Roundtable «Wir sitzen in einer Technologiefalle»

Autor Susanne Reinshagen

Der SMM hat für seine Jahreshauptausgabe vier Vertreter von Schweizer Werkzeugmaschinenherstellern an einen Tisch gebeten. Wie sie die Zukunft des Schweizer Werkzeugmaschinenbaus (WZM) beurteilen und welches die Herausforderungen sind, erfahren Sie in diesem Roundtable.

Firmen zum Thema

Am Roundtable nahmen teil v. l. Matthias Böhm, Publisher SMM, Susanne Reinshagen, Redaktorin SMM, Michael Hauser, CEO Tornos SA, Walter Börsch, CEO Starrag Group, Jean-Daniel Isoz, Leiter Business Unit Precision Engineering der Starrag Group und Dipl.-Ing. Walter Fust, VR-Mitglied Starrag Group Holding AG und Tornos SA.
Am Roundtable nahmen teil v. l. Matthias Böhm, Publisher SMM, Susanne Reinshagen, Redaktorin SMM, Michael Hauser, CEO Tornos SA, Walter Börsch, CEO Starrag Group, Jean-Daniel Isoz, Leiter Business Unit Precision Engineering der Starrag Group und Dipl.-Ing. Walter Fust, VR-Mitglied Starrag Group Holding AG und Tornos SA.
(Bild: Tobias Stahel)

SMM: Wie sehen Sie die wirtschaftliche Lage für Schweizer WZM-Hersteller?

Michael Hauser: Als Vorsitzender der Fachgruppe Werkzeugmaschine (WZM) von Swissmem kann ich bestätigen, dass die Situation für die Schweizer WZM-Hersteller zurzeit nicht einfach ist. Das letzte Jahr entwickelte sich bescheiden und auch für dieses Jahr sind wir nicht euphorisch. Der starke Schweizer Franken und die schlechte wirtschaftliche Situation in diversen Industrien tragen dazu bei, dass es bei den WZM-Herstellern nicht so gut läuft.

Jean-Daniel Isoz: Auch bei Bumotec ist die Situation schwieriger geworden. Wir sind sowohl vom starken Schweizer Franken wie auch von der schwächelnden Uhren- und Schmuckindustrie betroffen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

SMM: Herr Fust, Sie sind Aktionär bei der Starrag Group und bei Tornos. Wie beurteilen Sie die Situation als Investor?

Walter Fust: Die WZM-Industrie war schon immer von starken Schwankungen betroffen. Sie reagiert überzyklisch auf die Situation in den Absatzmärkten. Sinken die Umsätze in den Absatzmärkten, spüren wir WZM-Hersteller das überproportional. Das liegt daran, dass WZM nur gekauft werden, wenn die Produktion hochgefahren wird. Bei gleichbleibender Produktion genügen die bestehenden Produktionsmittel.

Wichtig als WZM-Hersteller ist es, eine gesunde Bilanz zu haben und nicht von den Banken abhängig zu sein. Dann kann man schwierige Zeiten gut überstehen.

Am meisten leiden aber nicht die WZM-Hersteller, sondern die Zulieferbetriebe, denn ein Teil der Beschaffung hat sich nach dem Frankenschock von der Schweiz in den europäischen Raum verlagert.

SMM: Wie entwickeln sich die Aktienkurse der WZM-Hersteller?

W. Fust: Die Aktienkurse von WZM-Unternehmen sind zurzeit stark unterbewertet, d. h. sie liegen unter dem Buchwert. Wenn sich die Situation also verbessert, werden sich auch die Aktienkurse erholen.

SMM: Dann werden Sie bestimmt Übernahmeangebote erhalten?

W. Fust: Natürlich, insbesondere von Chinesen und Taiwanesen. Wir sind aber nicht wegen des tiefen Aktienkurses attraktiv, sondern weil wir Spitzentechnologien besitzen. Starrag Group besitzt zum Beispiel grosses Knowhow für Anwendungen in der Schaufelfertigung und der Flugzeugindustrie, Tornos für Anwendungen in der Uhren- und Schmuckindustrie sowie der Medizinaltechnik und Automotive.

SMM: Wie hat sich diese hohe Kompetenz im Bereich des WZM-Baus in der Schweiz entwickelt?

Walter Börsch: Diese hohe Kompetenz hat sich über Jahrzehnte entwickelt und ergibt sich aus dem Cluster von WZM-Herstellern, Zulieferbetrieben und entsprechenden Bildungseinrichtungen. Diese Kombination ist eine wichtige Voraussetzung, um erfolgreich WZM bauen zu können. Man findet sie in Deutschland, in der Schweiz, in Norditalien und in Japan. Der Aufbau solcher Cluster auf hohem Niveau benötigt Zeit und ist nicht so schnell nachzumachen.

SMM: Und wie kann man dieses hohe Niveau halten?

J.-D. Isoz: Dazu braucht es den Willen, immer noch besser zu werden. Bei Bumotec sind es die Kunden, die uns immer wieder bis an unsere Grenzen und darüber hinaus führen. So werden wir immer besser. Kunden, die eine Schweizer WZM kaufen, erwarten etwas Besonderes. Sie fordern mehr als den Standard.

M. Hauser: Kunden, die einen Schweizer Hersteller suchen, wollen Präzision, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit. Das sehen wir bei Tornos immer wieder. Es sind unsere Kunden aus der Uhrenindustrie, der Medizinaltechnik und Automotive, die uns auffordern, immer höhere Qualität und Produktivität zu liefern.

SMM: Dann sind Sie besser als Ihre Konkurrenten?

M. Hauser: Der Weg von der Maschine hin zur Applikation ermöglicht es uns, sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Nur über kundenspezifische Lösungen können wir uns differenzieren und nicht über den Preis.

SMM: Lautet das Erfolgsrezept also, kundenspezifische Lösungen anzubieten?

W. Börsch: Ja, bei der Starrag Group richten wir uns immer mehr an unseren Zielmärkten (Aerospace & Energy, Transportation & Industrial Components, Precision Engineering) und deren spezifischen Anforderungen aus. Wir bieten umfassende Lösungspakete, wobei das Bauteil respektive das Problem des Kunden den Ausgangspunkt bildet. Unser Angebot umfasst eine Maschine, die entsprechenden Vorrichtungen und Werkzeuge sowie die dazu optimale Automatisierungslösung, ergänzt durch ein Servicepaket. Unsere Kunden möchten eine Lösung, die langfristig verlässlich ist.

(ID:44145511)