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«Wir sitzen in einer Technologiefalle»

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SMM: Das Thema unserer JHA lautet «Effiziente Produktion – perfekt umgesetzt». Welche Rolle spielt die Automatisierung heute im WZM-Bau?

W. Börsch: Meiner Meinung nach wird die Automatisierung immer wichtiger beim WZM-Bau und zwar weltweit. Das zeigt sich daran, dass Roboterhersteller zurzeit eine gute Konjunktur haben.

Ein grosser Teil der weltweiten Roboterproduktion geht nach China. Durch die steigenden Lohnkosten in China wird auch dort vermehrt automatisiert. Zudem findet man kaum gut ausgebildete Mitarbeiter, die bereit sind, Schichtarbeit zu leisten, weshalb man die 2. und 3. Schicht automatisieren muss.

SMM: Und wie können Sie die Effizienz Ihrer WZM noch steigern?

M. Hauser: Der Treiber für mehr Effizienz bei den WZM sind häufig die Werkzeuge bzw. die zu verarbeitenden Materialien. Die Maschinen müssen dann entsprechend diesen Anforderungen optimiert werden. Oftmals ergeben sich daraus immer wieder Technologiesprünge.

W. Börsch: Effizienzsteigerungen dürfen aber nicht auf Kosten der Prozessstabilität geschehen. Ich spreche hier von einer 96%igen Verfügbarkeit der Maschinen. Wir haben viele Kunden, die 18 bis 20 Schichten in der Woche planen. Dann bleiben für Reparaturen und Service nur noch 1 bis 3 Schichten pro Woche. Das bedeutet, dass es kein Zeitfenster mehr gibt, um Produktionsrückstände wegen Maschinenausfällen aufzuholen. Deshalb ist die Zuverlässigkeit, neben der Genauigkeit und Effizienz, enorm wichtig für unsere Kunden.

W. Fust: Die Produktivität unserer WZM ist stark gestiegen …

M. Hauser: … ja, und gleichzeitig sinkt der Durchschnittspreis der Maschine tendenziell. Wir liefern also mehr Technologie für einen tieferen Preis.

SMM: Dann sind Ihre Kunden nicht bereit, für die Technologie zu bezahlen?

J.-D. Isoz: Unsere Kunden sehen uns einerseits als Lieferanten eines Hardwareprodukts, andererseits sprechen sie mit uns immer mehr über Technologie, für die sie aber (noch) nicht bereit sind, angemessen zu bezahlen.

W. Fust: Wir sitzen hier in einer Technologiefalle. Wir liefern bereits in der Angebotsphase Technologien, die es dem Kunden ermöglichen, seine Produktion effizienter zu gestalten. Für diese Leistungen erhalten wir aber kein Geld. Es kann sogar sein, dass der Kunde mit unserem Angebot zu einem Konkurrenten geht, der dieses dann günstiger umsetzt. Hier muss sich unbedingt etwas ändern.

M. Hauser: Das stimmt, wir sind in unserem System gefangen. Wir legen in den Verträgen mit unseren Kunden fest, welche Werte eine Maschine erreichen muss. Erfüllen wir diese Ziele nicht, müssen wir nachbes­sern; erfüllen wir die Werte, ist alles in Ordnung. Sind wir aber besser als die Zielvorgaben, erhalten wir nichts. Auf Tornos-Maschinen werden häufig Millionen Stückzahlen produziert. Produziert man ein Stück 10 % schneller, dann schlägt sich das schnell positiv auf das Ergebnis des Kunden nieder. In diesem Fall sollten wir einen Bonus erhalten.

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