Beitrag von Hansruedi Wandfluh Werkplatz Schweiz im Sturm der Globalisierung

Autor / Redakteur: Hansruedi Wandfluh / Susanne Reinshagen

Der Motor für eine funktionierende und solidarische Gesellschaft ist eine gesunde Wirtschaft. Diese braucht als Fundament eine langfristig ausgerichtete Wirtschaftspolitik, welche einerseits Arbeit und Leistung belohnt, andererseits die soziale Mitverantwortung fördert. Aussicht auf langfristigen Erfolg haben nur diejenigen Firmen, denen es gelingt, die Firmenstrategie auf die hiesigen Rahmenbedingungen abzustimmen, und welche es verstehen, mit motivierten Mitarbeitern eine wirtschaftlich sinnvolle Leistung zu erbringen.

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(Bild: Thomas Entzeroth)

In allen Wirtschaftsbereichen hält der Trend zur Globalisierung des Welthandels unvermindert an. Konzerne verschmelzen, reorganisieren, restrukturieren und konzentrieren sich auf ihre Kernaktivitäten – das ist zumindest meist die Absicht. Bei den KMU wird diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Aus dem Gigantismus der Grossen können sich für KMU jedoch durchaus Chancen ergeben. In globalisierten Märkten werden Spezialkenntnisse und Spitzenleistungen weiterhin geschätzt und honoriert. Der Erfolg einer Unternehmung ist letztlich auch eine Frage der richtigen Kommunikation, des Selbstbewusstseins, des Auftritts und des gekonnten Verkaufs. Dies sind Elemente, welche in den letzten Jahren für die Führung eines KMU an Bedeutung gewonnen haben. Die Qualität der Produkte und ein wettbewerbsfähiges Preis-Leistungs-Verhältnis werden vorausgesetzt.

Anforderungen an die KMU

Das lässt sich so einfach sagen. Welches sind aber die Voraussetzungen, damit ein KMU den Anforderungen des Marktes gerecht wird und auch in Zukunft bestehen kann?

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  • Als Politiker ist es mir ein zentrales Anliegen, für gute Rahmenbedingungen unseres Werkplatzes zu kämpfen. Als Unternehmer darf ich aber nicht darauf vertrauen, dass mir die Politik meine strategischen Herausforderungen löst. Die Überprüfung und allenfalls Abstimmung der Unternehmensstrategie auf die Rahmenbedingungen kann nicht delegiert werden. Mit unserer Hochpreis-/Hochlohnpolitik sind wir für arbeitsintensive Fertigungsverfahren schlichtweg zu teuer geworden. Hingegen sind wir prädestiniert für eine hochautomatisierte Fertigung von qualitativ anspruchsvollen Produkten. Dort können wir von günstigen Kapitalkosten profitieren und von exzellent ausgebildetem Personal, das komplexe Fertigungszellen optimal betreuen kann.
  • Die Frage nach den Kernkompetenzen muss auch für ein KMU beantwortet werden. Die Zeiten, als man meinte, alles selber machen zu müssen, sind vorbei. Gerade weil die Strukturen oft «organisch» gewachsen sind, ist das Definieren der Kernkompetenzen eine äusserst anspruchsvolle Aufgabe. Die Kunst besteht darin, Kernkompetenzen zu bündeln und zu einem wirtschaftlich tragbaren Ganzen zu verbinden. Was andere besser und kostengünstiger tun können, soll ausgelagert werden. Entsprechend kommen der Logistik und der Beschaffung in einer Firma heute eine besondere Bedeutung zu.
  • Der rasche technologische Fortschritt stellt an die KMU grosse Herausforderungen und birgt selbst in einem fokussierten Bereich nicht zu unterschätzende Entwicklungsrisiken. Andererseits wird von einem Schweizer KMU erwartet, dass es technologisch vorne mit dabei ist und die Chance nutzt, neue Technologien flexibler und kundenspezifischer anzuwenden und einzusetzen als die Grossen. Hier kommt uns das ausgezeichnete duale Bildungssystem zugute mit den praxisnahen Fachhochschulen, aber auch die im internationalen Vergleich hervorragenden eidgenössischen technischen Hochschulen, welche bestens ausgebildete Ingenieure auf den Arbeitsmarkt bringen.
  • Wir dürfen uns in der Industrie nicht vor internationalen Vergleichen scheuen und müssen uns dem weltweiten Konkurrenzkampf stellen. Natürlich ist es unangenehm zu hören, dass ein Mitbewerber aus dem Ausland ein vergleichbares Produkt um x Prozent günstiger anbieten kann. Seit den Währungsverwerfungen im Jahre 2008 geschieht dies des Öftern. Hier ist der professionelle Verkäufer gefragt, der die technischen Finessen der Produkte kennt und die Schweizer Vorzüge wie Qualität, Antwortzeiten, Pünktlichkeit der Lieferung, Lieferdauer von Ersatzteilen, kundenangepasste Systemlösungen usw. in die Waagschale werfen kann. Für all diese Leistungen darf ein Mehrpreis verlangt werden.

Veränderungen in einer Firma können Unruhe und Ängste auslösen. In dieser Beziehung ist die Unternehmensführung gefordert, mit einer kontinuierlichen Kommunikation auf nötige Anpassungen hinzuweisen und die Anliegen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst zu nehmen. Selbstverständlich sehen es die Angestellten nicht gerne, wenn die Herstellung ganzer Produktelinien, welche hier nicht mehr konkurrenzfähig hergestellt werden können, ins Ausland verlagert wird. Es geht schliesslich um ihre Arbeitsplätze. Andererseits werden durch solche Massnahmen oft anspruchsvollere Arbeitsplätze im Bereich der Kernkompetenzen in der Schweiz gerettet oder gar neu geschaffen.

Werkplatz Schweiz hat Zukunft

Ich bin überzeugt, dass der Werkplatz Schweiz im anspruchsvollen Produktesegment auch in Zukunft Bestand haben wird. Dies, sofern die Politik die Rahmenbedingungen nicht durch schweizerische Alleingänge wie z. B. im Energiebereich (Energiestrategie 2050) oder bei der Arbeitsmarktregulierung (Mindest- oder bedingungsloses Grundeinkommen) angedacht, massiv verschlechtert. Wir Unternehmer müssen weiterhin darauf bedacht sein, auf allen Ebenen die notwendige Flexibilität, die Innovationskraft und den unternehmerischen Mut aufzubringen, um am Markt langfristig bestehen zu können – dies mit Begeisterung!

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