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SMM: Weshalb können Sie Ihre Leistungen preislich nicht durchsetzen?
W. Börsch: Ich glaube es liegt daran, dass auf dem Anbietermarkt kein Konsens darüber besteht, dass man für Technologie bezahlen muss. Es ist seit Jahrzehnten üblich, kostenfrei Angebote zu erstellen. Wenn man nun als Einzelner versucht, Angebote zu verrechnen, würde man vermutlich schnell aus dem Markt gedrängt, ausser man hat ein starkes Alleinstellungsmerkmal.
Das Problem besteht auch darin, dass der Kunde bereits in der Angebotsphase mit anderen Anbietern vergleichen will. Dazu müssen wir als Lieferant Informationen über die Technologie preisgeben. Es wäre besser, wir könnten unseren Kunden Zusagen abgeben, ohne detaillierte Angaben über die Technologie preisgeben zu müssen.
W. Fust: Wir sollten mehr Standardangebote machen, ohne zu tief in die Details zu gehen.
SMM: Aber gerade hier bei Bumotec bieten Sie ja hochgradig kundenorientierte Lösungen an?
J.-D. Isoz: Bei uns in der Luxusgüterindustrie und der Feinmechanik wollen die Kunden vor allem Qualität. Hier sind die Grenzen nach oben offen. Diese Kunden sind bereit, für die Technologie zu bezahlen, weil sie nur das Beste wollen.
SMM: Glauben Sie, dass die Nachfrage nach Technologie noch steigen wird?
J.-D. Isoz: Ich glaube, dass unsere Kunden zukünftig noch mehr Technologie nachfragen werden und zwar weil sie die Anwendungsspezialisten nicht mehr selber im Haus haben. Aber natürlich muss dann auch dafür bezahlt werden.
SMM: Wie sieht das insgesamt bei der Starrag Group aus? Die Unternehmen, die Turbinenschaufeln fertigen, müssen doch ein grosses Knowhow besitzen?
W. Börsch: Wir bei der Starrag Group haben Kunden, die hohes Ingenieurwissen nicht permanent inhouse haben möchten, weil das viel Geld kostet. Sie suchen sich die entsprechenden Partner. Wir bei der Starrag Group halten deshalb ein hohes Ingenieurwissen bereit, das ist Teil unseres Geschäftsmodells. Wir bekommen es nur noch nicht entsprechend vergütet und sehen, dass Unternehmen, die nur Standardmaschinen verkaufen, sehr profitabel sind.
SMM: Bei Tornos sind Sie doch gerade diesen Weg gegangen, weg von hochkomplexen Maschinen hin zu einfachen Maschinen? Hat sich das bewährt?
M. Hauser: Das stimmt teilweise. Wobei unsere Technologie immer noch relativ komplex ist. Wir mussten diesen Weg einschlagen, weil man vor allem in den USA und in den Schwellenländern Probleme hat, Mitarbeiter zu finden, welche diese hochkomplexen Maschinen bedienen könnten, obwohl sie hochproduktiv sind.
Tornos will heute auch mit einfachen Maschinen komplexe Anwendungen beherrschen, kombiniert mit optimalen Kinematiken und intelligenter Software, die einfach bedienbar sind. Das scheint uns zielführend.
SMM: Wie sehen Sie die WZM-Industrie in der Schweiz in den nächsten 10 Jahren?
W. Fust: Die Schweizer MEM-Industrie hat ca. 300 000 Mitarbeiter mit hohem Fachwissen. Die Schweiz wird immer ein guter Standort für die WZM-Industrie sein, wenn wir unsere Arbeit gut machen.
M. Hauser: Ich spreche hier nochmals im Namen der Fachgruppe WZM von Swissmem und kann bestätigen, dass wir daran glauben, dass die WZM-Branche in der Schweiz Bestand haben wird, vor allem wenn es um Präzisionsmaschinen und spezielle Anwendungen geht. Der Trend geht hin zu ultra schlanken Strukturen und leistungsfähigen Logistikprozessen. So können beispielsweise Schlüsselkomponenten weiterhin in der Schweiz hergestellt werden, während vor- und/oder nachgelagerte Prozesse durch Montagestätten im Ausland erfolgen.
W. Börsch: Für eine Volkswirtschaft ist die industrielle Produktion sehr wichtig. Das hat sich in den letzten Wirtschaftskrisen gezeigt. Die Länder mit einem starken 2. Sektor haben sich schneller wieder stabilisiert als jene mit einem sehr hohen Dienstleistungsanteil. Man sieht das an Grossbritannien und den USA. Die Briten versuchen, mit viel Aufwand das Land wieder zu reindustrialisieren, was sehr schwierig ist. Ist die Industrie und die Ausbildungsinfrastruktur erst einmal weg, wird es sehr schwierig, das Rad zurückzudrehen. Deshalb muss man dem Industriesektor Sorge tragen. SMM
Autoren:
Matthias Böhm, Publisher SMM
Susanne Reinshagen, Redaktorin SMM
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