmaschinenpulver und Wasserenthärtungstabletten, setzte in seinem Luxemburger Werk von Beginn an auf die JiT-Produktionsstrategie. Für ein Unternehmen, das lediglich die Warenmenge eines halben Produktionstages lagern kann, die sinnvollste Lösung, die jedoch auch Risiken birgt: Bereits durch kleinste Maschinenausfälle kommt die Produktion zu einem sofortigen Stillstand. Für einen kurzen Zeitraum im Jahr 2006 setzte Chemolux auf rein korrektive Wartungsarbeiten, um den normalen Betriebszustand der Maschinen wiederherzustellen. Seit 15 Jahren vertraut Chemolux bei der Verpackung seiner Produkte auf die Technik von Bosch. Das Unternehmen erwarb 1997 mit der HSM-Verpackungsmaschine seine erste Bosch-Maschine und hat seine Verpackungslinien seither kontinuierlich erweitert. Heute kommen 15 Linien mit zwei verschiedenen Maschinentypen zum Einsatz. «Chemolux agiert in einem sehr dynamischen Markt, die Produkte verändern sich schnell. Deshalb sind höchste Flexibilität und kontinuierliche Verbesserungen des Produktionsprozesses von grösster Bedeutung», erläutert Ludovic Ghesquière, Maintenance Manager bei Chemolux. Aufgrund mangelhafter Effektivität im Produktionsprozess entschied sich das Unternehmen 2006 für ein technisches Audit in Zusammenarbeit mit Bosch. Im Zuge dieser Prüfungen entwickelte Bosch einen zweistufigen Optimierungsprozess.

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Im ersten Schritt wurden ältere Anlagen auf den neuesten Stand der Technik gebracht. In einem zweiten Schritt setzte Bosch Packaging Services gemeinsam mit Chemolux auf die Einführung eines präventiven Wartungsprogramms, um langfristige und nachhaltige Verbesserungen zu erzielen. Der Einsatz aggressiver Chemikalien sowie die hohen Geschwindigkeiten, mit denen die Maschinen täglich in mehreren Schichten arbeiten, erfordern einen regelmässigen Austausch von Verschleissteilen und kurze Wartungsintervalle. Um die Beständigkeit der Maschinenleistung sicherzustellen, rückte bei Chemolux das massgeschneiderte Wartungsprogramm ins Zentrum der neuen Strategie.

Keine Überraschungen in letzter Minute

Das Serviceangebot «Preventive Maintenance» von Bosch gewährleistet die Durchführung aller erforderlichen Wartungsarbeiten in regelmässigen Abständen und zum richtigen Zeitpunkt. Ausgebildete Bosch-Service-Techniker unterstützen die Optimierung der gesamten Maschinenleistung. Der Wartungsservice reicht von regulären Prüfungen einzelner Linien bis hin zu umfassenden Wartungspaketen, bei denen ein Techniker 24 Stunden vor Ort ist. Bei Chemolux bestand die grösste Herausforderung darin, die richtigen Wartungsintervalle für alle Linien festzulegen und das neue Wartungskonzept in den Unternehmensprozessen zu verankern. Nach einer intensiven Implementierungsphase stellten sich nach kurzer Zeit die ersten positiven Ergebnisse ein.

Für jede Linie wurde ein eigener Wartungsplan entwickelt und auf den gesamten Produktionsprozess abgestimmt. Dabei galt es, alle Abteilungen einzubeziehen – insbesondere das Supply Chain Management. «Da unser Wartungsprogramm bereits ein Jahr im Voraus feststeht, können wir Stillstände vorbereiten und sind auch gegen Überraschungen in letzter Sekunde gewappnet», unterstreicht Philippe Gosset, Werksleiter bei Chemolux. In Luxemburg ist das besonders wichtig, da alle Lieferanten – auch Wartungstechniker – registriert und bei den staatlichen Behörden angemeldet sein müssen.

Heute deckt Chemolux mit dem präventiven Wartungsprogramm alle Linien individuell ab. Die Maschinen werden je nach Bedarf einmal pro Schicht, Tag, Woche oder Monat kontrolliert und gesäubert. «Dank der festgelegten Wartungsintervalle haben wir unsere Linien unter Kontrolle und können unsere Kunden auf einem hohen Service-Level beliefern», berichtet Ludovic Ghesquière. Die Planung der Wartungsarbeiten fliesst so reibungslos in den Arbeitsalltag ein und schlägt sich auch in einer Kostenreduzierung nieder. Werksleiter Gosset fügt hinzu: «Mit Hilfe des Preventive-Maintenance-Programms erreichen wir eine höhere Produktqualität und reduzieren Produktionsabfälle.» Dies ist vor allem hinsichtlich externer Audits von Bedeutung, die Kunden von Chemolux vor der Vertragsunterzeichnung durchführen. Resultat des neuen Wartungsplans: In den letzten fünf Jahren verzeichnete Chemolux keine grösseren, ungeplanten Produktionsstopps.

Messbare Ergebnisse

Zur Evaluation der neuen Strategie prüft Chemolux kontinuierlich eine Reihe vordefinierter Kennzahlen. Die Auswertungen belegen deutliche Verbesserungen hinsichtlich Kosten und Effizienz: Die Wartungskosten verringerten sich zwischen 2008 und 2011 um 11 Prozent. Die Effizienz der Maschinen stieg im gleichen Zeitraum um 13 Prozent. Wie bei allen langfristigen Projekten wird der Verbesserungsprozess stetig fortgeführt. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die Transparenz der Wartungskosten. Jedes Unternehmen, das eine neue Maschine kauft, möchte den Überblick über die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership) haben. «Kein anderer Verpackungsmaschinenanbieter kann uns eine derartige Transparenz bieten», betont Philippe Gosset.

Ein positiver Nebeneffekt des Wartungsprogramms macht sich in der intensivierten Beziehung zwischen Bosch und Chemolux bemerkbar. Die regelmässigen Prüfungen führen immer die gleichen Wartungstechniker von Bosch durch, die über spezielles Chemolux-Fachwissen verfügen. Im Gegenzug ergriff Chemolux die Chance, interne Trainingsprogramme zu entwickeln. «Heute erreichen wir schnellere Produktwechsel und an unseren Maschinen arbeiten echte Experten», berichtet Philippe Gosset und Ludovic Ghesquière fügt hinzu: «Unser Ziel war es, von einer Kunden-Lieferanten-Beziehung zu einer echten Partnerschaft zu gelangen – und das haben wir zu unserer vollsten Zufriedenheit erreicht.» <<

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