SMM Kongress 2022 – Brütsch/Rüegger Tools Wie man sich die Kraft der Maschinendaten zunutze macht

Von Anne Richter

Seit jeher ist Brütsch/Rüegger Tools der unverzichtbare Partner für Betriebe der Fertigungsbranche, wenn es um Fertigungslösungen und Werkzeuge geht. Dies trifft auch im Zeitalter der Digitalisierung zu: Dank Technik-Kompetenz und Software-Expertise ist das Zürcher Unternehmen in der Lage, seine Kunden fit für die digitale Zukunft zu machen. Eine wesentliche Rolle dabei spielen Daten – denn sie sind der Schlüssel zu «Business Intelligence».

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Daten als Innovations-Motor: mehr Transparenz, höhere Produktionskapazität ohne Neuinvestitionen, höherer Ausstoss sowie weniger Fehlteile sind nur einige der Vorteile, die sich daraus ergeben.
Daten als Innovations-Motor: mehr Transparenz, höhere Produktionskapazität ohne Neuinvestitionen, höherer Ausstoss sowie weniger Fehlteile sind nur einige der Vorteile, die sich daraus ergeben.
(Bild: Brütsch/Rüegger Tools)

Als das Unternehmen Brütsch/Rüegger Tools vor mehr als 145 Jahren ins Leben gerufen wurde, war die Welt eine andere: Die industrielle Revolution hatte die Wirtschaft grundlegend verändert und die noch jungen Maschinen-, Montage- und Fertigungsbranchen verlangten nach qualitativ hochwertigen sowie langlebigen Werkzeugen. Genau diese bot Brütsch/Rüegger Tools, wodurch die Firma zu einem unverzichtbaren Industriepartner heranwuchs. «Und obschon seit den Gründertagen viel Zeit vergangen ist, finden wir uns heute in einer ähnlichen Situation wieder», erklärt Raphaël Müller, Leiter Industrial Solutions bei Brütsch/Rüegger Tools.

Was bedeutet das genau? «Damals wie heute stehen wir vor einem Technologie-getriebenen Paradigmenwechsel», erklärt Müller. Die Digitalisierung verändert die Fertigungsindustrie grundlegend und dank neuer Technologien und Ansätze wie «IoT» sowie «Künstliche Intelligenz» (KI) werden klassische Fabriken zu vernetzten, automatisierten Smart Factories. «Selbstverständlich benötigt man auch heute passendes Werkzeug, um eine solche Transformation erfolgreich zu meistern.» Und erneut kann Brütsch/Rüegger Tools diese anbieten.

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Wichtiges Know-how gesichert

Doch wie kann ein Werkzeughersteller Maschinen-, Montage- und Fertigungsbetriebe bei ihrer Digitalisierung unterstützten? «Im Januar dieses Jahres haben wir mit der Akquisition der Firma Stemys einen weiteren entscheidenden Schritt in diese Richtung getan», erklärt Raphaël Müller. Bereits seit dem Jahr 2015 arbeitet man mit dem innovativen Softwareunternehmen zusammen und hat gemeinsam das Dienstleistungsportfolio von Brütsch/Rüegger Tools kontinuierlich auf die digitale Sphäre ausgeweitet. «Da sich die Bedürfnisse unserer Kundschaft immer mehr in diese Richtung entwickeln, war der Erwerb von Stemys ein folgerichtiger Schritt für uns.» Dadurch werden bestehende Synergien vertieft, Prozesse optimiert und das Finden neuer Kundenlösungen erleichtert. Raphaël Müller sagt nicht ganz ohne Stolz: «Wir sind nun auch ein Softwarehersteller.»

Daten als Innovations-Motor

Das erworbene Know-how nutze man nun dafür, die digitale Basis von Brütsch/Rüegger Tools zu festigen und mit lösungsorientierten Softwareanwendungen zu erweitern. Im Zentrum dieser Bemühungen steht die «Hive Digital Suite»: Sie basiert auf der digitalen IIoT-Plattform Jellix und führt sämtliche Rohdaten von Maschinen, Werkzeugen, Messmitteln, der Warenbewirtschaftung und dem Einkauf zusammen. «Jetzt werden wir unsere Bemühungen darauf richten, die Kraft dieser Daten für unsere Kunden noch besser nutzbar zu machen», erklärt Müller. Denn durch die zunehmende Konnektivität von Anlagen und Maschinen entstehen Unmengen an Daten, die – eine korrekte Auswertung vorausgesetzt – ein enormes Potenzial für Optimierungen sowie für neue Lösungsansätze bieten. Mehr Transparenz, höhere Produktionskapazität ohne Neuinvestitionen, höherer Ausstoss sowie weniger Fehlteile sind nur einige der Vorteile, die sich daraus ergeben.

Wie funktioniert das konkret? Raphaël Müller nennt ein Praxisbeispiel: Dank der «Hive Digital Suite» haben Firmen unter anderem maximale Transparenz darüber, wie lange die Zykluszeit für die Produktion eines Maschinenteils dauert. «Und wenn wir von Zyklus sprechen, meinen wir nicht nur die Produktionszeit, sondern auch die Stillstandsdauer einer Maschine.» Kombiniert man diese Daten mit Informationen wie den dazugehörigen Anschaffungs- und Lagerungskosten, erhält man ein exaktes Kostenbild für jedes einzelne gefertigte Teil – die sogenannte «Cost per part». Und die Anwendungsmöglichkeiten enden hier nicht, denn die Kraft der Maschinendaten verbessert auch die Qualitätssicherung, da sich messen lässt, ob die vorgegebenen Qualitätsparameter erreicht wurden.

Raphaël Müller spricht in diesem Zusammenhang von BI – Business Intelligence. «Damit sind praxistaugliche Informationen gemeint, die auf Realdaten basieren.» Früher musste man diese manuell erheben und kombinieren, was einen extrem hohen Aufwand bedeutete. Heute geschieht dies automatisch und in Echtzeit. Brütsch/Rüegger Tools unterstützt seine Kunden dabei, die Daten zu erheben, aufzubereiten und auszuwerten. «Damit verlagert sich ein Teil unserer Dienstleistungen in Richtung Datenmanagement und -beratung», so Müller. Ein weiterer Aspekt, bei dem die Expertise von Stemys unschätzbar wertvoll sei.

Wohin geht die Reise?

Für den Leiter Industrial Solutions liegt der nächste grosse Meilenstein in der Künstlichen Intelligenz (KI). «Zwar existiert diese Technologie bereits», räumt Raphaël Müller ein. «Aber in produzierenden Unternehmen sind wir derzeit noch deutlich von einem flächendeckenden Einsatz entfernt.» Für ihn stellt Business Intelligence den logischen Teilschritt auf dem Weg in Richtung KI dar. Wie es dann von da weitergehe, sei schwierig abzuschätzen. Natürlich stünden auch künftig verbesserte Prozesseffizienz sowie optimierte Kostenstrukturen im Mittelpunkt. «Doch darüber hinaus dürften sich auch vollkommen neue Lösungen und Ansätze entwickeln, die wir heute überhaupt nicht absehen können.» Denn wer hätte bei der ersten Präsentation des iPhones im Jahr 2007 gedacht, dass man heute mit dem Smartphone in Läden Waren bezahlt und Bankgeschäfte damit erledigt? Raphaël Müller freut sich auf die Zukunft «Wir setzen unser Wissen dazu ein, um bereit zu sein, künftige Potenziale zu nutzen – für uns sowie unsere Kunden.» SMM

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